Welche Fristen muss ich bei der Abgabe meiner Steuererklärung einhalten?

 

Wie lange Sie für die Abgabe Ihrer Steuererklärung Zeit haben, hängt davon ab, ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind (pflichtveranlagt) oder die Steuererklärung freiwillig abgeben (Antragsveranlagung). Außerdem haben wir ein paar weitere Fristen für Sie zusammengestellt. Wie lange Sie beispielsweise Zeit für einen Widerspruch haben und wie lange Sie eine Verlängerung der Abgabefrist beantragen können.

 

In diesem Artikel erfahren Sie:

 

1. Bis wann Sie bei der Pflichtveranlagung eine Steuererklärung abgeben müssen,

2. welche Abgabefrist bei einer freiwilligen Einkommensteuererklärung gilt und

3. welche Fristen Sie beim Einspruch gegen einen Steuerbescheid beachten müssen.  

Abgabefrist der Steuererklärung: Vorweg

Die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind, oder sie freiwillig erstellen. Deswegen sollten Sie vorweg klären, in welche Gruppe Sie fallen. Arbeitnehmer ohne Nebeneinkünfte, sind in der Regel nicht verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben. Pflichtveranlagt werden Sie jedoch schnell, wenn sich etwas an Ihrer Lebenssituation ändert. Wenn Sie beispielsweise weitere Einkünfte neben Ihrem Gehalt haben (das können Lohnersatzleistungen wie Elterngeld sein, aber auch Einnahmen aus Kapitalerträgen oder Vermietung). Auch wenn Sie heiraten, oder Sie oder Ihr Partner die Lohnsteuerklasse V oder VI haben, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Eine detaillierte Auflistung der Kriterien für eine Pflichtveranlagung, finden Sie hier.

 

Pflichtveranlagung: Diese Fristen müssen Sie bei der Einkommensteuererklärung einhalten

Fall 1: Sie sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet.

Bundestag und Bundesrat haben im Juni 2016 ein Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens beschlossen, in dem unter anderem die Abgabefristen geändert werden. Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, gilt seit dem Steuerjahr 2018 der 31. Juli 2019 als spätester Abgabetermin für Ihre Einkommensteuererklärung. Fällt der 31. Juli auf einen Sonn- oder Feiertag, muss die Steuererklärung spätestens am folgenden Werktag beim Finanzamt sein.

 

Wenn Sie sich von einem Steuerberater unterstützen lassen, verlängert sich die Frist durch den erhöhten Verwaltungsaufwand automatisch bis zum letzten Tag im Februar des Folgejahres. Durch das "Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens" werden allerdings auch die Regelungen zu Verspätungszuschlägen verschärft. 

 

Wichtige Hinweise: Haben Sie eine Vorweganforderung vom Finanzamt erhalten, in der Sie aufgefordert werden, die Steuer für das Folgejahr innerhalb einer angegebenen Frist einzureichen, so gilt diese Frist auch dann, wenn Sie ein Steuerberater unterstützt. Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind und dennoch keine Steuererklärung abgeben (z.B. aus Unwissenheit), dann fällt dies dem Finanzamt nicht immer sofort auf, was Sie jedoch nicht von der Pflicht befreit.

 

Bei Personen, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, gibt es eine siebenjährige Frist, innerhalb der das Finanzamt die Steuererklärung nachfordern kann. Das Finanzamt könnte Sie also dieses Jahr dazu auffordern, ihre versehentlich noch nicht eingereichte Steuererklärung des Jahres 2012 nachzureichen; falls Ihnen dann die Belege fehlen, kann das Finanzamt die Steuer schätzen.

 

Achtung: Zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung sind Sie unter anderem dann verpflichtet, wenn sie außer Arbeitslohn Nebeneinkünfte von mehr als 410 EUR beziehen (z.B. aus Vermietung, Rente, selbstständiger Tätigkeit, oder aber wenn Sie einen Lohnsteuerfreibetrag im Lohnsteuerermäßigungsverfahren beantragt haben). Eine detailliere Übersicht über die Gründe für die Pflichtveranlagung einer Steuererklärung finden Sie im Artikel Wer muss eine Steuererklärung abgeben.

Frist verpasst: Was nun?

Sie sind definitiv zu spät dran und schaffen es nicht mehr die Frist einzuhalten? Kein Grund zur Panik. Das Finanzamt steht nicht einen Tag nach Fristende mit Handschellen und Geldsack vor der Tür. Wegducken ist allerdings auch keine Option. Was tun?

 

Option 1: Die Erklärung ist fast fertig, Sie schaffen es aber erst ein, zwei Tage nach Fristende die Steuererklärung abzuschicken. Kein Problem: normalerweise sollten Sie hier keinen Ärger mit dem Finanzamt bekommen.

 

Option 2: Es klemmt an allen Enden, Sie brauchen noch Zeit. Dann so schnell wie möglich die Fristverlängerung beantragen. Per Mail oder Fax beim zuständigen Finanzamt melden und um Fristverlängerung bitten. Am besten mit Grund (fehlende Unterlagen beispielsweise) und einer Dauer bis wann Sie die Erklärung abgeben können. Verlängerungen von drei bis vier Monaten werden in der Regel gewährt.

Steuersoftware: Abgabe der Steuererklärung leicht gemacht!

Egal, ob Sie freiwillig eine Steuererklärung abgeben oder dazu verpflichtet sind: Nutzen Sie auf jeden Fall eine Steuersoftware, denn damit bekommen Sie in der Regel doppelt so viel Geld vom Finanzamt zurück. Hier geht es zu dem umfassenden

 

Steuersoftware-Test

Antragsveranlagung: Diese Fristen gelten bei der Abgabe einer freiwilligen Einkommensteuererklärung

Fall 2: Sie sind nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet.

Wenn Sie nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, haben Sie 4 Jahre Zeit, sich zu viel gezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurückzuholen. Geht die freiwillige Steuererklärung nicht innerhalb von 4 Jahren nach Ablauf des Steuerjahrs beim Finanzamt ein, tritt die Festsetzungsverjährung ein und das Finanzamt bearbeitet die Steuererklärung nicht mehr.

 

Tipp: Diese Frist sollten Sie keinesfalls versäumen! Gerade dann, wenn Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, sollten Sie eine Steuererklärung abgeben. Der Grund: In 9 von 10 Fällen erhalten Arbeitnehmer mit der Antragsveranlagung Geld zurück. Und: Eine Steuernachzahlung ist ausgeschlossen. Im schlechtesten Fall haben Sie sich die Mühe umsonst gemacht, aber das kommt selten vor. 

 

Fristen zur Abgabe der Steuererklärung auf einen Blick

Hier sehen Sie die Fristen, die für die Abgabe der Steuererklärung gelten, je nachdem ob Sie pflichtveranlagt sind, sie freiwillig erstellen oder mit Hilfe eines Steuerberaters: 

Diese Frist gilt für den Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid

Bis wann Sie die Steuererklärung abgeben müssen bzw. welche Fristen für die Abgabe der Steuererklärung gelten ist unterschiedlich, je nachdem ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind oder nicht. Wenn Sie allerdings einen Fehler in Ihrem Steuerbescheid entdecken, gibt es keine Unterschiede mehr: In diesem Fall haben Sie einen Monat Zeit, Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen.

Die Einspruchsfrist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem Sie den Steuerbescheid erhalten. Da sich das bei einem normalen Brief in der Regel nicht nachprüfen lässt, macht man Gebrauch von der sogenannten Zugangsfiktion. Diese geht davon aus, dass der Brief drei Tage nach Übergabe an die Post bei Ihnen eintrifft. Wann das Finanzamt den Brief auf den Weg geschickt hat, erkennen Sie am Stempel des Amts. Die Einspruchsfrist läuft ab dem dritten Tag nach dem Stempel-Datum einen Monat. Fällt das Ende der Frist auf einen Sonntag, endet sie erst mit Ablauf des nächsten Werktags. Wann und wie Sie Einspruch einlegen können oder sollten, lesen Sie hier