Abgeltungssteuer: Welche Erträge sind betroffen?

Fast alle Kapitalerträge fallen unter die Abgeltungssteuer.

Kapitalerträge (v.a. Zins- und Dividendeneinnahmen, aber auch Spekulationsgewinne) von Privatpersonen unterliegen nicht mehr dem normalen Einkommensteuertarif. Stattdessen muss z. B. die auszahlende Bank eine Abgeltungssteuer von 25 % einbehalten. Damit ist die Steuerschuld des Anlegers abgegolten, d. h. die Anrechnung der einbehaltenen Steuerbeträge im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung entfällt. Es kann allerdings sinnvoll sein, die Erträge dennoch in die Einkommensteuerveranlagung einzubeziehen.

 

Welche Erträge sind von der Abgeltungssteuer betroffen?

Fast alle Kapitalerträge (Kapitaleinkünfte) fallen unter die Regelung zur Abgeltungssteuer. Dazu gehören:

  •                Zinsen auf Spareinlagen
  •                Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere
  •                Erträge auf Anteile an Investmentfonds
  •                Dividendenzahlungen
  •                Gewinne aus der Veräußerung von privaten Kapitalanlagen (Spekulationsgeschäfte)
     

Allerdings gibt es auch Ausnahmen von dieser Regelung. Nicht von der Abgeltungssteuer betroffen sind:

  •                Erträge, die im Rahmen eines Betriebs (gewerblich, freiberuflich) anfallen.
  •                Gläubiger und Schuldner sind nahestehende Personen und die Zahlungen sind beim Schuldner Betriebsausgaben oder Werbungskosten.
  •                Einnahmen z. B. als Darlehen, sofern der Gläubiger oder eine ihm nahestehende Person zu mehr als 10 % beteiligt ist.

 

Werden z. B. Zinsen an Familienangehörige gezahlt, ist der Abgeltungsteuersatz nicht unbedingt ausgeschlossen, denn ein lediglich aus der Familienangehörigkeit abgeleitetes persönliches Interesse reicht nicht aus. Erforderlich ist ein Beherrschungsverhältnis zwischen dem Darlehensgeber und dem Anteilseigner.

 

Teilweise Abschaffung der Abgeltungsteuer
Der Koalitionsvertrag vom 7.2.2018 sieht vor, dass die Abgeltungsteuer auf Zinserträge abgeschafft werden soll. Verbunden werden soll dieses mit der Einführung eines automatischen Informationsaustausches. Weitere Informationen zum genauen Vorhaben oder Termin liegen noch nicht vor.

 

Tipp: Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch in unseren Gestaltungshinweisen Anlage KAP und in unserer Ausfüllhilfe Anlage KAP.

 

Auf Antrag können Anteilseigner von Kapitalgesellschaften ihre Erträge der individuellen Einkommensteuer unterwerfen, wenn sie entweder zu mindestens 25 % beteiligt sind, oder zu mindestens 1 % beteiligt und beruflich für die Gesellschaft tätig sind. Dabei ist nicht erforderlich, dass der Anteilseigner auf die Geschäftsführung aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit einen maßgeblichen Einfluss ausüben kann.

 

 

In diesen Fällen sind die Erträge wie bisher im Rahmen der Einkommensteuererklärung anzusetzen und unterliegen dem persönlichen Steuersatz. Die einbehaltene Steuer hat den Charakter einer Steuervorauszahlung. Ihr Vorteil bei dieser Regelung: Die Werbungskosten können in diesen Fällen in vollem Umfang geltend gemacht werden.

 

Praxis-Tipp: Kontrollieren Sie die Abrechnung Ihrer Bank insbesondere dann, wenn Sie Wertpapiere nach einem Depotwechsel verkaufen. Hat die übergebende Bank den Erwerbszeitpunkt und die Anschaffungskosten nicht korrekt mitgeteilt, kann es dazu kommen, dass zu viele Abgaben einbehalten werden. Solche Fehler können Sie in der Steuererklärung korrigieren!

 

Die neue Fondsbesteuerung ab 2018

Ab 2018 wurde die  Fondsbesteuerung (ausgenommen Rentenfonds) vollkommen umgestellt. Steuerlich gilt der Fondsbestand zum 31.12.2017 als verkauft und zum 1.1.2018 als wieder angeschafft. Der dabei entstehende Gewinn oder Verlust aus der fiktiven Veräußerung der Anteile ist gesondert festzustellen, aber erst zu dem Zeitpunkt zu versteuern, zu dem die Alt-Anteile tatsächlich veräußert werden. Die wichtigsten weiteren Änderungen:

 

  • Deutsche Fonds zahlen 15 % Körperschaftsteuer, was zu einer Verringerung des Ausschüttungsvolumens führt.
  • Der Anleger erhält zum Ausgleich je nach Art des Fonds Steuerfreistellung für in- und ausländische Fonds.

 

 

Teilfreistellungssätzenatürliche Personen (Privat- vermögen)natürliche Personen (Betriebs- vermögen)Körper-schaften
Aktienfonds (mindestens 51 % in Kapitalbeteiligungen angelegt)30 %60 %60 %
Mischfonds (mindestens 25 % in Kapitalbeteiligungen angelegt)15 %30 %40 %

Immobilienfonds

  • mindestens 51 % in Immobiliengesellschaften angelegt
  • mindestens 51 % in Auslandsimmobilien angelegt

60 %

 

80 %

60 %

 

80 %

60 %

 

80 %


Ausgenommen von der Freistellung sind Fonds, die in Swaps investieren (Fully-funded Swaps). Die Steuerfreistellung gilt sowohl für laufende Erträge als auch für Gewinne bzw. Verluste, die bei einem Verkauf anfallen.

Laufende Einkünfte ausschüttender Fond
Bei ausschüttenden Fonds unterliegen die so geminderten Ausschüttungen der Abgeltungsteuer.

 

Teilfreistellung
Der Anleger erhält für einen Aktienfonds (> 51 % Aktien) eine Bruttoausschüttung von 1.000 EUR. Die Bank behält hierfür 175 EUR Abgeltungsteuer ein (1.000 × 70 % × 25 %). Der Anleger erhält einen Auszahlungsbetrag von 825 EUR.

 

Laufende Einkünfte thesaurierender Fonds

Für thesaurierende Fonds wird eine „Vorabpauschale“ berechnet. Diese gilt am 1.1. des Folgejahres als zugeflossen. Der Wert des Fondsanteils am Jahresanfang wird mit 70 % des von der Deutschen Bundesbank zum Jahresanfang errechneten Basiszinssatzes multipliziert. Der Basiszinssatz für 2018 ist mit 0,87 % festgestellt worden (BMF, Schreiben v. 4.1.2018, IV C 1 - S 1980-1/14/10001 :038).

 

Laufende Besteuerung eines thesaurierenden Fonds
Der Wert des Fondsbestandes (Aktienfond > 51 % Aktien)  am 1.1.2018 beträgt 50.000 EUR, am 31.12. 52.000 EUR. Die Vorabpauschale beträgt somit 304,50 EUR (50.000 × 0,87 % × 0,7). Verglichen wird die Vorabpauschale mit dem Zuwachs, den der Fond bis zum 31.12. erzielt hat. Ist der Zuwachs geringer als die Vorabpauschale, wird dieser für die Abgeltungsteuer zugrunde gelegt. Die so ermittelten fiktiven Einkünfte werden um die Steuerfreistellung von 30 % gekürzt. Der verbleibende Betrag von 213,15 EUR unterliegt der Abgeltungsteuer (25 % = 53,29 EUR). Als Zuflusszeitpunkt gilt der 1.1.2019.

 

Den Steuerbetrag muss der Anleger der Bank zur Verfügung stellen. I. d. R. wird dazu ein Verrechnungskonto vereinbart oder es erfolgt ein Teilverkauf der Fondsanteile. Der Anleger kann dieser Belastung widersprechen, muss dann aber die Erträge in seiner Steuererklärung angeben.

 

Verkauf von Fondsanteilen

Werden Fondsanteile eines ausschüttenden Fonds verkauft, ist der Differenzbetrag zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten steuerpflichtig. Bei einem thesaurierenden Fond trifft dies auch zu, allerdings werden die bereits versteuerten Vorabpauschalen angerechnet, sodass eine Doppelbesteuerung vermieden wird. In beiden Fällen erfolgt die Teilfreistellung des Unterschiedsbetrags.

Wird ein Fonds mit Verlust verkauft, erhöht sich der Verlust bei einem thesaurierenden Fond um die Vorabpauschalen. Auch hier ist der Verlust nur mit dem Betrag steuerwirksam, der nicht der Teilfreistellung unterliegt.

 

Verkauf von Fondsanteilen –  Altbestand vor 2009

Für Altbestände, die bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer am 1.1.2009  angeschafft wurden und bei denen der Verkauf vor dem 1.1.2018 steuerfrei gewesen wäre (bestandsgeschützte Alt-Anteile), ist die Neuregelung u. U. von Nachteil. Anleger erhalten für diese Bestände beim Verkauf auf den Gewinn, der zwischen dem 31.12.2017 und dem Zeitpunkt der Veräußerung angefallen ist, einen Freibetrag von 100.000 EUR (Ehegatten doppelt). Ein darüber hinausgehender Ertrag ist allerdings zu versteuern. Voraussetzung für den Freibetrag ist, dass die Alt-Anteile seit der Anschaffung nicht im Betriebsvermögen gehalten wurden.

 

Verkauf von Fondsanteilen –  Altbestand
Der Fondsbestand eines Aktienfonds wurde 2006 für 200.000 EUR erworben. Zum 31.12.2017 betrug der Wert 250.000 EUR, verkauft wurde der Fond für 400.000 EUR. Vom Veräußerungsgewinn bleibt der Betrag von 50.000 EUR, der bis zum 31.12.2017 angefallen ist, außer Betracht. Vom Restbetrag (150.000 EUR) wird der Freibetrag von 100.000 EUR abgezogen. Der verbleibende Gewinn von 50.000 ist zu 70% steuerpflichtig (Teilfreistellung). Es verbleibt eine Steuerschuld von 8.750 EUR (50.000 * 70% * 25%).

 

Freibetrag
Der persönliche Freibetrag von 100.000 EUR ist nur in der Veranlagung und nicht bei der Erhebung der Kapitalertragsteuer anzuwenden. Das bedeutet, dass die Bank zunächst einmal die volle Abgeltungsteuer einbehalten muss. Eine Erstattung gibt es dann mit dem Steuerbescheid.

 

Unterliegen die Erträge aus Investmentfonds im Rahmen der endgültigen Besteuerung nicht dem besonderen Steuersatz (§ 32d EStG), z. B. weil sie im Betriebsvermögen gehalten werden, können darauf entfallende Betriebsausgaben nur anteilig abgezogen werden, soweit die Teilfreistellung nicht gilt.

 

Weitere Auswirkungen: Die Anrechnung im Ausland gezahlter ausländischer Quellensteuern entfällt.

 

Rentenfonds sind von der Neuregelung nicht betroffen. Für die steuerliche Behandlung der Einkünfte aus einem Spezial-Investmentfonds gelten abweichende Regeln: Der gesonderte Steuertarif nach § 32d EStG ist nicht anzuwenden und entfaltet somit keine Abgeltungswirkung; damit ist ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten nach § 20 Abs. 9 EStG möglich. Auf die Einkünfte ist der individuelle Steuersatz anzuwenden.

Ausfall einer privaten Darlehensforderung

Mit seiner Entscheidung, dass der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG einem Verkauf der Forderung gleichzusetzen ist und in der privaten Vermögenssphäre zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führen kann, hat der BFH die Trennung von Vermögens- und Ertragsebene für Einkünfte aus Kapitalvermögen aufgegeben. Durch die Vorschriften zur Abgeltungsteuer können alle danach Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erfasst werden, sowohl positiv als auch negativ.
Ein Verlust liegt vor, wenn die Rückzahlung der Kapitalforderung unter dem Nennwert des hingegebenen Darlehens bleibt. Die Zinszahlungen bleiben dabei außer Betracht. Allerdings verlangt der BFH den endgültigen Forderungsausfall, d. h. dass weitere Rückzahlungen nicht mehr zu erwarten sind. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens reicht hierfür in der Regel nicht aus, bei einer Ablehnung der Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse sind die Voraussetzungen erfüllt.
Auch derartige Verluste unterliegen der  Verlustverrechnungsbeschränkung für Kapitaleinkünfte (§ 20 Abs. 6 EStG).
Ob auch ein Verzicht auf eine Darlehensforderung steuerlich zu berücksichtigen ist, hat der BFH ausdrücklich offengelassen (BFH, Urteil v. 24.10.2017, VIII R 13/15).

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Sparerpauschbetrag und Werbungskosten

Unterliegen die Einnahmen dem Abgeltungssteuersatz, wird der Sparerpauschbetrag gewährt. Dieser beträgt 801 EUR für Alleinstehende bzw. 1.602 EUR für zusammen veranlagte Ehegatten. Mit dem Sparerpauschbetrag (siehe Kapitalerträge) sind grundsätzlich sämtliche Werbungskosten (z. B. Depotgebühren, Fremdfinanzierungszinsen) abgegolten.

 

Praxis-Tipp: Sofern für Ihre Kapitaleinkünfte hohe Kosten anfallen, z. B. Zinsen für fremdfinanzierte Wertpapiere, können Sie diese nur dann geltend machen, wenn Sie die Wertpapiere in den betrieblichen Bereich einlegen. Sofern Sie keinen Betrieb haben, kommt u. U. die Gründung einer gewerblich geprägten Personengesellschaft in Betracht.

 

 

Wann lohnt sich der Antrag zur Einkommensteuerveranlagung?

Grundsätzlich bleiben Erträge, die der Abgeltungssteuer unterliegen, bei der Einkommensteuerveranlagung außen vor. Der Steuerpflichtige kann jedoch beantragen, diese Einkünfte in die Einkommensteuerveranlagung einzubeziehen. Die einbehaltene Kapitalertragsteuer wird dann auf die Einkommensteuer angerechnet. Das sollten Sie aber nur tun, wenn Ihre Steuerbelastung geringer ist als 25 %. Das Finanzamt prüft dann, ob der persönliche Einkommensteuersatz günstiger ist als die Abgeltungssteuer.

 

Hinweis: Der Antrag kann nur für alle der Abgeltungssteuer unterliegenden Erträge und ggf. von Ehegatten gemeinsam gestellt werden. Der über die Pauschbeträge hinausgehende Werbungskostenabzug ist allerdings ausgeschlossen. Die Finanzverwaltung vertritt in diesem Zusammenhang die Rechtsauffassung, dass derartige Wahlrechte fristgebunden sind und nur bis zum Eintritt der Bestandskraft ausgeübt werden können. Das hat zur Folge, dass nachträgliche Korrekturen ausgeschlossen sind – unabhängig davon, ob der Steuerpflichtige die Ausübung des Wahlrechts grob fahrlässig oder versehentlich unterlassen hat.

 

Außerdem können Sie beantragen, dass im Rahmen der Einkommensteuer­erklärung der Einbehalt der Abgeltungssteuer überprüft wird. Das ist in den Fällen interessant, in denen Sie den Sparerpauschbetrag durch einen Freistellungsauftrag nicht oder nicht richtig gestellt haben. 

 

Praxis-Beispiel: S hat Konten bei der A- und bei der B-Bank. Er gibt einen Freistellungsauftrag nur bei der B-Bank ab. Dort erzielt er Zinseinnahmen von 500 EUR. Die A-Bank behält von den dort erzielten Zinseinnahmen i. H. v. 600 EUR Abgeltungsteuer ein. S hat seinen Sparerpauschbetrag i. H. v. (801 - 500 =) 301 EUR nicht ausgenutzt. Wenn er keinen Antrag stellt, verliert er bares Geld.

 

Beantragt er dagegen eine sogenannte Günstigerprüfung im Rahmen der Einkommensteuererklärung, erhält er 75,25 EUR (25 % von 301 EUR) zurück.

 

Tipp: Wenn Sie die Veranlagungsoption oder die Günstigerprüfung nutzen wollen, müssen Sie dies unbedingt durch ein Kreuz in der Anlage KAP beantragen. Nur dann führt das Finanzamt die Prüfung durch. Außerdem sollten Sie Ihren Steuerbescheid daraufhin besonders kontrollieren!

 

Was passiert mit Verlusten aus Kapitalanlagen?

Verluste aus den Einkünften, die der Abgeltungssteuer unterliegen, können nicht mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden. Sie werden jedoch auf zukünftige Erträge vorgetragen. Eine weitere Einschränkung gilt für Aktienveräußerungen: Aktienveräußerungsverluste dürfen nur mit Aktienveräußerungsgewinnen ausgeglichen bzw. verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 Satz 5 EStG), nicht mit z. B. Zinserträgen.

 

Praxis-Beispiel: A hat 2.000 EUR Zinserträge bezogen. Daneben hat er aus der Veräußerung von Aktien Gewinne in Höhe von 500 EUR und Verluste von 1.200 EUR erzielt. Die Zinserträge unterliegen in vollem Umfang der Abgeltungssteuer. Die Aktienveräußerungsgewinne werden mit den -verlusten verrechnet. Der Restbetrag (die Verluste in Höhe von 700 EUR) wird vorgetragen auf das nächste Jahr.


Praxis-Tipp: Nach dem Gesetzeswortlaut gilt die eingeschränkte Verlustverrechnung ausschließlich für Aktienveräußerungsverluste, nicht z. B. für Aktienfonds.

 

Wären die Verluste in obigem Beispiel durch die Veräußerung von Aktienfonds angefallen, hätte eine Verrechnung auch mit den Zinseinkünften stattfinden können, sodass insgesamt nur 1.300 EUR (2.000 + 500 - 1.200 EUR) der Abgeltungssteuer unterlegen hätten.

 

Freistellungsauftrag kann Einbehalt der Abgeltungssteuer verhindern

Der Einbehalt der Abgeltungssteuer kann durch Ihren Sparerpauschbetrag (Ledige 801 EUR, Ehegatten 1.602 EUR) ganz oder teilweise verhindert werden. Hierzu müssen Sie Ihrer Bank (Aktienfonds etc.) einen schriftlichen Freistellungsauftrag erteilen. Dieser muss dem amtlichen Muster entsprechen; entsprechende Formblätter erhalten Sie bei Ihrem Kreditinstitut. Liegt ein Freistellungsauftrag vor, so braucht das Kreditinstitut den Zinsabschlag (bis zur Grenze des Sparerpauschbetrags) nicht vorzunehmen.

 

Praxis-Tipp: Sie dürfen Freistellungsaufträge mehrfach und an mehrere Kreditinstitute erteilen. Insgesamt dürfen Sie dabei aber die Grenze von 801 (bzw. 1.602) EUR für die Summe aller Freistellungsaufträge nicht überschreiten. Es ist daher sehr wichtig, dass Sie den Freistellungsauftrag richtig platzieren! Grund: Wenn Sie den Freistellungsauftrag bei einer Bank nicht ausnutzen, bei einer anderen aber deutlich überschreiten, verlieren Sie Geld (s. o.).

 

Wann Sie eine Nichtveranlagungs­bescheinigung beantragen sollten

Auf besonderen Antrag bescheinigt Ihnen das Finanzamt, dass Ihr Einkommen nicht zu einer Steuerpflicht führt und dass Sie nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden (Nichtveranlagungsbescheinigung oder NV-Bescheinigung). Die Bescheinigung wird widerruflich für 3 Jahre ausgestellt. Sie kann auch kürzer befristet werden, wenn Anzeichen dafür vorliegen, dass sich Ihre Einkünfte künftig erhöhen werden, z. B. wegen Beendigung der Schul- oder Hochschulausbildung. Eine NV-Bescheinigung wird nicht erteilt, wenn Sie voraussichtlich zur Einkommensteuer veranlagt werden und die Veranlagung zur Festsetzung einer Steuer führt. Bei Vorlage einer NV-Bescheinigung können die Kreditinstitute von der Erhebung des Zinsabschlags absehen (§ 44a EStG). Seit Einführung des Zinsabschlags ist die NV-Bescheinigung für Schüler, Studenten, Rentner und Pensionäre von Bedeutung. Während ein Freistellungsauftrag nur bis zur Höhe der Freibeträge von 801 EUR bzw. 1.602 EUR gilt, entfällt der Abschlag durch die Abgeltungssteuer bei Vorlage einer Freistellungsbescheinigung für sämtliche Kapitaleinkünfte.

 

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