Abschreibungen im Betrieb: Diese Möglichkeiten gibt es

Die Uhr tickt unerbittlich: Sobald Sie eine Maschine oder einen Firmenwagen für Ihr Unternehmen gekauft haben, sinkt der Wert Ihrer Anschaffung. Abschreibungen bilden diese Wertminderung im betrieblichen Rechnungswesen ab. Dabei sind die Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten auf die voraussichtliche Nutzungsdauer des Anlageguts zu verteilen. Gleichzeitig senken Sie damit Ihren Gewinn und sparen Steuern. Wir zeigen wie:

 

Wie erfolgt eine planmäßige Abschreibung?

Anhand der folgenden Übersicht können Sie ersehen, in welchen Fällen eine planmäßige Abschreibung vorzunehmen ist. Dabei ist zu unterscheiden, ob das angeschaffte bzw. hergestellte Wirtschaftsgut längerfristig im Betrieb genutzt werden soll (Anlagevermögen) oder ob es direkt zum Verkauf bestimmt ist (Umlaufvermögen).

 

Ein Wirtschaftsgut (= WG) wird für den Betrieb angeschafft/hergestellt bzw. es wird aus dem Privatvermögen in das Betriebsvermögen eingelegt.
Das Wirtschaftsgut rechnet zum Anlagevermögen (= das WG soll längerfristig betrieblich genutzt werden).Das Wirtschaftsgut zählt zum Umlaufvermögen (= WG ist zum Verkauf bestimmt).

Nicht abnutzbare WG
(z. B. Grund und Boden)
Abnutzbares WG
(z. B. Pkw, Maschinen, Autotelefon)
Die Anschaffungs-/ Herstellkosten wirken sich erst im Zeitpunkt der Veräußerung bzw. Entnahme des Wirtschaftsgutes als Betriebsausgabe aus.• Die Nutzungsdauer beträgt nicht mehr als ein Jahr:
Die AK/HK sind sofort als BA abzugsfähig.
• Die Nutzungsdauer beträgt mehr als ein Jahr:
Die Vorschriften über die Abschreibung finden Anwendung.
Die Anschaffungs-/ Herstellkosten zählen zu den Betriebsausgaben:
• bei der Gewinnermittlung durch eine Einnahme-Überschuss-Rechnung zum Zeitpunkt der Bezahlung (bzw. Einlage);
• bei der Gewinnermittlung durch Buchführung im Jahr des Verkaufs durch den Betrieb.

 

 

Maßgebende Faktoren für eine planmäßige Abschreibung

Die Abschreibung von abnutzbaren Anlagegütern ist abhängig von 

  • der Höhe der Anschaffungs- /Herstellkosten (bzw. vom Einlagewert),
  • der voraussichtlichen Nutzungsdauer,
  • der Abschreibungsmethode.

 

Bei sämtlichen Wirtschaftsgütern (abnutzbare und nicht abnutzbare Anlagegüter, Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens) kommt ggf. eine außerplanmäßige Abschreibung  in Betracht. Details hierzu finden Sie am Ende dieses Beitrags.

 

Bemessungsgrundlage

Bemessungsgrundlage für die Abschreibung sind die Anschaffungskosten bzw. die Herstellkosten, bei einer Einlage der Einlage- bzw. der Restwert. Lesen Sie hierzu auch das Stichwort Abschreibungen/Anschaffungs- und Herstellungskosten.

 

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer besitzt eine private Eigentumswohnung, die er ursprünglich für 100.000 EUR gekauft und vermietet hat. Hierfür hat er in den vergangenen Jahren bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung Abschreibungen von 55.000 EUR in Anspruch genommen. Ab dem 1.1.2017 nutzt er die Wohnung für seinen Gewerbebetrieb. Der Teilwert am 1.1.2017 beträgt 200.000 EUR.

Lösung: Die weitere Abschreibung bemisst sich nach einer Einlage mit dem Teilwert abzüglich der bei den Überschusseinkünften vorgenommenen Abschreibungen, also 145.000 EUR im Beispielsfall. Soweit eine Investitionszulage gezahlt wurde, bleibt diese steuerfrei und führt zu keiner Minderung der Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten.

 

 

Voraussichtliche Nutzungsdauer

Je kürzer die voraussichtliche betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (= Zeitraum der Abschreibung) ist, desto schneller können Ihre Aufwendungen steuerlich abgezogen werden. Am einfachsten ist es, wenn zur Bestimmung der Nutzungsdauer auf die amtlichen AfA-Tabellen zurückgegriffen wird.

 

Für nach dem 31.12.2000 angeschaffte/hergestellte Wirtschaftsgüter ist die AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter (BStBl I 2000, 1532) anzuwenden. Diese können Sie sich auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums herunterladen (http://www.bundesfinanzministerium.de/ und als Suchstichwort "AfA-Tabelle"). Außerdem gibt es noch branchenspezifische AfA-Tabellen, die Sie beim Finanzamt oder bei Ihrem Steuerberater einsehen können.

 

Gebraucht erworbene Wirtschaftsgüter sind auf deren voraussichtliche Restnutzungsdauer abzuschreiben. Bei der Schätzung kommt es neben dem Zustand des Wirtschaftsguts im Zeitpunkt des Erwerbs auf die Art und den Umfang der voraussichtlichen jährlichen Nutzung im Betrieb an. Haben Sie einen Betrieb gekauft, müssen die auf den Geschäfts- bzw. Firmenwert entfallenden Aufwendungen gleichmäßig auf 15 Jahre verteilt werden (§ 7 Abs. 1 EStG).

 

Haben Sie eine freiberufliche Praxis übernommen, sind die auf den Praxiswert entfallenden Aufwendungen i. d. R. auf 3 bis 5  Jahre zu verteilen.

 

Praxis-Tipp:  Die vertragsärztliche Zulassung ist kein eigenständiges Wirtschaftsgut. Sie bildet mit dem Praxiswert eine untrennbare Einheit und ist dementsprechend wie dieser abzuschreiben. Das gilt auch, wenn ein Überpreis gezahlt wird. Ist jedoch ausnahmsweise nur die Vertragsarztzulassung Gegenstand des Kaufvertrags, so handelt es sich um ein selbständiges immaterielles nicht abnutzbares Wirtschaftsgut.

 

 

Problematisch sind Fälle, in denen ein Erwerb teilentgeltlich erfolgt, z. B. im Rahmen einer Erbauseinandersetzung oder bei einer vorweggenommenen Erbfolge. Hier ist noch nicht endgültig geklärt, wie die Anschaffungskosten bzw. steuerpflichtige Veräußerungserlöse zu berechnen sind.

 

Beginn/Ende der Abschreibung

Bei gekauften Wirtschaftsgütern beginnt die Abschreibung mit der Anschaffung, bei selbst hergestellten Wirtschaftsgütern zum Zeitpunkt der Fertigstellung. Dies führt dazu, dass im Jahr des Erwerbs bzw. der Fertigstellung nur der zeitanteilige Jahresabschreibungsbetrag zu berücksichtigen ist (Erwerb im Januar = voller Jahresbetrag, im Februar = 11/12 des Jahresbetrags, im März = 10/12 des Jahresbetrags usw.). Der Zeitpunkt der Zahlung ist für den AfA-Beginn ohne Bedeutung.

 

Die Abschreibung eines Wirtschaftsguts endet, wenn dessen Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten vollständig abgesetzt sind, also mit Ablauf der zugrunde gelegten Nutzungsdauer. Scheidet das Wirtschaftsgut schon vor diesem Zeitpunkt aus (z. B. durch Zerstörung, Verkauf oder Entnahme), endet die planmäßige Abschreibung schon vorher. In jedem Fall ist im Jahr des Ausscheidens ebenfalls nur eine zeitanteilige AfA zu berücksichtigen (s. o.).

 

Wichtig: Eine Abschreibung ist zwingend vorzunehmen, auch wenn der Buchwert einen (Rest-)Wert des Wirtschaftsguts unterschreitet. Das gilt auch für die Gewinnermittlung durch Einnahme-Überschuss-Rechnung. Wird ein Wirtschaftsgut aber zunächst nicht als Betriebsvermögen behandelt, obwohl die Voraussetzungen vorlagen, darf die versäumte AfA in späteren Jahren nicht nachgeholt werden.

 

 

Diese Abschreibungsmethoden gibt es

Abhängig von den Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten bestehen für alle Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2009 erworben bzw. hergestellt wurden, folgende Möglichkeiten:  

 

Anschaffungskosten/Herstellkosten
Methode
Bis zu 150 EURSofortabschreibung
Mehr als 150 EUR bis max. 1.000 EUR Geringwertige Wirtschaftsgüter/Sammelposten
Ab 1.001 EUR Lineare oder degressive Abschreibung nach Nutzungsdauer

 

Maßgebend sind die Nettokosten, d. h. ohne enthaltene Umsatzsteuer.

 

Erhöhung der Grenzen für die Sofortabschreibung ab 2018

Ab dem 1.1.2018 wird die Grenze für die Sofortabschreibung von derzeitig 410 EUR auf 800 EUR erhöht. 

Anschaffungskosten/Herstellkosten
Methode
Bis zu 250 EURSofortabschreibung
Mehr als 250 EUR bis max. 1.000 EURGeringwertige Wirtschaftsgüter/Sammelposten
Ab 1.001 EURLineare oder degressive Abschreibung nach Nutzungsdauer 

 

 

Lineare Abschreibung

Die lineare Abschreibung gilt grundsätzlich für alle Wirtschaftsgüter, es sei denn es wird die Regelung für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG oder Sammelposten)  in Anspruch genommen. Hierbei werden die Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten gleichmäßig auf die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt.

 

Praxis-Beispiel:  Sie haben im Mai eine Maschine (betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer = 5 Jahre) für 60.000 EUR zzgl. 11.400 EUR Umsatzsteuer erworben.

Lösung: Die Anschaffungskosten betragen 60.000 EUR (bzw. 71.400 EUR, soweit keine Vorsteuerabzugsberechtigung besteht). Der lineare Abschreibungssatz beträgt 20 % (100 % / voraussichtliche Nutzungsdauer), sodass sich ein rechnerischer Jahresabschreibungsbetrag i. H. v. 12.000 EUR ergibt. Im Anschaffungsjahr können Sie nur eine zeitanteilige Abschreibung i. H. v. 8/12 des Jahresbetrags von 12.000 EUR, also 8.000 EUR, berücksichtigen.

 

 

 

§ 7g-Sonderabschreibung

§ 7g Abs. 5 des Einkommensteuergesetzes räumt dem Unternehmer ein Wahlrecht zur Sonderabschreibung ein. Lesen Sie hierzu das Stichwort Investitionsabzugsbetrag (Ansparrücklage).

 

 

Welche Möglichkeiten einer außerplanmäßigen Abschreibung gibt es?

Neben der vorgestellten planmäßigen Abschreibung gibt es noch weitere außerplanmäßige Abschreibungen, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen:

 

Teilwertabschreibung

Liegt der tatsächliche Wert des Wirtschaftsguts voraussichtlich dauerhaft unter dessen Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten (bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern wie z. B. Gebäuden und Maschinen unter dem Restbuchwert), können nur bilanzierende Unternehmer eine Teilwertabschreibung vornehmen.

 

 

Praxis-Beispiel: Sie haben im Vorjahr ein Grundstück für 300.000 EUR erworben. Im Jahr 2017 stellt sich heraus, dass das Grundstück wegen diverser Bauauflagen nicht für die vorgesehene Bebauung geeignet ist. Der tatsächliche Wert des überteuert eingekauften Grundstücks liegt bei 250.000 EUR.

Soweit man von einer dauerhaften Wertminderung ausgehen kann und der Gewinn durch Buchführung (Bilanz + Gewinn-und-Verlust-Rechnung) ermittelt wird, kann eine den Gewinn mindernde Teilwertabschreibung i. H. v. 50.000 EUR vorgenommen werden. Wenn Sie Ihren Gewinn durch eine Einnahme-Überschuss-Rechnung ermitteln, ist eine Teilwertabschreibung nicht zulässig.

 

 

Das Bundesfinanzministerium geht von einer voraussichtlich dauerhaften Wertminderung (v. d. W.) nur in folgenden Fällen aus:

 

  • Bei Wirtschaftsgütern des abnutzbaren Anlagevermögens (Maschinen, Betriebsgebäude etc.) liegt eine v. d. W. vor, wenn der Wert des jeweiligen Wirtschaftsguts am Bilanzstichtag mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt.
  • Bei Wirtschaftsgütern, die nicht zum abnutzbaren Anlagevermögen gehören (Grund und Boden, Beteiligungen etc.), ist darauf abzustellen, ob die Gründe für die Wertminderung voraussichtlich anhalten werden. Preisschwankungen im Immobilienbereich sowie Kursschwankungen von börsennotierten Wertpapieren werden als "vorübergehend" eingestuft.
  • Bei börsennotierten Aktien des Anlagevermögens ist eine Teilwertabschreibung immer dann möglich, wenn der Kursverlust am Bilanzstichtag größer als 5 %, ist.

 

   

Praxis-Tipp:  Eine Teilwertabschreibung kommt vor allem bei Warenbeständen in Betracht. Bei den Warenvorräten kommt es darauf an, ob der Wiederbeschaffungspreis am Bilanzstichtag unter ihrem Einkaufspreis liegt und ob dieser Umstand bis zur Bilanzerstellung (bzw. zum vorherigen Verkauf) anhält.

 

 

Bei Anlagevermögen wird eine Teilwertabschreibung nur in Ausnahmefällen möglich sein. Wenn  im Zusammenhang mit abnutzbaren Anlagegütern im Vorjahr eine Teilwertabschreibung vorgenommen wurde, muss im laufenden Jahr eine Neuberechnung der planmäßigen Abschreibung erfolgen.  Dazu ist der Restbuchwert durch die Restnutzungsdauer zu teilen.

 

 

Wichtig:  Auch ist in jedem der Folgejahre jeweils zu prüfen, ob der Teilwert gestiegen ist. Ist dies der Fall, muss eine (gewinnerhöhende) Wertaufholung vorgenommen werden (Wertobergrenze sind die ursprünglichen Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten abzüglich Normal-AfA).

 

 

Absetzung für außergewöhnliche wirtschaftliche und technische Abnutzung (AfaA)

Eine AfaA kann zusätzlich zur linearen Abschreibung von Anlagegütern in Betracht kommen. Diese kann auch in Anspruch genommen werden, wenn Sie Ihren Gewinn durch eine Einnahme-Überschuss-Rechnung ermitteln. Voraussetzung für die AfaA ist, dass das Anlagegut aufgrund einer Beschädigung nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr nutzbar ist.

 

Praxis-Tipp:  Wird ein Anlagegut z. B. vor Ablauf der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer zerstört (etwa Totalschaden des Betriebs-Pkw), ist der Restbuchwert sofort in vollem Umfang als Betriebsausgaben zu behandeln.

Praxis-Tipp: Wollen Sie Ende 2017 noch Wirtschaftsgüter anschaffen, die zwischen 400 EUR und 800 EUR (netto) kosten, dann sollten Sie überlegen, ob ein Kauf in 2018 wegen der erhöhten GWG-Grenzen nicht sinnvoller ist.

 

 

Wenn Sie für ein degressiv abgeschriebenes Anlagegut eine AfaA beanspruchen wollen, müssen Sie zur linearen AfA übergehen.

 

Kauftipp: Einen schnellen Überblick über die steuerlichen Auswirkungen Ihrer Abschreibungen gewinnen Sie am besten mit einer geeigneten Steuersoftware wie z. B. TAXMAN für Selbstständige.

 

Checkliste für Abschreibungen

Hier noch einmal ein kurzer Überblick in Form einer Checkliste, auf was Sie alles bei der Abschreibung zu achten haben:

 

Im Jahr 2016 erworbene/hergestellte abnutzbare Anlagegüter  

  • Beträgt die voraussichtliche Nutzungsdauer mehr als 12 Monate?
  • Kommt eine Sofortabschreibung (Anschaffungskosten/Herstellkosten bis 150 EUR netto) in Betracht?
  • Sollen die Anschaffungskosten/Herstellkosten in einen Sammelposten aufgenommen werden (Anschaffungskosten/Herstellkosten von 150 EUR bis 1.000 EUR netto)?
  • Soll das Wahlrecht der Sofortabschreibung bei Anschaffungskosten bis 410 EUR genutzt werden?
  • Ist eine § 7g-Sonderabschreibung möglich?
  • Kommt eine Teilwertabschreibung oder eine Absetzung für außergewöhnliche wirtschaftliche und technische Abnutzung in Betracht?

 

 

In Vorjahren erworbene/hergestellte abnutzbare Anlagegüter

  • Ist eine § 7g-Sonderabschreibung möglich?
  • Liegen die Voraussetzungen für eine Teilwertabschreibung oder eine Absetzung für außergewöhnliche wirtschaftliche und technische Abnutzung in vor?
  • Muss eine Teilwertabschreibung rückgängig gemacht werden, weil eine Wertminderung ganz oder teilweise entfallen ist?

 

 

Nicht abnutzbare Anlagegüter und Warenbestand

  • Liegen die Voraussetzungen für eine Teilwertabschreibung vor?
  • Muss eine Teilwertabschreibung rückgängig gemacht werden, weil eine Wertminderung ganz oder teilweise entfallen ist?

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