EÜR: Steuerliche Besonderheiten bei Gewinnermittlung nach der Einnahmen-Überschussrechnung

Die Einnahmen-Überschussrechnung ist eine recht einfache Form der Gewinnermittlung. Vor allem Freiberufler und Kleinunternehmer können mit einer EÜR Aufwand und Kosten sparen.

Die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ist im Vergleich zur Bilanzierung eine recht einfache Form der Gewinnermittlung. Unter anderem deshalb wird sie häufig von kleinen Betrieben und von Freiberuflern bevorzugt. In diesem Beitrag finden Sie einige grundlegende Infos rund um steuerliche Aspekte und die Gewinnermittlung bei der Einnahmen-Überschussrechnung.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

 

Wer darf seinen Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln?

Als Unternehmer, Freiberufler oder Selbstständiger dürfen Sie den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ermitteln, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

 

  • Sie üben eine nichtgewerbliche selbstständige Tätigkeit aus (z.B. Freiberufler). In diesem Fall dürfen Sie den Gewinn in jedem Fall nach EÜR ermitteln, unabhängig von der Höhe des Gewinns oder Umsatzes.
  • Sie betreiben ein Gewerbe. Dann ist die EÜR für Sie als Einzelunternehmer erlaubt, wenn Ihr Umsatz nicht über 600.000 EUR und Ihr Gewinn nicht über 60.000 EUR liegt.

 

 

Praxis-Tipp: Überschreiten Gewerbetreibende entweder die Umsatz- oder die Gewinnobergrenze, müssen Sie erst zur Bilanzierung wechseln, wenn das Finanzamt zu dem Wechsel der Gewinnermittlungsmethode auffordert. Beispiel: Sie ermitteln Ihren Gewinn 2014 nach der Einnahmen-Überschussrechnung, der Gewinn 2014 steigt auf 80.000 EUR. Übermitteln Sie nun die Einkommensteuererklärung 2015 (für das Steuerjahr 2015) ans Finanzamt, wird Sie das Finanzamt zum 1.1.2016 zum Wechsel von der EÜR zur Bilanzierung auffordern.

 

 

Muss ich das amtliche Formular EÜR zur Gewinnermittlung benutzen?

Das amtliche Formular zur Einnahmen-Überschussrechnung mit der Bezeichnung "EÜR" muss nur ausgefüllt werden, wenn Ihre Betriebseinnahmen mehr als 17.500 EUR betragen. Liegen die Einnahmen aus Ihrer selbstständigen Tätigkeit unter 17.500 EUR, genügt normalerweise eine formlose Gegenüberstellung aller Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben des betreffenden Jahres.

 

Es kann allerdings auch gute Gründe geben, das Formular EÜR auch dann auszufüllen, wenn die Betriebseinnahmen eines Jahres unter 17.500 EUR liegen:

 

  • Rückfragen des Finanzamts zu bestimmten Ausgabenposten werden durch Ausfüllen der Anlage EÜR vermieden.
  • Durch die detaillierte Gliederung der Betriebsausgaben fällt sofort auf, woran es liegt, dass der Gewinn niedriger ausgefallen ist oder auch warum Verluste eingefahren wurden.

 

Tipp: Weitere steuerliche Informationen rund um das Thema EÜR finden Sie auch in unseren Gestaltungshinweisen zur Anlage EÜR sowie in unserer Ausfüllhilfe Anlage EÜR.

 

EÜR: Diese steuerlichen Besonderheiten sollten Sie kennen

Das Herzstück der Einnahmen-Überschussrechnung ist das strenge Zu- und Abflussprinzip. Nach diesem Prinzip gilt für die Ermittlung des Gewinns Folgendes:

 

  • In die Gewinnermittlung eines Jahres gehören nur die in diesem Jahr tatsächlich erzielten Betriebseinnahmen.
  • Analog dazu sind auch nur die in diesem Jahr tatsächlich bezahlten Betriebsausgaben abziehbar. Je nach Zahlungsart gelten folgende Zu- und Abflusszeitpunkte.

 

Daraus ergibt sich bereits im Vorfeld der Gewinnermittlung ein erhebliches Steuer-Gestaltungspotenzial:

 

 

ZahlungsartZeitpunkt des ZuflussesZeitpunkt des Abflusses
BarzahlungErhalt des GeldesHingabe des Geldes
ÜberweisungGutschrift auf dem BankkontoEingang des Überweisungsträgers bei der Bank
LastschriftGutschrift auf dem BankkontoAbbuchung vom Bankkonto
ScheckEntgegennahme des gedeckten SchecksÜbergabe des Schecks
KreditkarteZahlung KreditkarteninstitutUnterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
EC-KarteGutschrift auf dem KontoUnterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
AufrechnungZeitpunkt AufrechnungserklärungZeitpunkt der Aufrechnungserklärung

 

 

 

 

Praxis-Tipp: Keine Regel ohne Ausnahme
Im Grundsatz des Zu- und Abflussprinzips der EÜR gibt es 2 Ausnahmen, die Sie kennen sollten:

Abschreibung: Kaufen Sie betriebliche Gegenstände für Ihr Anlagevermögen, beginnt die Abschreibung bereits in dem Jahr, in dem diese Gegenstände das erste Mal genutzt werden. Auf den Zahlungszeitpunkt kommt es in diesem Fall nicht an.

Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen: Bei regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen (z. B. Miete, Zinsen), die zum Jahreswechsel fällig werden, gibt es eine Ausnahme. Bei Zahlung zwischen dem 22.12. und dem 10.1. wird die Zahlung dem Jahr zugerechnet, in das die Zahlung wirtschaftlich gehört. Auch wenn beispielsweise die Dezembermiete erst am 8.1. an den Vermieter überwiesen wird, gehört die Zahlung wirtschaftlich doch in den Dezember (= Betriebsausgabe des alten Jahres).

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Diese Vorteile bietet die EÜR

Die EÜR hat einige Vorteile gegenüber der Bilanzierung. Es müssen jedoch auch ein paar steuerliche Nachteile in Kauf genommen werden. Folgende Vorteile der EÜR sind hervorzuheben:

 

  1. Die Gewinnermittlung nach EÜR ist deutlich weniger komplex und aufwändig als eine Bilanz und kann auch ohne Steuerberater erstellt werden. Wer auf den Steuerberater verzichtet, sollte allerdings über eine zuverlässige Steuersoftware verfügen.
  2. Die Gewinnermittlung ist vergleichsweise einfach: Von den zugeflossenen Betriebseinnahmen werden die abgeflossenen Betriebsausgaben eines Jahres abgezogen.
  3. Es muss keine E-Bilanz erstellt und elektronisch in einem bestimmten Format ans Finanzamt überermittelt werden. Sie müssen lediglich das Formular EÜR nach dem Ausfüllen elektronisch übermitteln.

 

Allerdings gibt es auch 2 Nachteile bei der Gewinnermittlung nach EÜR, die nicht unerwähnt bleiben sollten:

  • Banken wollen bei der Kreditvergabe anstatt der EÜR eine aussagekräftige Bilanz vom Unternehmer sehen.
  • In der EÜR können Unternehmer aufgrund des Zu- und Abflussprinzips keine künftigen Risiken vom Gewinn abziehen (Bei Bilanzierung: Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten).

 


Wann muss ich von der EÜR zur Bilanzierung wechseln?

Als Gewerbetreibender müssen Sie zur Bilanzierung wechseln, wenn Ihr Umsatz entweder 600.000 EUR übersteigt oder wenn Ihr Gewinn über 60.000 EUR klettert. Auch bei Betriebsaufgabe oder Betriebsveräußerung wird zwingend der Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung notwendig - und zwar sowohl für Gewerbetreibende als auch für Unternehmer mit nichtgewerblichen Einkünften (z. B. Freiberufler).