EÜR: Steuerliche Besonderheiten bei Gewinnermittlung nach der Einnahmen-Überschussrechnung

steuern.de Redaktion
Zuletzt aktualisiert:
29. Juli 2021
Lesedauer:
4 Minuten
Die schnelle Antwort

Was ist bei der EÜR wichtig?

  • Die EÜR stellt als Alternative zur Bilanz eine vereinfachte Methode der Gewinnermittlung dar.
  • Den Gewinn nach EÜR dürfen alle Freiberufler ermitteln.
  • Für Gewerbetreibende gilt das auch, wenn Ihr Umsatz nicht über 600.000 EUR und Ihr Gewinn nicht über 60.000 EUR liegt.
  • Das Formular "EÜR" in der Steuererklärung müssen inzwischen auch diejenigen ausfüllen, deren Betriebseinnahmen jährlich unter 22.000 EUR liegen.

Die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ist im Vergleich zur Bilanzierung eine recht einfache Form der Gewinnermittlung. Unter anderem deshalb wird sie häufig von kleinen Betrieben und von Freiberuflern bevorzugt. In diesem Beitrag finden Sie einige grundlegende Infos rund um steuerliche Aspekte und die Gewinnermittlung bei der Einnahmen-Überschussrechnung.

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Wer darf seinen Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln?

Als Unternehmer, Freiberufler oder Selbstständiger dürfen Sie den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ermitteln, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie üben eine nichtgewerbliche selbstständige Tätigkeit aus (z.B. Freiberufler). In diesem Fall dürfen Sie den Gewinn in jedem Fall nach EÜR ermitteln, unabhängig von der Höhe des Gewinns oder Umsatzes.
  • Sie betreiben ein Gewerbe. Dann ist die EÜR für Sie als Einzelunternehmer erlaubt, wenn Ihr Umsatz nicht über 600.000 EUR und Ihr Gewinn nicht über 60.000 EUR liegt.

Praxis-Tipp: Überschreiten Gewerbetreibende entweder die Umsatz- oder die Gewinnobergrenze, müssen Sie erst zur Bilanzierung wechseln, wenn das Finanzamt zu dem Wechsel der Gewinnermittlungsmethode auffordert. 
Beispiel: Sie ermitteln Ihren Gewinn 2020 nach der Einnahmen-Überschussrechnung, der Gewinn 2020 steigt auf 80.000 EUR. Übermitteln Sie nun die Einkommensteuererklärung 2021 (für das Steuerjahr 2020) ans Finanzamt, wird Sie das Finanzamt zum 1.1.2021 zum Wechsel von der EÜR zur Bilanzierung auffordern.

Muss ich das amtliche Formular EÜR zur Gewinnermittlung benutzen?

Das amtliche Formular zur Einnahmen-Überschussrechnung mit der Bezeichnung "EÜR" muss inzwischen von jedem ausgefüllt werden. Die bisherige Regelung, nach der bei Betriebseinnahmen unter 22.000 EUR eine formlose Einnahmenüberschussrechnung reichte, gilt nicht mehr.

Das Formular bietet jedoch auch Vorteile:

  • Rückfragen des Finanzamts zu bestimmten Ausgabenposten werden durch Ausfüllen der Anlage EÜR vermieden.
  • Durch die detaillierte Gliederung der Betriebsausgaben fällt sofort auf, woran es liegt, dass der Gewinn niedriger ausgefallen ist oder auch warum Verluste eingefahren wurden.

Seit 2017 muss die Anlage EÜR außerdem elektronisch übermittelt werden. In Härtefällen kann die Finanzbehörde auf Antrag auf die elektronische Übermittlung verzichten. Für diese Fälle stehen in den Finanzämtern Papiervordrucke der Anlage EÜR zur Verfügung.

Tipp: Weitere steuerliche Informationen rund um das Thema EÜR finden Sie auch in unseren Gestaltungshinweisen zur Anlage EÜR sowie in unserer Ausfüllhilfe Anlage EÜR

Besonders einfach lässt sich die EÜR mit Hilfe einer Softwarelösung erstellen.

EÜR: Diese steuerlichen Besonderheiten sollten Sie kennen

Das Herzstück der Einnahmen-Überschussrechnung ist das strenge Zu- und Abflussprinzip. Nach diesem Prinzip gilt für die Ermittlung des Gewinns Folgendes:

  • In die Gewinnermittlung eines Jahres gehören nur die in diesem Jahr tatsächlich erzielten Betriebseinnahmen.
  • Analog dazu sind auch nur die in diesem Jahr tatsächlich bezahlten Betriebsausgaben abziehbar. Je nach Zahlungsart gelten folgende Zu- und Abflusszeitpunkte.

Wichtig: Corona-SoforthilfenCorona-Soforthilfen stellen Betriebseinnahmen dar. Sie sind nur dann steuerfrei, soweit das EStG ausdrücklich eine entsprechende Befreiung vorsieht. Hinsichtlich der Corona-Soforthilfeleistungen ist dies bisher nicht der Fall. Zu beachten ist auch, dass die Bewilligungsbehörde das Finanzamt über den Zuschuss informieren darf.

 

Daraus ergibt sich bereits im Vorfeld der Gewinnermittlung ein erhebliches Steuer-Gestaltungspotenzial:

Zahlungsart Zeitpunkt des Zuflusses Zeitpunkt des Abflusses
Barzahlung Erhalt des Geldes Hingabe des Geldes
Überweisung Gutschrift auf dem Bankkonto Eingang des Überweisungsträgers bei der Bank
Lastschrift Gutschrift auf dem Bankkonto Abbuchung vom Bankkonto
Scheck Entgegennahme des gedeckten Schecks Übergabe des Schecks
Kreditkarte Zahlung Kreditkarteninstitut Unterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
EC-Karte Gutschrift auf dem Konto Unterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
Aufrechnung Zeitpunkt Aufrechnungserklärung Zeitpunkt der Aufrechnungserklärung

Praxis-Tipp: Keine Regel ohne AusnahmeIm Grundsatz des Zu- und Abflussprinzips der EÜR gibt es 2 Ausnahmen, die Sie kennen sollten:
Abschreibung: Kaufen Sie betriebliche Gegenstände für Ihr Anlagevermögen, beginnt die Abschreibung bereits in dem Jahr, in dem diese Gegenstände das erste Mal genutzt werden. Auf den Zahlungszeitpunkt kommt es in diesem Fall nicht an.
Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen: Bei regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen (z. B. Miete, Zinsen), die zum Jahreswechsel fällig werden, gibt es eine Ausnahme. Bei Zahlung zwischen dem 22.12. und dem 10.1. wird die Zahlung dem Jahr zugerechnet, in das die Zahlung wirtschaftlich gehört. Auch wenn beispielsweise die Dezembermiete erst am 8.1. an den Vermieter überwiesen wird, gehört die Zahlung wirtschaftlich doch in den Dezember (= Betriebsausgabe des alten Jahres).

Diese Vorteile bietet die EÜR

Die EÜR hat einige Vorteile gegenüber der Bilanzierung. Es müssen jedoch auch ein paar steuerliche Nachteile in Kauf genommen werden. Folgende Vorteile der EÜR sind hervorzuheben:

  • Die Gewinnermittlung nach EÜR ist deutlich weniger komplex und aufwändig als eine Bilanz und kann auch ohne Steuerberater erstellt werden. Wer auf den Steuerberater verzichtet, sollte allerdings über eine zuverlässige Steuersoftware verfügen.
  • Die Gewinnermittlung ist vergleichsweise einfach: Von den zugeflossenen Betriebseinnahmen werden die abgeflossenen Betriebsausgaben eines Jahres abgezogen.
  • Es muss keine E-Bilanz erstellt und elektronisch in einem bestimmten Format ans Finanzamt überermittelt werden. Sie müssen lediglich das Formular EÜR nach dem Ausfüllen elektronisch übermitteln.

Allerdings gibt es auch 2 Nachteile bei der Gewinnermittlung nach EÜR, die nicht unerwähnt bleiben sollten:

  • Banken wollen bei der Kreditvergabe anstatt der EÜR eine aussagekräftige Bilanz vom Unternehmer sehen.
  • In der EÜR können Unternehmer aufgrund des Zu- und Abflussprinzips keine künftigen Risiken vom Gewinn abziehen (Bei Bilanzierung: Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten).

Wann muss ich von der EÜR zur Bilanzierung wechseln?

Als Gewerbetreibender müssen Sie zur Bilanzierung wechseln, wenn Ihr Umsatz entweder 600.000 EUR übersteigt oder wenn Ihr Gewinn über 60.000 EUR klettert. Auch bei Betriebsaufgabe oder Betriebsveräußerung wird zwingend der Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung notwendig - und zwar sowohl für Gewerbetreibende als auch für Unternehmer mit nichtgewerblichen Einkünften (z. B. Freiberufler).


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