Bitcoin und Steuern: Steuerspielregeln für den Verkauf von Kryptowährungen

Von Bernhard Köstler

 

Kauft und verkauft ein Kapitalanleger Kryptowährungen wie Bitcoin, kann das ein Fall für das Finanzamt werden. Doch insbesondere, wenn aus dem Verkauf Verluste realisiert werden, wird es spannend. Erfahren Sie hier, unter welchen Voraussetzungen das Finanzamt die Verluste steuerlich feststellt und zur Verrechnung mit anderen Erträgen zulässt.

 

Vorab eine wichtige Info: Die folgenden Ausführungen zum Thema „Bitcoin und Steuern“ gelten auch für alle anderen Kryptowährungen wie Ethereum, Litecoin oder IOTA.

 

 

Wann auf Gewinne aus Bitcoin Steuern fällig werden

Beim An- und Verkauf von Kryptowährungen wie Bitcoin gelten in Punkto Steuern folgende Spielregeln:
Es greifen die gesetzlichen Vorgaben zum privaten Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Das bedeutet im Klartext: Liegt zwischen dem An- und Verkauf von Bitcoin weniger als ein Jahr, ist der Verkauf ein Fall für die Steuererklärung. Hält man Kryptowährungen jedoch länger als ein Jahr in seinem Besitz, ohne damit Handelsvorgänge zu tätigen, so fallen auf die damit erzielten Gewinne keine Steuern an. Es darf in dieser Zeit jedoch auch keine „wirtschaftliche Zwischennutzung“ der Währung geschehen, zum Beispiel durch Verleihen. Auch der Umtausch in eine andere Kryptowährung oder eine Fiatwährung innerhalb der Haltefrist wäre steuerpflichtig.

 

Tipp:
Eine Besonderheit müssen Kapitalanleger bei Bitcoin beachten. Nicht nur der Verkauf der Währung innerhalb der 1-Jahres-Frist kann die Besteuerung eines privaten Veräußerungsgeschäfts auslösen, sondern auch der Kauf von Waren mit Bitcoin innerhalb der Jahresfrist.

 

Beispiel:

Sie haben im Jahr 2017 Bitcoin für 8.000 Euro erworben und verkaufen diese Kryptowährung im Jahr 2020 für 20.000 Euro. Folge: Da zwischen An- und Verkauf mehr als ein Jahr vergangen ist, müssen Sie auf den Gewinn von 12.000 Euro aus dem Verkauf der Bitcoin keine Steuern bezahlen.

 

Anders ist es jedoch in diesem Beispiel:

Sie haben im Jahr 2019 Bitcoin für 7.000 Euro gekauft und erwerben sechs Monate danach mit diesen Bitcoin Waren im Wert von 10.000 Euro. Folge: Da zwischen Kauf der Bitcoin und dem Tausch (= Verkauf) weniger als ein Jahr vergangen ist, fallen für den Gewinn Steuern an.

Auch der Verkauf von Bitcoin mit Verlust ist ein Fall für die Steuererkärung

Im Umkehrschluss bedeutet das: Haben Sie Bitcoin gekauft und es droht ein Verlust, sollte der Verkauf unbedingt innerhalb der Jahresfrist erfolgen. Die Verluste sind dann mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften des laufenden Jahres oder künftiger Jahre steuersparend verrechenbar.

 

Nicht selten kommt es vor, dass Bitcoin übers Internet gestohlen werden. In diesem Fall verweigern die Finanzämter bislang die Feststellung eines Verlusts bei den Steuern. Das gilt selbst dann, wenn der Diebstahl und damit der Totalverlust innerhalb eines Jahres nach dem Kauf erfolgten. Die Begründung: Ein Diebstahl stellt kein Veräußerungsgeschäft im Sinn des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG dar.

Verkauf von Bitcoin: Erhebung von Steuern auf dem Prüfstand

In einem Verfahren zur Aussetzung der Vollziehung haben die Richter des Finanzgerichts Nürnberg übrigens Zweifel an der Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Bitcoin im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäfts geäußert (FG Nürnberg, Beschluss v. 8.4.2020, Az. 3 V 1239/19).

 

Tipp:
Sollten Sie Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin erzielen und das Finanzamt erhebt Steuern im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäfts, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

 

  • Legen Sie gegen den nachteiligen Steuerbescheid Einspruch ein.
    Beantragen Sie mit Hinweis auf das Hauptsachverfahren beim Finanzgericht Nürnberg einen Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens.
  • Lehnt das Finanzamt die Verfahrensruhe ab, weil der Streitfall noch nicht beim Bundesfinanzhof anhängig ist? Dann beantragen Sie alternativ die Zurückstellung der Bearbeitung des Einspruchs, bis die Revision beim Bundesfinanzhof anhängig ist.
  • Dann heißt es abwarten, wie die Richter in künftigen Verfahren das Thema „Bitcoin und Steuern“ beurteilen.

Bernhard Köstler

Bernhard Köstler ist Dipl.-Finanzwirt, Journalist und Fachbuchautor im Bereich Steuern. Er ist seit 1991 in der Münchner Finanzverwaltung tätig, Regierungsrat und Sachgebietsleiter in der Betriebsprüfung.