Arbeitnehmerpauschbetrag: Was ist das?

steuern.de Redaktion
Zuletzt aktualisiert:
31. August 2021
Lesedauer:
3 Minuten
Die schnelle Antwort

Was ist der Arbeitnehmerpauschbetrag?

Bei Angestellten beträgt der Arbeitnehmerpauschbetrag 1.000 Euro pro Jahr. Dieser Betrag wird monatlich bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Alle weiteren Kosten, die darüber hinausgehen, können Sie als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen.

Bis zum Betrag von 1.000 Euro pro Jahr steht allen Arbeitnehmer:innen ein pauschaler Werbekostenbetrag zu. Werbekosten sind alle Kosten, die Arbeitnehmer:innen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit entstehen. Das heißt diesen Betrag dürfen alle Arbeitnehmer:innen steuermindernd geltend machen, soweit die Kosten nicht bereits durch den / die Arbeitgeber:in erstattet wurden. Die Werbekosten können unabhängig davon, ob sie tatsächlich angefallen sind oder nicht, geltend gemacht werden. Es lohnt sich daher erst, Werbekosten zu produzieren, wenn diese tatsächlich anfallenden Kosten den jährlichen Pauschbetrag übersteigen würden. Oft vermuten Arbeitnehmer:innen, dass sie nicht über die 1000 Euro-Grenze kommen, aber es lohnt sich dennoch die Quittungen über berufliche Ausgaben aufzubewahren.

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Praxisbeispiel: Fahrtkosten geltend machen

Oft führen schon die Fahrtkosten für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu Kosten von über 1.000 Euro.
Nach einem Urteil des BVerfG des Jahres 2021 können für jeden Entfernungskilometer zur Arbeit 30 Cent in Ansatz gebracht werden. Ab dem 21. Kilometer sogar 0,35 Euro/km seit dem 1.1.2021.

Beispiel Heinz Wohlgemut, angestellter Schreiner, führt seit Jahren mit der Bahn zur Arbeit (einfache Entfernung 60 km). Weil er für sein Jahresticket für die Bahn nur 400 Euro bezahlen musste, hob er Rechnungen für andere berufliche Ausgaben in Höhe von etwa 500 Euro bisher erst gar nicht auf.
Denn ohne Nachweise gibt es im Rahmen der Werbungskostenpauschale in seinem Fall mehr Werbungskosten – nämlich den Pauschalbetrag von 1.000 Euro.
Dabei handelt es sich um einen Trugschluss: Denn Herr Wohlgemut kann die Fahrtkosten nach der Entfernungspauschale berechnen, und zwar ab dem ersten Entfernungskilometer mit 0,30 Euro(km und ab dem 21. Kilometer 0,35 Euro/km. Für 230 Arbeitstage saldieren sich Werbungskosten für die Fahrtkosten somit auf 4.600 Euro.
Da der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro also deutlich überschritten ist, häufig die aufgezeichneten Werbungskosten von 500 Euro eine zusätzliche Steuerersparnis gebracht.
Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist außerdem ein Jahresbetrag. Das heißt, selbst wer nur für kurze Zeit, sogar für nur wenige Tage im Jahr 2021 einem Arbeitsverhältnis mit Lohnsteuerabzug nachgeht, steht der volle Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro zu.

Fallbeispiel: Kann die Werbungskosten-Pauschale bei nebenberuflicher Tätigkeit gekürzt werden?

Wenn Sie als Arbeitnehmer eine gewerbliche oder selbstständige nebenberufliche Tätigkeit ausüben, stellt sich die Frage, bei welchen Einkünften die angefallenen Werbungskosten abzuziehen sind. In einem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof war zumindest das Finanzamt der Ansicht, dass wenn die Ausgaben sowohl Einkünfte aus nichtselbstständiger Betätigung also auch die nebenberuflichen Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit betreffen, die Ausgaben im Verhältnis der Einnahmen zueinander aufzuteilen sind.

Dem konnte sich der Bundesfinanzhof nicht anschließen. Das folgende Praxisbeispiel verdeutlicht, dass die Berechnungsmethode des Finanzamts zu für den Arbeitnehmer inakzeptablen Ergebnissen führt.

Praxisbeispiel
Herr Müller erzielt einen Arbeitslohn von 40.000 Euro. Aus einem gewerblichen Nebenjob fließen ihm noch 10.000 Euro zu. Kauft Herr Müller sich nun einen teuren PC für 1.100 Euro (Nutzung für seinen Betrieb 90%), den er für beide Tätigkeiten verwendet, käme es nach Ansicht des Finanzamts zu folgendem Bild:
 

 

So rechnet die Finanzverwaltung

So rechnen Sie

Bruttoarbeitslohn

 40.000 Euro

40.000 Euro

Werbungskosten

-825 Euro

(1.100 Euro x 75%)

Mindestens aber 1.000 Euro

-110 Euro

(1.100 Euro x 10%)

Mindestens aber 1.000 Euro

Einnahmen aus dem Nebenjob

10.000 Euro

10.000 Euro

Betriebsausgaben

-275 Euro

-990 Euro

Steuerpflichtige Einkünfte

48.805 Euro

48.090 Euro

Die Aufwendungen sind zunächst der jeweiligen Einkunftsart zuzuordnen, dies kann der Steuerpflichtige entweder schätzen oder anhand von aussagekräftigen Unterlagen nachweisen. Sind also Werbungskosten von weniger als 1.000 Euro angefallen, so ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag in voller Höhe anzusetzen. Denn beim Arbeitnehmer-Pauschbetrag handelt es sich um eine zwingende gesetzliche Vorgabe, welche nicht vom Finanzamt gekürzt werden darf (Bundesfinanzhof, Urteil v. 10.6.2008, Az. VIII R 76/05).

Der um die Werbungskosten bereinigte Betrag kann dann im Rahmen der Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

TippWenn Sie bemerken, dass das Finanzamt den Arbeitnehmer-Pauschbetrag unzulässigerweise kürzt, lohnt es sich also Einspruch einzulegen!

 


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