Steuertipps für Arbeitnehmer: Nutzen Sie den Spielraum bei den Werbungskosten

Als Arbeitnehmer haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, Ihre Steuerlast gezielt zu mindern und auf diese Weise eine hübsche Steuererstattung einzustreichen. Wir haben die Top-3 der effektivsten Steuertipps für Arbeitnehmer für Sie zusammengestellt.

 

 

Steuertipp 1: Gestaltungsmöglichkeiten bei der "ersten Tätigkeitsstätte"

Die Reisekostenreform machts möglich: Seit 1.1.2014 gilt ein völlig neues steuerliches Reisekostenrecht für Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber kann seit dem Jahr 2014 eine sogenannte erste Tätigkeitsstätte festlegen, an der ein Arbeitnehmer mindestens einen Tag im Monat tätig sein muss. Fahrten zu anderen Einsatzorten und Filialen finden dann im Rahmen einer "beruflichen Auswärtstätigkeit" statt. Diese Regelung bietet enormes Gestaltungspotenzial, wie das folgende Praxisbeispiel verdeutlicht.

 

Frau Müller ist als stellvertretende Filialleiterin in Supermarkt-Filiale A eingesetzt (die Entfernung von ihrem Wohnort beträgt ca. 20 km; sie arbeitet dort ca. 215 Arbeitstage pro Jahr). Einmal pro Monat muss Frau Müller aber auch in Filiale B aushelfen (Entfernung von ihrem Wohnort 10 km; Arbeitstage 12). Bisher wurde Frau Müller Filiale A als erste Tätigkeitsstätte zugeordnet.


Steuertipp: Frau Müller bittet Ihren Chef darum, Filiale B als erste Tätigkeitsstätte festzulegen. Die erheblichen, positiven Auswirkungen dieser legalen Gestaltungsmöglichkeit auf die Entfernungspauschale und damit auf die anrechenbaren Werbungskosten zeigt die folgende Vergleichsrechnung:

 

 Filiale A ist erste Tätigkeitsstätte Filiale B ist erste Tätigkeitsstätte
Werbungskosten für Fahrten zur Filiale A 1.290 EUR (215 Tage x 20 km x 0,30 EUR/km; Entfernungspauschale) 2.580 EUR (215 Tage x 20 km x 2 x 0,30 EUR/km; Auswärtstätigkeit)
Werbungskosten für Fahrten zur Filiale B  72 EUR (12 Tage x 10 km x 2 x 0,30 EUR/km; Auswärtstätigkeit) 36 EUR (12 Tage x 10 km x 0,30 EUR/km; Entfernungspauschale)
Werbungskosten gesamt 1.362 EUR 2.616 EUR

 

 

 

Steuertipp 2: Berufskrankheit feststellen lassen

Haben Sie gesundheitliche Schwierigkeiten und bezahlen aus eigener Tasche bestimmte Behandlungsmethoden oder Medikamente? Dann dürfen Sie diese Kosten normalerweise als außergewöhnliche Belastung abziehen. Doch sehr häufig ist die vom Finanzamt ermittelte sogenannte "zumutbare Eigenbelastung" zu hoch, als dass Sie steuerlich von dieser Regelung noch profitieren könnten.


Steuertipp: Hängt Ihre Erkrankung allerdings mit Ihrem Beruf zusammen, sollten Sie sich dies von einem Amtsarzt bestätigen lassen (z. B. Sehnenentzündung am Arm durch Computerarbeit, Zahnersatz wegen Mehlstauballergie eines Bäckers). Dann sind die selbst getragenen Behandlungskosten und Kosten für Medikamente nämlich zu 100 % als Werbungskosten abziehbar.


Beispiel: Sie arbeiten den ganzen Tag am Computer und haben deshalb seit Jahren eine chronische Sehnenentzündung im Arm. Sie zahlen für Zusatzbehandlungen beim Heilpraktiker 2.500 EUR aus eigener Tasche für die Linderung der Beschwerden. Mit der Einordnung der Beschwerden als Berufskrankheit durch einen Amtsarzt können Sie die Kosten vollständig als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

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Steuertipp 3: Fortbildungen und Lerntreffen steuerlich absetzen

Das Thema Fortbildung hat bei vielen deutschen Arbeitnehmern einen hohen Stellenwert. Und dafür gibt es neben der Weiterbildung auch gute steuerliche Gründe. Denn das Finanzamt akzeptiert sämtliche Lehrgangs-, Seminar- oder Weiterbildungskosten, die der Arbeitnehmer selbst bezahlt, als Werbungskosten. Was viele Steuerzahler aber nicht wissen: Nicht nur die Lehrgänge selbst, auch die Fahrtkosten zu Lerntreffen können Sie dem Finanzamt als steuersparende Werbungskosten präsentieren. Wenn Sie sich mit Lehrgangsteilnehmern treffen, um das Gelernte zu wiederholen oder zu vertiefen, dürfen Sie bei Nutzung eines Pkws 30 Cent je Kilometer für die Hin- und Rückfahrt als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

 

Beispiel: Sie nehmen an einem Kurs zum Techniker teil. Darüber hinaus treffen Sie sich mit Kollegen zu gemeinsamen Lernnachmittagen und Lernwochenenden. Sie fahren dazu 14 Mal zu einem Kollegen, der 110 km entfernt wohnt.

 

Steuertipp: Für diese 14 Lerntreffen können Sie dem Finanzamt Werbungskosten in Höhe von 924 EUR präsentieren (110 km x 2 x 14 Fahrten x 0,30 EUR/km). Wenn Sie dabei außerdem länger als 8 Stunden von zuhause abwesend sind, winkt zusätzlich ein Werbungskostenabzug für jeweils 12 EUR (Verpflegungspauschale).

 

Praxis-Tipp: Damit das Finanzamt die Fahrtkosten zu Lerntreffen als Werbungskosten zum Abzug zulässt, müssen folgende Nachweise geführt werden: 

- Aufzeichnungen über den Stoff, der an jeweiligen Tagen gelernt wurde. Private Aktivitäten sind zwar erlaubt, dürfen aber nicht mehr als 10 % des Lerntreffens ausmachen.
- Nachweise, dass Sie die Strecke tatsächlich zurückgelegt haben (z. B. Tankbelege, Zugticket etc.).