Unseriöse Anbieter locken mit utopischen Erstattungen

Jeder möchte gerne möglichst viel Geld bei der Steuererstattung zurückbekommen – keine Frage. Diesen verständlichen Wunsch machen sich einige Anbieter von Steuererklärungs-Tools zunutze und locken mit traumhaften Rückerstattungs-Summen. Und so schön das auch wäre: Erstattungen im fünfstelligen Bereich sind leider nicht die Regel. Warum solche Angaben unrealistisch sind und wie Sie seriöse von unseriösen Steuererklärungs-Tools unterscheiden, erfahren Sie hier.

Was sind realistische Steuererstattungen?

Die durchschnittliche Steuerrückzahlung liegt laut statistischem Bundesamt bei ca. 935 Euro. Nur in 1% der Fälle springt mal eine Summe von mehr als 5.000 Euro heraus. 60 Prozent der Erstattungen liegen zwischen 100 und 1.000 Euro. Steuererklärungs-Tools, die mit Erstattungen bis 12.000 Euro werben, machen Ihnen also sehr wahrscheinlich falsche Hoffnungen. Dass diese Dienste sich nicht selten an Studenten richten, macht die Sache noch unwahrscheinlicher. Denn für eine solche Erstattung braucht es in der Regel auch ein entsprechend hohes Einkommen. 

 

Daher ist unser Tipp: Seien Sie vorsichtig bei Steuererklärungs-Tools, die mit unrealistisch hohen Steuererstattungs-Summen beworben werden.

 

Mit der Hilfe einer Steuersoftware können Sie zwar meistens eine etwas höhere Erstattung erzielen als ohne, weil die integrierten Steuertipps Ihnen helfen, Ihre Eingaben zu optimieren. Die Tipps seriöser Anbieter bewegen sich allerdings innerhalb des steuerlich zulässigen Rahmens und motivieren Sie nicht zu Falschangaben. Eine gute Software sollte Ihnen die Steuererklärung so einfach wie möglich machen, das Beste aus der Erstattung holen, dabei aber korrekt und verlässlich sein. Eine Auswahl seriöser Steuersoftware mit Kundenbewertung finden Sie in unserem Software-Test.

Vermeiden Sie ärgerliche Erfahrungen mit dem Finanzamt

Doch nicht nur die Aussagen auf Werbebannern sollten Sie kritisch betrachten, sondern auch die Steuertipps und Berechnungsgrundlage des Tools. Denn die Finanzbeamten kennen keine Gnade: Verlassen Sie sich auf ein Steuererklärungs-Programm, dessen Steuertipps und Berechnungen nicht der Gesetzeslage entsprechen, wird das Finanzamt die zu hohen Forderungen nicht akzeptieren. Sollten Sie dann wiederum auf Ihren Angaben bestehen, kommt es zu einem unerfreulichen Hin und Her mit dem Finanzamt, das Sie unnötig Zeit und Nerven kostet.

Die meisten Nutzer von Steuersoftware wünschen sich laut Umfragen vor allem, dass sie sich auf die Software verlassen können und die Eingaben korrekt sind. Einige Anbieter "verführen" ihre Nutzer allerdings zu Falschangaben oder vermeintlichen Pauschalen, was zwar die vorausgesagte Erstattung in die Höhe treibt, nicht jedoch für die Seriosität der Software spricht.

Der Anbieter rät hier zu recht hohen Angaben, die das Finanzamt unter Umständen nicht akzeptiert.

Erfahrungen mit kritischen Pauschalen

Ein "Trick" der Anbieter sind sogenannte Pauschalen, die allerdings mit Vorsicht zu genießen sind (Arbeitsmittelpauschale, Bücherpauschale, Telefonpauschale, u.a.). Zum Teil sind diese Pauschalen automatisch mit Höchstbetrag in die Tools integriert. Entsprechend fließen sie automatisch in die Berechnung der Erstattung ein, wenn der Nutzer sie nicht selbstständig entfernt. Die oben genannten Pauschalen sind zwar nicht frei erfunden, werden allerdings nicht immer vom Finanzamt akzeptiert und sind deswegen mit Vorsicht zu genießen.

 

Ein paar Beispiele:

 

  • Die ausgewiesene „Arbeitsmittelpauschale“ von 110 € gibt es gar nicht. Zwar akzeptiert das Finanzamt Kosten für Arbeitsmittel von bis zu 110 € auch ohne Nachweis. Allerdings steckt der Teufel im Detail: Es handelt sich hier um eine Nichtbeanstandungsgrenze – keine Pauschale, die einem garantiert zusteht. 
  • Ähnlich sieht es auch bei Kontoführungsgebühren aus. 
  • Bei der angeblichen „Telefonkosten-/Internetpauschale“ liegt der Fehler nicht nur darin, dass dies auch keine Pauschale ist, sondern dass der Maximalbetrag als garantierte Erstattung angegeben wird. Die vermeintliche Pauschale von 20 € pro Monat ist der Höchstbetrag, für den man schon eine monatliche Telefonrechnung von mindestens 100 € braucht. Denn nur 20 % der Telefon-/Internetkosten sind abzugsfähig – und das auch nur, wenn Sie den Anschluss dienstlich nutzen.
  • Weitere ähnliche Unstimmigkeiten finden wir bei der „Bewerbungskostenpauschale“ (=Schätzwert) und der „Pauschale für Fachbücher/-Magazine“ (=Teil der Arbeitsmittel). 

 

Diese genauen Unterscheidungen zwischen Pauschalen und anderen Arten von Beträgen mögen kleinlich klingen. Doch sobald Sie diese Werte in Ihre Steuererklärung aufnehmen, besteht die Möglichkeit, Widersprüche vom Finanzamt zu ernten. Können Sie dann angeforderte Belege nicht entsprechend vorlegen, sind Sie nicht nur von einer niedrigen Erstattung enttäuscht, sondern auch auf dem Radar des Finanzamts. Unter Umständen wird bei Ihnen dann auch zukünftig nachgehakt. Selbstverständlich geben auch andere Software-Anbieter keine Garantie auf die berechnete Rückerstattung, die Versprechungen liegen allerdings in einem realistischen Rahmen und die Software gibt Ihnen keine heiklen Angaben vor.

Nicht alle Pauschalen können einfach in voller Höhe angesetzt werden.