Es wird nicht alles Gold, was online glänzt

Fake-Erstattungen: Manche Online-Steuererklärungen locken mit utopischen Summen

Jeder möchte gerne möglichst viel Geld bei der Steuererstattung zurückbekommen – keine Frage. Diesen verständlichen Wunsch machen sich einige Anbieter von Steuererklärungs-Tools zunutze und locken gutgläubige Steuerzahler mit traumhaften Rückerstattungs-Summen: Beispielsweise schaltete kürzlich eine Online-Steuererklärung eine Anzeige bei Google, die Studenten eine Steuererstattung von bis zu 12.000 € in Aussicht stellt. Warum solche Angaben unrealistisch sind und wie Sie seriöse von unseriösen Steuererklärungs-Tools unterscheiden, erfahren Sie hier.

Vorsicht! Falsche Versprechungen bei Steuererklärung für Studenten

In der Werbung wird immer viel versprochen: faltenfreie Haut dank einer Creme oder ein glamouröses Leben dank einer goldverpackten Schoko-Nuss-Praline. Klar ist, dass man nicht all das erwarten kann, was die Werbung anpreist. Anders ist es aber, wenn die Werbung mit konkreten Zahlen jongliert. Wird mit einer Steuererstattung von bis zu 12.000 € geworben und man erhält vielleicht nur 500 € vom Finanzamt zurück, liegt schon ein gewaltiger Unterschied zwischen Werbung und Realität. Wer mit solchen Mitteln wirbt, muss sich nicht wundern, wenn Verbraucher ihm kein Vertrauen entgegenbringen.

Anzeige von „Studentensteuererklärung“ in der Suchmaschine Google (Aufruf am 27.04.2017 bei Eingabe der Suchbegriffe „Studenten Steuererklärung“).

Denn die durchschnittliche Steuerrückzahlung liegt bei ca. 900 € – genauer gesagt 901 € im Jahr 2012. Und nur für 1% der Fälle sprang eine Summe von über 5.000 € heraus. Indem der Online-Dienst „Studentensteuererklärung“ in einer Anzeige mit einer Rückerstattung von bis zu 12.000 € lockt, macht er dem Durchschnitts-Verbraucher vollkommen unrealistische Hoffnungen. Da sich der Anbieter mit seiner Online-Steuererklärung vornehmlich an Studenten richtet, wirkt die Summe umso unwahrscheinlicher: Studentenjobs zeichnen sich in der Regel nicht durch überdurchschnittliche Bezahlung aus. Auch der Zusatz „bis zu“ ändert nichts an der Unverhältnismäßigkeit des Geldbetrags.

 

Daher ist unser Fazit: Seien Sie vorsichtig bei Steuererklärungs-Tools, die mit unrealistisch hohen Steuererstattungs-Summen beworben werden.

 

Selbst wenn das Tool einwandfrei funktioniert, ist diese Art von Werbung einfach schlechter Stil und wirkt unehrlich gegenüber Ihnen als Kunden. Wenn Sie wissen möchten, welchen Steuersoftwares oder Online-Tools Sie vertrauen können, schauen Sie einfach in die Bewertung aus unserem Software-Test.

Vermeiden Sie ärgerliche Erfahrungen mit dem Finanzamt

Doch nicht nur die Aussagen auf Werbebannern sollten Sie kritisch betrachten, sondern auch die Steuertipps und Berechnungsgrundlage des Tools. Denn die Finanzbeamten kennen keine Gnade: Verlassen Sie sich auf ein Steuererklärungs-Programm, dessen Steuertipps und Berechnungen nicht der Gesetzeslage entsprechen, wird das Finanzamt die zu hohen Forderungen nicht akzeptieren. Sollten Sie dann wiederum gutgläubig auf Ihren Angaben bestehen, kommt es zu einem unerfreulichen Hin und Her mit dem Finanzamt. Diese Erfahrung haben Nutzer eines Steuererklärungs-Tools für Studenten offensichtlich schon gemacht.

Erfahrungen mit ausgebliebenen Erstattungen bei „Studentensteuererklärung“

Auf der Website von „Studentensteuererklärung“ hat sich beispielsweise eine Nutzerin gemeldet und berichtet, dass zwei vom Tool automatisch eingetragene Pauschalen vom Finanzamt zurückgewiesen wurden (die vermeintlichen Pauschale für Fachliteratur und Telefon-/Internetkosten). Damit fiel die Steuererstattung der Kundin kleiner aus als vom Tool berechnet. Sie wendet sich nun an den Anbieter der „Studentensteuererklärung“, weil die beiden angeblichen Pauschalen direkt in das Tool integriert sind: Der Kunde wird die Pauschalen automatisch geltend machen, wenn er sie nicht aktiv aus seiner Steuererklärung entfernt. Handelt es hierbei aber um gar keine rechtlich verbürgten Pauschalen, kann man den Ärger des Kunden verstehen, der vergeblich auf die Erstattung der Pauschalen gehofft hatte.

 

Der Anbieter der „Studentensteuererklärung“ antwortet auf die enttäuschende Erfahrung der Kundin überraschend gelassen: „Im Regelfall werden die von uns vorgeschlagenen Pauschalen von den Finanzämtern anstandslos akzeptiert. Selten passiert es, dass eine eingehende Prüfung der Steuererklärung erfolgt.“ Eine seriöse Steuererklärung hat einer Prüfung durch das Finanzamt standzuhalten. Hier wird stattdessen viel versprochen in der Hoffnung, dass die Behörden nicht so genau hinsehen.

Ausschnitt aus dem Steuererklärungs-Tool „Studentensteuererklärung“, in das die vermeintlichen Pauschalen integriert sind (Aufruf am 27.04.2017).

Welche Pauschalen gibt es wirklich?

Es fällt auf, dass auf der Website von „Studentensteuererklärung“ ebenso wie Azubisteuererklärung von sehr vielen Pauschalen die Rede ist, die man angeblich alle geltend machen könne (Arbeitsmittelpauschale, Bücherpauschale, Telefonpauschale, u.a.). Zum Teil sind diese Pauschalen auch in die Tools „Studentensteuererklärung“ und „Azubisteuererklärung“ integriert. Daher fließen sie automatisch in die Berechnung der Erstattung ein, wenn der Nutzer sie nicht selbstständig entfernt. Und wie die Erfahrungen zeigen, können dann schon die ersten Schwierigkeiten mit dem Finanzamt entstehen.

 

Nehmen wir ein paar Beispiele:

 

  • Die von „Studentensteuererklärung“ und „Azubisteuererklärung“ ausgewiesene „Arbeitsmittelpauschale“ von 110 € gibt es gar nicht. Zwar akzeptiert das Finanzamt Kosten für Arbeitsmittel von bis zu 110 € auch ohne Nachweis. Allerdings steckt der Teufel im Detail: Es handelt sich hier um eine Nichtbeanstandungsgrenze – keine Pauschale, die einem garantiert zusteht. 
  • Ähnlich sieht es auch bei Kontoführungsgebühren aus. 
  • Bei der angeblichen „Telefonkosten-/Internetpauschale“ liegt der Fehler nicht nur darin, dass dies auch keine Pauschale ist, sondern dass einem „Studentensteuererklärung“ und „Azubisteuererklärung“ sogar den Maximalbetrag als garantierte Erstattung verkaufen. Die vermeintliche Pauschale von 20 € pro Monat ist der Höchstbetrag, für den man schon eine monatliche Telefonrechnung von mindestens 100 € braucht. Denn nur 20 % der Telefon-/Internetkosten sind abzugsfähig – und das auch nur, wenn Sie den Anschluss dienstlich nutzen.
  • Weitere ähnliche Unstimmigkeiten finden wir bei der „Bewerbungskostenpauschale“ (=Schätzwert) und der „Pauschale für Fachbücher/-Magazine“ (=Teil der Arbeitsmittel). 

 

Diese genauen Unterscheidungen zwischen Pauschalen und anderen Arten von Beträgen mögen kleinlich klingen. Doch die Erfahrung der Nutzerin, die sich bei „Studentensteuererklärung“ zu Wort gemeldet hat, verdeutlicht die Relevanz: Sobald Sie diese Werte in Ihre Steuererklärung aufnehmen, besteht die Möglichkeit, Widersprüche vom Finanzamt zu ernten. Wohlmöglich werden Sie sich ärgern, weil Sie dann nicht nur keine 12.000 € erstattet bekommen, sondern vielleicht nicht einmal den Betrag, den Sie sich dank der vermeintlichen Pauschalen erhofft hatten. Selbstverständlich geben auch andere Software-Anbieter keine Garantie auf die berechnete Rückerstattung, jedoch bauen seriöse Anbieter nur gesetzeskonforme Pauschalen in die Berechnung ein.

 

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