Gestaltungshinweise für die Anlage R und §34 EStG

(Renten)

Hier finden Sie detaillierte Gestaltungshinweise für die Anlage R Ihrer Einkommensteuererklärung. Außerdem können Sie die Anlage R hier als pdf herunterladen. Wir empfehlen Ihnen allerdings, die Steuererklärung mit einer professionellen Steuersoftware zu erstellen.

 

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Anlage R: Nach diesem Schema funktioniert die Rentenbesteuerung

Renten und andere Leistungen gehören zu den wiederkehrenden Bezügen. Abhängig davon, wer sie zahlt und in welcher Form sie vorliegen, erfolgt eine unterschiedliche Besteuerung.

Abgrenzung der Einkunftsarten

Werden Renten gezahlt, ist zu unterscheiden, ob sie vom früheren Arbeitgeber aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses oder von einer anderen Person bzw. Einrichtung gezahlt werden.

Wiederkehrende Bezüge, die aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses gezahlt werden, gehören zu den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit i. S. d. § 19 EStG. Dazu gehören insbesondere die Betriebsrente oder die Beamtenpension. Dabei ist zu prüfen, ob es sich um Versorgungsbezüge handelt, für die ein Versorgungsfreibetrag in Betracht kommt.

Wiederkehrende Bezüge sind als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 1 EStG zu erfassen, wenn sie nicht Ausfluss eines früheren Dienstverhältnisses sind und nicht zu anderen Einkunftsarten gehören. Sie dürfen bei wirtschaftlicher Betrachtung keine Kapitalrückzahlungen, z. B. Kaufpreisraten (fest vereinbarter, aber gestundeter Kaufpreis), darstellen. Die Besteuerung hängt davon ab, wie die Beiträge ursprünglich in der sog. Ansparphase steuerlich behandelt wurden. 

Anlage R und §34 EStG: Steuerfreie Renten, gesetzliche Rente und Rürup-Rente

Nicht alle Renten unterliegen der Besteuerung. So sind z. B. folgende Renten oder Rentenanteile steuerfrei:

  • Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft; § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG),
  • Sachleistungen und Kinderzuschüsse aus der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 3 Nr. 1 Buchst. b EStG),
  • Abfindungsbetrag einer Witwen- oder Witwerrente wegen Wiederheirat des Berechtigten (§ 107 SGB VI, § 3 Nr. 3 Buchst. a EStG),
  • Renten, die an Wehrdienstbeschädigte oder Zivildienstbeschädigte oder deren Hinterbliebene gezahlt werden (Ausgleichszahlungen nach § 86 Bundesversorgungsgesetz; § 3 Nr. 6 EStG),
  • Renten, aufgrund der gesetzlichen Vorschrift zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts (§ 3 Nr. 8 EStG),Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die an Verfolgte i. S. d. § 1 Bundesentschädigungsgesetz oder deren Hinterbliebene gezahlt werden (§ 3 Nr. 8a EStG),
  • Renten, die wegen der Anrechnung von Kindererziehungszeiten an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921 gezahlt werden (§§ 294 bis 299 SGB VI, § 3 Nr. 67 EStG). Aus Billigkeitsgründen gehören dazu auch Leistungen nach § 294a Satz 2 SGB VI für Kinderziehung an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1927, die am 18.5.1990 ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Beitrittsgebiet und am 31.12.1991 keinen eigenen Anspruch auf Rente aus eigener Versicherung hatten.
  • Schadensersatzrenten an unterhaltsberechtigte Personen nach § 844 Abs. 2 BGB wegen Tötung des Unterhaltsverpflichteten (BFH, Urteil v.26.11.2008, X R 31/07, BFH/NV 2009 S. 470).

Nicht steuerbar sind Schmerzensgeldrenten. Diese fallen unter keine der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuerrechts (BMF, Schreiben v. 15.7.2009, IV C 3 – S 2255/08/10012, BStBl 2009 I S. 836).

 

Gesetzliche Renten und Rürup-Renten, § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG

[Leibrenten/Leistungen Zeilen 4–13]

Renten und andere Leistungen i. S. d. § 22 EStG

 

Renten sind wiederkehrende gleichmäßige Leistungen in Geld oder vertretbaren Sachen, die auf einem besonderen Verpflichtungsgrund oder einem Rentenstammrecht beruhen.

Nur Renten, die nicht vom früheren Arbeitgeber gezahlt werden, fallen unter die Einkunftsart «Sonstige Einkünfte» i. S. d. § 22 EStG.

Zu berücksichtigen sind Leibrenten, d. h. Renten, die auf Lebenszeit gezahlt werden, und abgekürzte Leibrenten mit einer Höchstlaufzeit. Reine Zeitrenten, die nicht auf die Lebenszeit, sondern auf eine festgelegte Dauer zu entrichten sind, werden nicht als sonstige Einkünfte besteuert. Sie sind Kaufpreisraten vergleichbar und sind mit dem Ertrag nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern.

Ab dem Jahr 2005 wurde die Besteuerung der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichbarer Renten neu geregelt. In einer Übergangszeit von 2005 bis 2040 werden die Renten in die sog. nachgelagerte Besteuerung überführt. In der Endphase werden die Versicherungsbeiträge in voller Höhe als Sonderausgaben abziehbar sein und die Renten gehören in voller Höhe zu den Einnahmen nach § 22 EStG.

Zu den Leistungen, die nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. aa) EStG zu versteuern sind, gehören unselbständige Bestandteile der Rente (wie z. B. Kinderzuschüsse) und insbesondere einmalige Leistungen wie z. B. (Teil-)Kapitalauszahlungen, Sterbegeld und die Abfindung von Kleinbetragsrenten.

[Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichbare Renten Zeile 4]

Die Renten aus

 

  • der gesetzlichen Rentenversicherung (insbesondere Alters-, Witwen- oder Witwerrenten, Waisenrenten, Erziehungsrenten) und auch Erwerbsminderungs- und Berufsunfähigkeitsrenten (abgekürzte Leibrenten) werden seit 2005 wie die übrigen Renten aus der gesetzliche Rentenversicherung besteuert (BFH, Urteil v. 13.4.2011, X R 54/09, BFH/NV 2011 S. 1576). Beträge, die als einmalige Leistung (z. B. Sterbegeld oder Abfindung von Kleinbetragsrenten) ausgezahlt werden, gehören auch dazu;
  • den landwirtschaftlichen Alterskassen;
  • berufsständischen Versorgungseinrichtungen (z. B. Versorgungswerk der Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte, Zahnärzte usw.); 
  • privaten zertifizierten Basisrentenverträgen (Rürup-Rente)

werden nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG besteuert.

Achtung: Kinderzuschüsse teilweise steuerpflichtig
Während Kinderzuschüsse aus der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG steuerfrei sind, stellen Kinderzuschüsse, die aus einer berufsständischen Versorgungseinrichtung gezahlt werden, unselbstständige Bestandteile der Rente dar. Sie werden zusammen mit der Rente nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG besteuert und sind nicht steuerfrei. Dies ist verfassungsgemäß (BFH, Urteil v.31.8.2011, X R 11/10, BFH/NV 2012 S. 620).

 

Besteuerungsanteil

 

Diese Renten werden mit einem Besteuerungsanteil erfasst. Die Besteuerung erfolgt nach dem sog. Kohorten-Prinzip. Für alle Neurentner eines Jahres gilt derselbe Prozentsatz, d. h., die Höhe des Besteuerungsanteils richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Der Besteuerungsanteil beträgt für Renten, die spätestens im Jahr 2005 erstmals gezahlt wurden, 50 %. Für jeden neu hinzukommenden Rentenjahrgang (Kohorte) erhöht sich der Prozentsatz ab 2006 um jährlich 2 % und ab 2021 um jährlich 1 %.

 

Jahr des Rentenbeginns

Besteuerungsanteil in %

 

bis 2005

2006

2015

2016

2017

2018

2039

2040

50

52

70

72

74

76

99

100

 

 

Der BFH hat die Regelung nach dem Alterseinkünftegesetz als verfassungsrechtlich unbedenklich anerkannt (BFH, Urteil v. 26.11.2008, X R 15/07, BFH/NV 2009 S. 278). Die entsprechende Verfassungsbeschwerde wurde nicht angenommen (BVerfG, Beschluss v. 8.4.2011, 2 BVR 844/10).

 

Anhängig ist beim BVerfG noch das Verfahren 2 BvR 1066/10 (BFH, Urteil v. 4.2.2010, X R 52/08, BFH/NV 2010 S. 1253).

 

[Beginn der Rente Zeile 7]

Unter «Beginn der Rente» ist der Zeitpunkt zu verstehen, ab dem die Rente (ggf. nach rückwirkender Zubilligung) tatsächlich bewilligt wird. Das Datum ergibt sich aus dem Rentenbescheid. Wird die bewilligte Rente zunächst bis auf 0 EUR gekürzt, z. B. weil eigene Einkünfte anzurechnen sind, steht dies dem Beginn der Rente nicht entgegen und unterbricht die Laufzeit der Rente nicht. Verzichtet der Rentenberechtigte in Kenntnis der Kürzung der Rente auf die Beantragung, beginnt die Rente jedoch nicht zu laufen, solange sie nicht dem Grunde nach bewilligt wird.

 

[Rentenbetrag und Zufluss Zeile 5]

Einzutragen ist der aus der Renten(anpassungs)mitteilung zu errechnende Jahres(brutto)rentenbetrag inklusive Rentennachzahungen, Einmalzahlungen und Leistungen. Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Besteuerungsanteils ist der Rentenbetrag. Darunter ist der Jahresbetrag der Rente, d. h. die Bruttorente (zugesagte Rente), auf die ein Rechtsanspruch besteht, und nicht die ausgezahlte Rente zu verstehen. Deshalb gehören auch die einbehaltenen und abgeführten Beiträge des Rentners für die Kranken- und Pflegeversicherung zur Bemessungsgrundlage. Sie sind als Sonderausgaben auf der Anlage Vorsorgeaufwand zu berücksichtigen. Zuschüsse, die die gesetzliche Rentenversicherung zu den Krankenversicherungsbeiträgen beisteuert, sind nach § 3 Nr. 14 EStG steuerfrei und gehören weder zur Bemessungsgrundlage nach § 22 EStG noch sind die Zahlungen als Sonderausgaben abziehbar.

 

Renten sind in dem Kalenderjahr zu versteuern, in dem sie dem Rentner zugeflossen sind (§ 11 Abs. 1 EStG).

 

Steuerfreier Teil der Rente

 

Bei Renten, die vor 2005 erstmals gezahlt wurden, beträgt der steuerfreie Teil 50 % der im Jahr 2005 gezahlten Rente. In allen anderen Fällen wird der steuerfreie Teil der Rente (Freibetrag) in dem Jahr ermittelt, das dem Jahr des Rentenbeginns folgt (zweites Jahr des Rentenbezugs) (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa, Sätze 4 und 5 EStG). Der steuerfreie Teil der Rente ergibt sich aus dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Jahresbetrag der Rente im betreffenden Jahr und dem Besteuerungsanteil in diesem Jahr.Der steuerfreie Teil der Rente ist für die gesamte Laufzeit der Rente grundsätzlich unverändert zu beachten.

 

[Rentenanpassungsbeträge Zeile 6]

Regelmäßige Anpassungen der Rente (Rentenanpassungsbeträge) ab dem dritten Jahr des Rentenbezugs (z. B. wegen allgemeiner Steigerung der Nettolöhne) führen nicht zu einer Neuberechnung des Freibetrags. Im Ergebnis wird somit jede Rentenerhöhung ab dem dritten Jahr zu 100 % besteuert.

 

 

Beispiel: Ermittlung des steuerfreien Teils der Rente

 

Anna Bauer erhält ab August 2010 eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung i. H. v. monatlich 1.000 EUR. Ab 1.7.2011 beträgt die Rente 1.020 EUR. Durch weitere Anpassungen des Rentenniveaus an die gestiegenen Nettolöhne erhöht sich die Rente in den Jahren 2012 bis 2016 zusätzlich. Ab Juli 2016 wird eine monatliche Rente i. H. v. 1.065 EUR gezahlt. Ab 1.07.2017 wird ihr eine Rente von 1.190 EUR je Monat zugesagt. Im Jahr 2017 werden insgesamt 760 EUR Krankenversicherungs- und 220 EUR Pflegeversicherungsbeitrag der Rentnerin von ihrer Rente abgezogen.

 

2010

 

zugeflossene Rente (5 × 1.000 EUR =)

5.000 EUR

Besteuerungsanteil

 

60 % von 5.000 EUR =

3.000 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag 

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

2.898 EUR

 

 

2011

 

zugeflossene Rente (6 × 1.000 EUR und 6 × 1.020 EUR =)

12.120 EUR

Besteuerungsanteil

 

60 % von 12.120 EUR =

7.272 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

7.170 EUR

steuerfreier Teil (2. Jahr) (12.120 EUR ./. 7.272 EUR =)

4.848 EUR

 

2017

 

zugeflossene Rente (6 × 1.065 EUR und 6 × 1.070 EUR =)

14.130 EUR

abzgl. steuerfreier Teil (aus dem 2. Jahr)

 4.848 EUR

= Besteuerungsanteil

9.282 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

9.180 EUR

Der steuerfreie Teil beträgt auch in den folgenden Jahren 5.091 EUR.

 

 

 

Der steuerfreie Teil der Rente ist nur dann neu zu berechnen, wenn sich der Rentenbetrag grundsätzlich verändert. Dies ist z. B. der Fall, wenn eine Rente wegen Anrechnung anderer Einkünfte ermäßigt wird oder eine Rente wegen Todes des Berechtigten nur noch für einen Teil des Jahres gezahlt wird. Hier wird der steuerfreie Teil der Rente entsprechend anteilig gekürzt.

 

Muss der Rentner in den ersten Jahren des Rentenbezugs keine Einkommensteuererklärung abgeben, kann der steuerfreie Teil der Rente in einem späteren Jahr, für das wieder eine Einkommensteuererklärungspflicht gegeben ist, berechnet werden, ohne dass die Daten des zweiten Jahres bekannt sind. Möglich ist dies, weil in der Rentenbezugsmitteilung nach § 22a EStG der Gesamtbetrag der Rentenanpassungen ab dem dritten Jahr durch den Rententräger auszuweisen ist.

 

 

Beispiel: Ermittlung des steuerfreien Teils der Rente unter Berücksichtigung der Rentenanpassungsbeträge (Praxisanwendung)

 

Siehe vorheriges Beispiel; Variante: Anna Bauer erhält eine Rentenbezugsmitteilung, die folgende Angaben enthält:

 

zugeflossene Rente 2014 (Zeile 5 der Anlage R)

12.810 EUR

 

Rentenanpassungsbeträge (Zeile 6 der Anlage R)

690 EUR

 

Beginn der Rente (Zeile 7 der Anlage R)

1.8.2009

 

Die Berechnung im Jahr 2014 sieht wie folgt aus:

 

 

zugeflossene Rente

12.810 EUR

 

abzgl. Rentenanpassungsbeträge ab dem dritten Jahr

./. 690 EUR

 

Diese werden zu 100 % besteuert;

 

690 EUR

verbleiben (entspricht Rentenbetrag des 2. Jahres)

12.120 EUR

 

davon Besteuerungsanteil 58 % (Rentenbeginn 2009)

 

7.029 EUR

gesamter Besteuerungsanteil 2014

 

7.719 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag (siehe unten)

 

./.102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

 

7.617 EUR

 

 

Erhöhung oder Herabsetzung von Renten

Soweit Renten i. S. d. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG in späteren Jahren z. B. wegen Anrechnung anderer Einkünfte erhöht oder herabgesetzt werden, ist keine neue Rente anzunehmen. Für den veränderten Rentenbetrag bleibt der ursprünglich ermittelte Prozentsatz maßgebend. Allerdings ist der steuerfreie Teil der Rente neu zu ermitteln (BMF, Schreiben v. 19.8.2013, IV C 3 - S 2221/12/10010:004, Rn. 232, BStBl 2013 I S. 1087). Dabei ist der steuerfreie Teil der Rente in dem Verhältnis anzupassen, in dem der jetzt veränderte Jahresbetrag der Rente (verringert um enthaltene Rentenanpassungsbeträge) zum Jahresbetrag der Rente (i. d. R. des zweiten Jahres) steht, der der Ermittlung des bisherigen steuerfreien Teils der Rente zugrunde gelegen hat (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa, Sätze 6 und 7 EStG).

 

[Vorhergehende Renten und Folgerenten Zeilen 8 – 9]

Folgerenten (Renten nach einer vorhergehenden Rente) liegen vor, wenn die Renten vom selben Versicherungsträger gezahlt werden und auf demselben Rentenrecht beruhen. Das ist z. B. gegeben, wenn

 

  • eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (oder umgekehrt) umgewandelt wird,
  • eine Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente umgewandelt wird oder
  • eine kleine Witwenrente in eine große Witwenrente (oder umgekehrt) umgewandelt wird bzw.
  • eine Altersrente bei Tod in eine nachfolgende Witwen- oder Witwerrente übergeht.

Diese Folgerenten sind versicherungsrechtlich eigenständige Renten. Bei der Ermittlung des Besteuerungsanteils wird nicht ihr tatsächlicher Rentenbeginn für die Ermittlung des Prozentsatzes herangezogen. Für diese Folgerenten wird ein fiktives (gedachtes) Jahr des Rentenbeginns ermittelt (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa, Satz 8 EStG). Der tatsächliche Beginn der Folgerente wird dabei um die Laufzeit der Vorgängerrente (berechnet aus Beginn und Ende der vorhergehenden Rente, Zeilen 8 und 9) in die Vergangenheit verschoben. Dadurch mindert sich der prozentuale Besteuerungsanteil. Dieser darf 50 % nicht unterschreiten.

 

Beispiel: Besteuerungsanteil einer Folgerente (Variante 1)

Maximilian Maier erhält seit 1.5.2004 eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Jahr 2005 wurde ein steuerfreier Teil i. H. v. 50 % aus 16.200 EUR = 8.100 EUR festgestellt. Bis zu seinem Tod Ende August 2017 wird Maximilian eine Rente i. H. v. insgesamt 11.220 EUR ausbezahlt. Darin enthalten sind Rentenanpassungsbeträge von insgesamt 420 EUR. Seine Ehefrau Maria, die nicht berufstätig war, erhält ab September 2017 eine Witwenrente i. H. v. monatlich 860 EUR.

 

Bei der Zusammenveranlagung für das Todesjahr 2017 sind die Einkünfte der Eheleute getrennt zu ermitteln. Beide Ehegatten haben mit ihrer Rente sonstige Einkünfte.

 

Maximilian

 

zugeflossene Altersrente

11.820 EUR

 

abzgl. Anpassungsbeträge

./. 490 EUR

490 EUR

= anteilige Rente (8/12) bezogen auf das zweite Jahr

10.800 EUR

 

Besteuerungsanteil im zweiten Jahr 50 % =

5.400 EUR

5.400 EUR

Besteuerungsanteil im Jahr 2017

 

5.890 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag

 

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

 

5.788 EUR

 

Maria

 

Die Witwenrente ist eine Folgerente.

tatsächlicher Rentenbeginn

1.9.2017

abzgl. Laufzeit der Vorgängerrente

 

1.5.2004–31.8.2017 =

./. 152 Monate

= fiktiver Rentenbeginn (frühestens 1.1.2005)

1.1.2005

Der Besteuerungsanteil der Witwenrente beträgt 50 %.

 

Besteuerungsanteil 2017: 50 % von 3.840 EUR =

1.920 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag (siehe unten)

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

1.818 EUR

 

 

Besteuerungsanteil einer Folgerente (Variante 2)

 

Willi Weber bezieht vom 1.10.2008 bis 31.3.2011 eine Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung i. H. v. mtl. 1.000 EUR. Anschließend ist er wieder erwerbstätig. Ab 1. November 2016 erhält er eine Altersrente i. H. v. 1.800 EUR.

 

2008

Besteuerungsanteil 56 % von 3.000 EUR =

1.680 EUR

 

2009

 

Besteuerungsanteil 56 % von 12.000 EUR =

6.720 EUR

Der steuerfreie Teil dieser Rente beträgt

5.280 EUR

 

2016

Die Altersrente ist eine Folgerente

 

tatsächlicher Rentenbeginn

1.11.2016

Der Rentenbeginn der Altersrente wird um die Laufzeit der Vorgängerrente in die Vergangenheit verschoben:

 

– Laufzeit Vorgängerrente

 

1.10.2008–31.3.2011

./. 30 Monate

= fiktiver Rentenbeginn der Altersrente

1.5.2014

Daraus ergibt sich ein Besteuerungsanteil

 

für die Altersrente i. H. v. 68 % von 3.600 EUR =

2.448 EUR

abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag (siehe unten)

./. 102 EUR

sonstige Einkünfte § 22 EStG

2.346 EUR

 

Folgerenten werden für die Berechnung des steuerfreien Teils der Rente als eigenständige Renten behandelt. Das gilt nicht, wenn eine wegen Wiederheirat weggefallene Witwen- oder Witwerrente wiederauflebt. In diesem Fall berechnet sich der steuerfreie Teil der Rente nach der ursprünglichen Rente.

 

Wichtig: Vorgängerrenten, die vor 2005 geendet haben
Endet die Vorgängerrente vor 2005, wird diese für die Berechnung eines fiktiven Rentenbeginns bei einer Folgerente nicht mehr berücksichtigt.

 

 [Nachzahlungen Zeile 10]

Werden Renten für mehrere (mindestens zwei) vorangegangene Jahre im laufenden Jahr nachgezahlt, sind diese insgesamt im Jahr des Zuflusses zu erfassen. Das Finanzamt wird prüfen, ob für diese Nachzahlungen eine Tarifvergünstigung nach der sog. Fünftel-Regelung des § 34 EStG in Betracht kommt.

 

Erhält der Steuerpflichtige von der Deutschen Rentenversicherung neben einer Rentennachzahlung für Vorjahre auch Zinsen nach § 44 SGB I auf die Nachzahlung, so ist die Zinszahlung laut Urteil des Sächsischen FG keine Kapitaleinnahme, sondern wie die Rentenzahlung als sonstige Einkünfte zu versteuern (Sächsisches FG, Urteil v. 20.3.2012, 6 K 2143/07, Revision beim BFH, Az. VIII R 18/12).

 

Achtung: Nachzahlungen für das Jahr vor dem Veranlagungszeitraum
Werden Rentenbeträge nur für das unmittelbar vorangehende Jahr im laufenden Jahr nachbezahlt, z. B. wegen verspäteter Rentenantragstellung, ist die gesamte zugeflossene Rente (einschl. der Nachzahlung) in Zeile 5 und nicht in Zeile 10 einzutragen.

 

[Öffnungsklausel Zeilen 11–13]

Auf Antrag des Steuerpflichtigen werden Teile der Leibrenten, die eigentlich der nachgelagerten Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil unterliegen würden, mit einem niedrigeren Ertragsanteil besteuert. Die Anwendung der Öffnungsklausel setzt voraus, dass bis zum 31.12.2004 für mindestens zehn Jahre Beiträge gezahlt wurden, die oberhalb des Höchstbetrags zur gesetzlichen Rentenversicherung lagen. Die Jahre müssen nicht unmittelbar aufeinanderfolgen. Beiträge sind grundsätzlich dem Jahr zuzurechnen, in dem sie gezahlt oder für das sie bescheinigt werden (BFH, Urteil v. 19.1.2010, X R 53/08, BFH/NV 2010 S. 986). Nach diesem Urteil kommt es bei der Öffnungsklausel nicht nur darauf an, dass die Beiträge bis zum 31.12.2004 geleistet wurden, sondern auch für welche Jahre vor 2005 der Steuerpflichtige die Beiträge geleistet hat. Wurden z. B. in einem Jahr (vor 2005) Nachzahlungen für mehrere Jahre durch einen Einmalbetrag bezahlt, sind die Zahlungen den einzelnen Jahren zuzurechnen, in denen sie rentenrechtlich wirksam werden (sog. Für-Prinzip).

 

Kommt die Öffnungsklausel zur Anwendung, bedeutet dies:

 

  • Der Teil der Rente, der auf den entsprechenden Öffnungsklausel-Prozentsatz entfällt, wird mit dem Ertragsanteil nach § 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 2 EStG besteuert.
  • Der verbleibende Teil der Rente wird mit dem Besteuerungsanteil erfasst (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG).
  • Die Besteuerung mit dem Ertragsanteil gilt per gesetzlicher Definition (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 1 EStG EStG) nur für Erträge des Rentenrechts und damit nicht für Einmalauszahlungen.

 

Im Rahmen der sog. Öffnungsklausel können in die Prüfung, welche Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt wurden, nur die tatsächlich geleisteten Beiträge einbezogen werden. Versorgungsanwartschaften eines Beamten bleiben unberücksichtigt (BFH, Urteil v. 18.5.2010, X R 29/09, BFH/NV 2010 S. 1719).

 

Für die Prüfung ist grundsätzlich der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung der Angestellten und Arbeiter (West) des Jahres heranzuziehen, dem die Beiträge zuzurechnen sind. Höchstbeitrag ist die Summe des Arbeitgeberanteils und des Arbeitnehmeranteils zur jeweiligen gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Pflichtbeiträge, freiwillige Beiträge oder Beiträge zur Höherversicherung handelt. Auch wenn nur für einen Teil des Jahres eine Versicherungspflicht bestand, ist der Höchstbetrag immer mit dem Jahresbetrag anzusetzen. Eine zeitanteilige Berücksichtigung ist nicht vorgesehen (BFH, Urteil v. 4.2.2010, X R 58/08, BFH/NV 2010 S. 1173).

 

Der Antrag ist beim zuständigen Finanzamt auf der Anlage R zu stellen. Die Öffnungsklausel wird nicht von Amts wegen angewandt.

 

Tipp: Bescheinigung zur Anwendung der Öffnungsklausel
Der Nachweis über das Vorliegen der oben genannten Voraussetzungen wird durch eine Bescheinigung des jeweiligen Versorgungsträgers, an den die Beiträge geleistet wurden, geführt. Aus der Bescheinigung müssen sich die vor dem 1.1.2005 geleisteten Beiträge und die jeweiligen Jahre ergeben. Der Teil der Rente, auf den die Öffnungsklausel Anwendung findet (Besteuerung mit dem Ertragsanteil), wird in der Bescheinigung durch einen entsprechenden Prozentsatz ausgewiesen.

 

Erhält der Steuerpflichtige oder dessen Hinterbliebene aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder einer berufsständischen Versorgungseinrichtung neben der laufenden Leibrente auch noch einen einmaligen Bezug, z. B. ein Sterbegeld, und ist die Öffnungsklausel anzuwenden, ist nur der Teil des einmaligen Bezugs zu versteuern, der der nachgelagerten Besteuerung nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG entspricht. Der Teil des einmaligen Bezugs, der von der Öffnungsklausel betroffen ist, wird nicht besteuert. Die endgültige Entscheidung darüber, ob die Öffnungsklausel zur Anwendung kommt, trifft das Finanzamt und nicht die auszahlende Stelle.

 

Weitere Einzelheiten zur Besteuerung von Renten aus der gesetzlichen oder einer vergleichbaren Rentenversicherung: BMF, Schreiben v. 19.8.2013, IV C 3 – S 2222/12/10010:004, BStBl 2013 I S. 1087.

 

Bis zu welchem Betrag Rentner keine Steuern zahlen müssen

 

Ob eine Steuererklärung abgegeben werden muss, hängt von der Höhe der steuerpflichtigen Einkünfte ab. Wird ausschließlich eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen, bleiben mindestens folgende Renten ohne Besteuerung:

Alleinstehender Rentner

(für verheiratete Rentner verdoppeln sich die Beträge)

Jahr des Rentenbeginns
(maßgebend für Besteuerungsanteil)

2014

2015

2016

2017

z. v. E.  
(entspricht dem Grundfreibetrag) à Steuer 0 EUR

8.354 EUR

8.472 EUR

8.652 EUR

8.820 EUR

+ Sonderausgabenpauschbetrag

36 EUR

36 EUR

36 EUR

36 EUR

+ Vorsorgeaufwendungen
(Kranken- und Pflegeversicherung aus der Rente)

1.456 EUR

1.527 EUR

1.543 EUR

1.523 EUR

+ Werbungskostenpauschbetrag

102 EUR

102 EUR

102 EUR

102 EUR

= Besteuerungsanteil der Rente

9.948 EUR

10.138 EUR

10.282 EUR

10.481 EUR

Besteuerungsanteil (% aus der Monatsbruttorente)

68 %

70 %

72 %

74 %

steuerfreier Teil der Rente( in EUR festgeschrieben)

4.681 EUR

4.345 EUR

4.018 EUR

3.628 EUR

Jahresbruttorente

14.629 EUR

14.483 EUR

14.351 EUR

14.163 EUR

Monatsbruttorente, die unversteuert bleibt

1.219 EUR

1.207 EUR

1.196 EUR

1.180 EUR

 

 

Bezieht der Ehegatte auch eine gesetzliche Rente, ist zu beachten, dass für diese Rente eventuell ein anderer Besteuerungsanteil gilt.

 

Liegen noch andere abzugsfähige Ausgaben vor (z. B. Spenden, außergewöhnliche Belastungen, Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen), bleibt eine höhere Rente ohne Besteuerung. 

 

Wichtig: Rentner im Ausland
Hat der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, bleibt die Rente i. d. R. im Inland steuerpflichtig im Rahmen der beschränkten Einkommensteuerpflicht. Aus Deutschland stammende Renteneinkünfte gehören zu den inländischen Einkünften i. S. d. § 49 EStG. DBA, die die Bundesrepublik mit anderen Ländern abgeschlossen hat, regeln das Besteuerungsrecht für Deutschland.

Die Einkommensteuer auf Renteneinkünfte wird im Wege der Veranlagung erhoben. Dies bedeutet, dass für die Festsetzung der Einkommensteuer die Abgabe einer Steuererklärung erforderlich ist. Das Finanzamt Neubrandenburg ist zentral zuständig für die Veranlagung von Rentnern mit Wohnsitz im Ausland, die nicht aus anderen Gründen (andere inländische Einkünfte) bereits in Deutschland veranlagt werden. Seit 2013 besteht eine neue EU-Amtshilferichtlinie in Steuersachen, die einen automatischen Informationsaustausch zwischen EU-Mitgliedsstaaten zur Folge hat. Neben Zinseinnahmen werden auch Daten über Renten, Pensionen und Lebensversicherungen weitergegeben.

Zu beachten ist, dass bei einer Veranlagung zur beschränkten Steuerpflicht kein Grundfreibetrag (2017: 8.820 EUR) berücksichtigt wird und damit der steuerpflichtige Teil der Rente in vollem Umfang der Besteuerung mit dem Grundtarif unterliegt. In bestimmten Fällen (z. B. sind die Einkünfte zu mindestens 90 % in Deutschland zu versteuern oder es gibt nur geringe ausländische Einkünfte) kann der Rentner einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen und damit seine Steuerlast erheblich senken.

 

 

Verfassungsmäßigkeit der Rentenbesteuerung ab 2005

 

Der BFH hat in mehreren Verfahren entschieden, dass die nachgelagerte Besteuerung von Alterseinkünften ab 2005 verfassungsgemäß ist. Beispiele:

 

  • Altersrenten eines Versorgungswerks der Rechtsanwälte und Renten der Deutschen Rentenversicherung. Die Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen (BFH, Urteil v. 26.11.2008, X R 15/07, BFH/NV 2009 S. 278).
  • Altersrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung eines selbstständig Tätigen, der freiwillige Beiträge geleistet hat. Eine Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen (BFH, Urteil v. 19.1.2010, X R 53/08, BFH/NV 2010 S. 986).
  • Altersrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung eines Beamten, der freiwillige Beiträge geleistet hat (BFH, Urteil v. 4.2.2010, X R 52/08, BFH/NV 2010 S. 1253).

Renten aus der privaten Rentenversicherung, die mit einem Ertragsanteil besteuert werden

[Leibrenten Zeilen 14 – 20]

Lebenslange Leibrenten, die nicht unter § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG bzw. unter § 22 Nr. 5 EStG (siehe unten) fallen, werden nach § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG mit dem Ertragsanteil besteuert.

Hierunter fallen insbesondere

 

  • Renten aus vor dem 1.1.2005 abgeschlossenen privaten Rentenversicherungen 
  • Renten aus ab 2005 abgeschlossenen Lebensversicherungen, die nicht die Voraussetzungen der Rürup-Rente erfüllen sowie
  • Veräußerungsleibrenten.

Ertragsanteil
Die Besteuerung erfolgt mit dem Ertragsanteil, weil die entsprechenden Rentenbeiträge entweder ganz aus versteuertem Einkommen (ohne Sonderausgabenabzug) gezahlt wurden oder es für die Beiträge nur einen geringen Sonderausgabenabzug gegeben hat. Der Ertragsanteil bestimmt sich nach dem bei Beginn der Rente vollendeten Lebensjahr des Rentenberechtigten.

Auszug aus der Tabelle § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 4 EStG:

Bei Beginn der Rente vollendetes Lebensjahr des Rentenberechtigten 

Ertragsanteil

in %

 

30

40

50

60

63

64

65

70

80

44

38

30

22

20

19

18

15

8

 

 

Abgekürzte Leibrenten

Werden Renten aus der privaten Rentenversicherung nur als abgekürzte Leibrenten (Renten mit zeitlich befristeter Laufzeit) gezahlt, wird der Ertragsanteil der Rente nicht nach dem vollendeten Lebensjahr bei Beginn der Rente, sondern nach der voraussichtlichen Laufzeit der Rente ermittelt (§ 55 Abs. 2 EStDV).

 

 

Laufzeit der Rente

ab Beginn

(Auszug aus der Tabelle)

Ertragsanteil

in %

(grundsätzlich)

 

1

2

3

4

5

10

20

30

0

1

2

4

5

12

21

30

 

 

Beispiele:

 

  • Private Berufsunfähigkeitsrente, die mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze in eine private Altersrente umgewandelt wird.
  • Veräußerung eines Grundstücks gegen Rentenzahlungen mit einer Beschränkung der Laufzeit auf höchstens eine bestimmte Anzahl von Jahren.

 

 

Ist bei Beginn der Rente die voraussichtliche restliche Lebenserwartung allerdings kürzer als die Laufzeit der abgekürzten Leibrente, erfolgt die Ermittlung des Ertragsanteils wie bei zeitlich nicht befristeten privaten Leibrenten (§ 55 Abs. 2 EStDV).

 

Weitere Einzelheiten zur Besteuerung von Renten aus der privaten Rentenversicherung, insbesondere zu nachträglich umgewandelten Verträgen, siehe BMF, Schreiben v. 19.8.2013, IV C 3 - S 2221/12/10010:004, BStBl 2013 I S. 1087.

 

Rentenbezugsmitteilungen, § 22a EStG

Die Rentenversicherungsträger und Lebensversicherungsunternehmen müssen die Daten zur Besteuerung der Leibrenten durch amtlich vorgeschriebenen Datensatz an die zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) bei der Deutschen Rentenversicherung Bund melden. Von hier werden die Daten elektronisch an die Landesfinanzbehörden weitergeleitet und im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer durch die Finanzämter ausgewertet. Die Rentendaten sind an die steuerliche Identifikationsnummer gekoppelt und können so problemfrei der jeweiligen Steuerveranlagung zugeordnet werden. 

 

Für jeden Vertrag und für jede Rente ist eine gesonderte Rentenbezugsmitteilung erforderlich. Nicht in das Rentenbezugsmitteilungsverfahren einbezogen werden Renten, Teile von Renten oder andere Leistungen, die steuerfrei sind oder nicht der Besteuerung unterliegen. Eine Rentenbezugsmitteilung ist nicht erforderlich, wenn die Rentenansprüche – z. B. wegen der Höhe der eigenen Einkünfte – ruhen und daher im gesamten Kalenderjahr keine Zahlungen erfolgt sind. 

 

Werden Renten zurückgefordert, sind sie im Kalenderjahr der Rückzahlung von den der steuerpflichtigen Person entsprechend zugeflossenen Leistungen abzuziehen. Auch der enthaltene Rentenanpassungsbetrag wird verrechnet.

 

Übersteigt in einem Kalenderjahr der zurückgezahlte Betrag den Betrag der zugeflossenen Leistungen, wird der übersteigende Betrag als negativer Betrag in der Rentenbezugsmitteilung angegeben.

 

Wichtig: Besteuerung von Rentenversicherungsleistungen, die nicht lebenslang laufen
Bei nach dem 31.12.2004 abgeschlossenen Rentenversicherungen, bei denen keine lebenslange Rentenzahlung vereinbart und erbracht wird, erfolgt die Besteuerung nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG im Wege der Ermittlung des Unterschiedsbetrags zwischen ausgezahltem Betrag und eingezahlten Beiträgen.

 

 

[Renten aus Altersvorsorgeverträgen und aus der betrieblichen Altersversorgung, § 22 Nr. 5 EStG → Zeilen 31–49]

Die Vorschrift ist anzuwenden auf Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen (Riester-Rente) und aus der betrieblichen Altersversorgung. Zur betrieblichen Altersversorgung gehören:

 

  • Pensionsfonds
  • Pensionskassen
  • Direktversicherungen
  • umlagefinanzierten Versorgungseinrichtungen (z. B. VBL-Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder)

 

 

Altersvorsorgeverträge (Riester-Rente)

Bei Altersvorsorgeverträgen werden die Beiträge, Erträge und Wertsteigerungen in der Ansparphase durch Zulagen oder steuerliche Vergünstigungen gefördert.

 

Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen unterliegen der nachgelagerten Besteuerung, weil sie i. d. R. durch Altersvorsorgezulage, Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG oder Steuerbefreiung der Beiträge in der Ansparphase steuerlich gefördert waren. Die Renten werden grundsätzlich in voller Höhe besteuert.

 

Wurden die Beiträge in der Ansparphase nur teilweise steuerlich gefördert, d. h., es wurden auch nicht geförderte Beiträge gezahlt, muss die Rente für die Besteuerung aufgeteilt werden.

 

Der Teil der Rente, der aus eigenen Beitragszahlungen stammt, wird sogar zweimal besteuert, da die Beiträge i. d. R. aus versteuerten Einnahmen bezahlt wurden.

Anlage R: Details zur Besteuerung geförderter Altersvorsorgeverträge in der Auszahlungsphase

Beispiel: Auszahlungen aus geförderten Altersvorsorgeverträgen
Der Steuerpflichtige hat vor Jahren einen Riester-Vertrag abgeschlossen und die Altersvorsorgezulage erhalten. Seine laufenden Beitragszahlungen waren höher als der Förderhöchstbetrag.

Bei Auszahlung der Rente ist der Teil der Rente, der mit geförderten Beiträgen in Zusammenhang steht, in voller Höhe zu versteuern. Soweit die Rente aus «überzahlten» (nicht geförderten) Beiträgen stammt, muss sie nur mit dem Ertragsanteil versteuert werden.


Leistungsmitteilung

Die Steuerpflichtigen erhalten von ihrem Versicherungsunternehmen eine Leistungsmitteilung (Bescheinigung), aus der hervorgeht, welcher Teil der Rente voll zu versteuern ist und welcher Teil nur anteilig besteuert wird (Aufteilung). Die Besteuerungsvorschrift ist jeweils angegeben. Die Angaben aus der Bescheinigung können direkt in die Anlage R, Seite 2 übertragen werden.


Betriebliche Altersversorgung

Zur betrieblichen Altersversorgung gehören auch Versorgungsleistungen einer Pensionskasse, eines Pensionsfonds, einer Direktversicherung oder aus einer Direktzusage.


Direktzusage und Unterstützungskasse

Versorgungsleistungen des Arbeitgebers aufgrund einer Direktzusage und Versorgungsleistungen einer Unterstützungskasse gehören zu den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit (§ 19 EStG).

Werden sie in einer Summe ausbezahlt, handelt es sich um Arbeitslohn für mehrjährige Tätigkeiten i. S. d. § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG (BFH, Urteil v. 12.4.2007, VI R 6/02, BFH/NV 2007 S. 1409).

Wenn eine Zusammenballung vorliegt, kommt für sie die Fünftel-Regelung nach § 34 Abs. 1 EStG (ermäßigter durchschnittlicher Steuersatz) zur Anwendung. Werden die Leistungen in Teilbeträgen ausbezahlt, liegt keine Zusammenballung vor.

Pensionskasse, Pensionsfonds oder Direktversicherung

Die steuerliche Behandlung der Leistungen aus einer Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds erfolgt nach § 22 Nr. 5 EStG. Der Umfang der Besteuerung hängt davon ab, inwieweit die Beiträge in der Ansparphase gefördert wurden.

 

In der Ansparphase liegen geförderte Beiträge vor,

 

  • wenn die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 56 EStG,
  • die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 63 EStG,
  • die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 66 EStG,
  • die Altersvorsorgezulage oder
  • der Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG

    in Anspruch genommen wurde. Dies gilt auch für Leistungen aus einer ergänzenden Absicherung der Invalidität oder von Hinterbliebenen.

    Förderung in der Ansparphase

    Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 56 EStG

    Leistungen des Arbeitgebers zum Aufbau einer nicht kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung (z. B. umlagefinanzierte Pensionskassen, kommunale oder kirchliche Zusatzversorgungseinrichtung oder Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder [VBL] bzw. Zusatzversorgungskasse der Kommunen [ZVK]) sind ab 2008 teilweise steuerfrei. Nach § 3 Nr. 56 EStG bleiben bis zu 2 % (bis 2013: 1 %) der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (West 2014: 71.400 EUR), also jährlich 1.428 EUR steuerfrei, wenn die Auszahlung der Altersversorgung in Form einer Rente oder eines Auszahlungsplans erfolgen wird. Der Prozentsatz erhöht sich ab den Jahren 2020 und 2025 um jeweils einen weiteren Prozentpunkt. Ein zusätzlicher Höchstbetrag von 1.800 EUR (wie bei § 3 Nr. 63 EStG) ist hier nicht vorgesehen.

    Auf den Höchstbetrag nach § 3 Nr. 56 EStG sind die vom selben Arbeitgeber nach § 3 Nr. 63 EStG geleisteten Zahlungen anzurechnen. Ein Arbeitnehmereigenanteil ist voll steuerpflichtig.

    Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 63 EStG

    Leistungen des Arbeitgebers aus dem ersten Dienstverhältnis zum Aufbau einer kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung (Pensionskasse, Pensionsfonds oder Direktversicherung) bleiben nach § 3 Nr. 63 EStG bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (West 2014: 71.400 EUR), also jährlich 2.856 EUR steuerfrei, wenn die Auszahlung der Altersversorgung in Form einer Rente oder eines Auszahlungsplans erfolgen wird. Die Beiträge müssen vom Arbeitgeber geschuldet sein und können auch durch Entgeltumwandlung oder durch Eigenbeiträge des Arbeitnehmers finanziert werden. Für die Qualifizierung einer Zahlung als Beitrag des Arbeitgebers i. S. d. § 3 Nr. 63 EStG ist nur die versicherungsvertragliche Außenverpflichtung maßgeblich. Es kommt nicht darauf an, wer die Versicherungsbeiträge finanziert, d. h. wer durch sie wirtschaftlich belastet wird (BFH, Urteil v. 9.12.2010, VI R 57/08, BFH/NV 2011 S. 890).

    Der Höchstbetrag erhöht sich um 1.800 EUR, wenn die Versorgungszusage durch den Arbeitgeber nach 2004 erteilt wurde. Werden Beiträge aus Anlass der Beendigung des Dienstverhältnisses geleistet, erhöht sich der Höchstbetrag ggf. deutlich.

    Die Steuerbefreiung ist nicht möglich, wenn der Arbeitnehmer verlangt hat, dass die Voraussetzungen für die gesetzliche Altersvorsorgezulage oder der besondere Sonderausgabenabzug für zusätzliche Altersvorsorge erfüllt werden (§ 3 Nr. 63 Satz 2 EStG). Übersteigende Beiträge sind individuell zu versteuern.

    Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 66 EStG

     

    Leistungen des Arbeitgebers oder einer Unterstützungskasse an einen Pensionsfonds zur Übernahme bestehender Versorgungsverpflichtungen durch den Pensionsfonds sind von der Steuer befreit.

    Nicht geförderte Beiträge

    Nicht geförderte Beiträge liegen vor, wenn derartige Vergünstigungen nicht in Anspruch genommen wurden oder die Beiträge des Arbeitgebers pauschal nach § 40b EStG in der am 31.12.2004 geltenden Fassung besteuert wurden. Auch Beiträge an eine Pensionskasse oder für eine Direktversicherung, die vor dem 1.1.2002 geleistet wurden, gehören zu den nicht geförderten Beiträgen.

    Bei Einmalkapitalauszahlungen handelt es sich nicht um außerordentliche Einkünfte i. S. d. § 34 EStG. Die Fünftel-Regelung kommt nicht zur Anwendung.

    Wegen weiterer Einzelheiten in Zusammenhang mit der betrieblichen Altersversorgung: BMF, Schreiben v. 24.7.2013, IV C 3 - S 2015/11/10002, BStBl 2013 I S. 1022.

    Private Veräußerungsrenten

    Wurden Grundstücke, Betriebsvermögen oder Firmenbeteiligungen gegen Zahlung einer Rente aus Veräußerungsgeschäften auf eine andere Person übertragen, ist diese nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a), Doppelbuchst. bb) EStG mit dem Ertragsanteil zu versteuern. In Einzelfällen gehört die Veräußerungsrente aber noch zu den Betriebseinnahmen des Gewerbebetriebs oder der freiberuflichen Tätigkeit.

    Weitere Renten

    Wegen der Besteuerung weiterer Renten wird verwiesen auf:

     

    • Versorgungsleistungen nach Vermögensübertragung, soweit sie beim Zahlungsverpflichteten als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 22 Nr. 1b EStG).
    • Ausgleichszahlungen im Rahmen des schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs bei Ehegatten, soweit bei der ausgleichsverpflichteten Person Sonderausgaben abgezogen werden (§ 22 Nr. 1c EStG).
    • Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten, soweit sie beim Zahlenden als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 22 Nr. 1a EStG).

    Zusammenfassende Übersicht über die Besteuerung der wichtigsten Rentenarten in der Anlage R

    Rentenart

    Fundstelle

    Besteuerung

    Rentenzahlung vom Arbeitgeber aufgrund ­einer Pensionszusage (Direktzusage) oder aus Unterstützungskassen (Betriebsrente)

    § 19 Abs. 2 EStG

    Arbeitslohn nach § 19 EStG; i. d. R. Versorgungsbezüge (Versorgungsfreibetrag und Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag)

    Alle Renten aus der gesetzlichen Renten­versicherung, den landwirtschaftlichen Alterskassen, von berufs­ständischen Versorgungseinrichtungen,

    Rürup-Renten, § 10 Abs. 1 Nr. 2, Buchst. b EStG

    § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. aa) EStG

    Besteuerungsanteil (nach dem Jahr des Rentenbeginns; z. B. bei Rentenbeginn 2017: 72 %)

    Renten aus privaten Rentenversicherungen (ohne Riester- und ohne Rürup-Renten)

    § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG

    Ertragsanteil (nach dem Alter bei Rentenbeginn,
    z. B. bei Rentenbeginn 65 Jahre: 18 %)

    Rentenzahlung aus einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds oder aus einer Direktversicherung

    § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG oder § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG i. V. m. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG

    Soweit Beiträge des Arbeitgebers in der Ansparphase steuerfrei, volle Besteuerung.

    Soweit Beiträge des Arbeitgebers in der Ansparphase steuer­pflichtiger Arbeitslohn, Besteuerung mit dem Ertragsanteil.

     

    Renten aus Zusatzversorgungseinrichtungen oder der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) bzw. Renten aus Zusatzversorgungskassen der Kommunen (ZVK) bei Angestellten im öffentlichen Dienst

    § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG oder § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG i. V. m. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG

    Riester-Rente

    § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG oder § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG i. V. m.

    § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG

    Soweit Beiträge staatlich gefördert (Zulage und/oder Sonderausgabenabzug), volle Besteuerung.

    Soweit keine Förderung (Beiträge aus versteuertem Einkommen), Besteuerung mit dem Ertragsanteil.

    Kapitalauszahlung aus einer Lebensversicherung, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurde (Altvertrag)

     

    I. d. R. steuerfrei; in Einzelfällen Besteuerung nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG a. F.

    Kapitalauszahlung aus einer Lebensversicherung, im Erlebensfall aus einem Neuvertrag (Vertragsabschluss nach dem 31.12.2004)

    § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG

    Einnahmen aus Kapitalvermögen in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen Auszahlung und Beiträgen; bei Mindestlaufzeit von zwölf Jahren und 60./62. Lebensjahr vollendet, nur halber Unterschiedsbetrag.

    Private Veräußerungsrenten

    § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG

    Besteuerung mit dem Ertragsanteil

    Abzugsfähige Werbungskosten im Rahmen der Anlage R

    [Werbungskosten → Zeilen 50–57]

    Werbungskosten in tatsächlicher Höhe

     

    Zu den als Werbungskosten im Zusammenhang mit Renteneinkünften abzugsfähigen Kosten gehören:

    • Rechts- und Rentenberatungskosten,
    • Prozesskosten im Zusammenhang mit Ansprüchen aus der Rentenversicherung,
    • Aufwendungen für (Steuer-)Literatur (z. B. Steuer- oder Rentenratgeber),
    • Fahrtkosten zur Rentenberatung und
    • Schuldzinsen für einen Kredit zur Nachentrichtung freiwilliger Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung (BFH, Urteil v. 21.7.1981, VIII R 32/80, BStBl 1982 II S. 41),
    • Gewerkschaftsbeiträge (sind bei Sozialversicherungsrentnern ebenfalls als Werbungskosten abziehbar, weil die Gewerkschaften auch deren Interessen vertreten),
    • Finanzierungskosten, die durch den Abschluss eines Vertrags über eine sofort beginnende Leibrentenversicherungsleistung gegen Zahlung eines Einmalbetrags veranlasst sind, können als Werbungskosten abziehbar sein, wenn damit zu rechnen ist (Überschussprognose), dass die Summe der Besteuerungsanteile den Finanzierungsaufwand übersteigt (BFH, Urteil v. 16.9.2004, X R 29/02, BFH/NV 2005 S. 599).

     

    Tipp: Vorweggenommene Werbungskosten
    Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Rente, die Sie im Jahr 2017 bezahlt haben, sind auch dann schon als vorweggenommene Werbungskosten abziehbar, wenn mit der Rentenzahlung erst 2018 zu rechnen ist. Die Werbungskosten führen zu negativen sonstigen Einkünften und können mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden.



    Achtung: Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung sind keine Werbungskosten
    Beiträge eines Arbeitnehmers zur gesetzlichen Rentenversicherung sind nicht als vorab entstandene Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben abziehbar (BVerfG Beschlüsse v. 14.06.2016, 2 BvR 290/10 und 2 BvR 323/10).

     

    Pauschbetrag für Werbungskosten

    Werden keine höheren tatsächlichen Werbungskosten geltend gemacht, wird bei Renten i. S. d. § 22 Nr. 1, 1a, 1b, 1c und 5 EStG ein Pauschbetrag für Werbungskosten i. H. v. 102 EUR berücksichtigt (§ 9a Nr. 3 EStG).

    Werden mehrere Renten oder Unterhaltsleistungen gezahlt, kann der Pauschbetrag insgesamt nur einmal berücksichtigt werden. Bei zusammen zur Einkommensteuer veranlagten Ehegatten erhält jeder Ehegatte mit entsprechenden Einkünften den Pauschbetrag.