Gestaltungshinweise für die Anlage Energetische Maßnahmen

Hier finden Sie detaillierte Gestaltungshinweise für die Anlage Energetische Maßnahmen Ihrer Steuererklärung. Außerdem können Sie die Anlage Energetische Maßnahmen hier als pdf herunterladen. Wir empfehlen Ihnen allerdings, die Steuererklärung mit einer professionellen Steuersoftware zu erstellen. Welche sich für Ihre Anforderungen am besten eignet, erfahren Sie in unserem Steuersoftware-Test.

 

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In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu folgenden Aspekten:

Allgemeines zur Anlage Energetische Maßnahmen

Für energetische Maßnahmen an einem im Inland oder in der EU belegenen zu eigenen Wohnzwecken genutzten eigenen Gebäude kann für die Durchführung bestimmter energetischer Maßnahmen eine Steuerermäßigung in Anspruch genommen werden. Voraussetzung ist, dass das begünstigte Objekt bei der Durchführung der energetischen Maßnahme älter als zehn Jahre ist. Die Steuerermäßigung gibt es für energetische Maßnahmen, mit deren Durchführung nach dem 31.12.2019 begonnen wurde und die vor dem 1.1.2030 abgeschlossen sind. Maßgebend sind Bauantrag oder der Beginn der Baumaßnahme, wenn ein Bauantrag nicht erforderlich ist.


Die Steuerermäßigung kann in der neuen «Anlage Energetische Maßnahmen» beantragt werden (§ 35c EStG, Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung bzw. ESanMV).

Voraussetzungen

Für energetische Maßnahmen kann der Steuerpflichtige nach § 35c EStG auf Antrag eine Steuerermäßigung erhalten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

 

  • Gebäude älter als zehn Jahre, maßgebend hierfür ist der Beginn der Herstellung.
  • Durchführung energetischer Maßnahmen i. S. d. § 35c Abs. 1 Satz 3 EStG, einschließlich der Kosten für die Bescheinigung und der Kosten für einen zugelassenen Energieberater (abschließende Aufzählung). Die Förderung kann für mehrere Einzelmaßnahmen an einem begünstigten Objekt in Anspruch genommen werden.
  • Durchführung der Maßnahmen durch einen Fachbetrieb i. S. d. § 2 ESanMV (§ 35c Abs. 1 Satz 6 EStG). Fachunternehmen i. S. d. § 35c EStG ist jedes Unternehmen, das in den in § 2 ESanMV aufgeführten Gewerken, tätig ist (z. B. Mauer- und Betonbau-, Zimmer- und Schreinerarbeiten, Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten, Dachdecker-, Sanitär-, Klempner- sowie Glasarbeiten, Heizungsbau, Elektrotechnik/-installation).
  • Nachweis durchBescheinigung (nach amtlichem Muster, → Zeile 8) durch das ausführende Fachunternehmen, aus der sich ergibt, dass alle Anforderungen aus der ESanMV dem Grunde und der Höhe nach erfüllt sind. Die Bescheinigung kann dem Steuerpflichtigen mit den notwendigen Anlagen auch in elektronischer Form übermittelt werden. Bei Wohnungseigentümergemeinschaften genügt es, wenn der Verwalter die anteiligen auf das Miteigentum entfallenden Aufwendungen nach dem Verhältnis des Miteigentumsanteils aus einer Gesamtbescheinigung aufteilt. Die Einzelheiten zum Bescheinigungsverfahren regelt ein Schreiben der Finanzverwaltung (BMF v. 31.3.2020, IV C 1 - S 2296-c/20/10003:001, BStBl 2020 I S. 484).
  • Der Steuerpflichtige hat für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten, die die förderungsfähigen energetischen Maßnahmen, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse des begünstigten Objekts ausweisen, und die in deutscher Sprache ausgefertigt ist.
  • Die Zahlung ist auf das Konto des Erbringers der Leistung unbar erfolgt.
  • Für die Aufwendungen wurden weder Betriebsausgaben oder Werbungskosten noch Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen abgezogen. Es wurde auch keine Steuerermäßigungen nach § 35a EStG (haushaltenahe Leistungen) und keine öffentlich geförderten zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse (z. B. KfW-Förderung) in Anspruch genommen (→ Zeilen 23–24).

 

[Begünstigtes Objekt → Zeilen 4–8]

Steuerbegünstigt ist ein ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutztes eigenes Gebäude. Dies gilt auch für Gebäudeteile, die selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind und Eigentumswohnungen. Die Eigennutzung muss im jeweiligen Jahr der Inanspruchnahme der Steuerermäßigung vorliegen. Unschädlich ist die Überlassung an andere Personen unentgeltlich zu Wohnzwecken. Das Gebäude muss bei Durchführung der energetischen Maßnahme älter als zehn Jahre (ab Beginn der Herstellung des Gebäudes) sein.

 

[Aufwendungen für Energetische Maßnahmen → Zeilen 9–20]

Energetische Maßnahmen sind Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen, und Geschossdecken sowie die Erneuerung der Fenster, Außentüren, Lüftungsanlage, Heizungsanlage und der Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und der Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind. Welche energetischen und technischen Mindestanforderungen bei der Sanierung der jeweiligen Bauteile erfüllt sein müssen (z. B. Einhaltung bestimmter Wärmedurchgangskoeffizienten) regeln insbesondere die Anlagen 1 bis 8 zur ESanMV.

 

Bei Einbau eines Gasbrennwertkessels mit Hybridisierung ist zu beachten, dass die Steuerermäßigung erst nach Abschluss der gesamten Maßnahme, Schlussrechnung und Nachweis der Hybridisierung (Zeile 22), möglich ist und die Aufwendungen auch in Zeile 15 enthalten sind.

Höhe der Förderung

Die Steuerermäßigung ist über drei Jahre gestaffelt.

 

1. Jahr
(Abschluss der Maßnahme)

7 % der Sanierungskosten und der Kosten der Bescheinigung

maximal 14.000 €

(7 % von max. 200.000 €)

2. Jahr

7 % der Sanierungskosten und der Kosten der Bescheinigung

maximal 14.000 €

3. Jahr

6 % der Sanierungskosten und der Kosten der Bescheinigung

Maximal 12.000 €

 

Höchstbetrag

Je Objekt können mehrere Einzelmaßnahmen gefördert werden. Als Steuerermäßigung darf je Objekt ein Förderbetrag i. H. v. 20 % der jeweiligen Aufwendungen (höchstens 200.000 €), jedoch höchstens insgesamt 40.000 € in Anspruch genommen werden.

Mehrere Beteiligte

[Einmalige Steuerermäßigung → Zeilen 23–24]

Steht das Eigentum am begünstigten Objekt mehreren Personen zu, können die Steuerermäßigungen für das begünstigte Objekt (ggf. Förderhöchstbetrag) insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden. Die der Steuerermäßigung zugrunde liegenden Aufwendungen und die Förderhöhe können einheitlich und gesondert festgestellt werden.

 

Beispiel: Energetische Maßnahme
Die Ehegatten Fink sind Eigentümer eines Zweifamilienhauses (Baujahr 1989, AK Gebäude 323.000 €). Die OG-Wohnung (80 m2) ist vermietet. Die EG-Wohnung (140 m2) nutzen die Eheleute zu eigenen Wohnzwecken. Im Juni 2020 wurde die 30 Jahre alten Heizungsanlage erneuert. Die Eheleute überweisen im Juni 2020 eine Abschlagszahlung i. H. v. brutto 12.000 € für das Material an den ausführenden Fachbetrieb. Die Schlussrechnung erhalten sie im Dezember 2020 (Rechnungsbetrag 20.200 € zzgl. 3.838 € USt). In der Rechnung waren u. a. 6.450 € Arbeitslohn zzgl. USt und 250 € Fahrtkostenpauschale zzgl. USt ausgewiesen. Nach Abzug der Abschlagszahlung überwiesen die Ehegatten im Januar 2021 den verbleibenden Betrag i. H. v. 12.038 €.

Der Rechnung war eine nach amtlich vorgeschrieben Muster ausgefertigte Bescheinigung der ausführenden Fachfirma beigefügt.

 

Obergeschoss

Die Aufwendungen stellen WK bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig.

2020: Abschlagszahlung           80/220 von 12.000 € = 4.364 € WK

2021: Schlusszahlung               80/220 von 12.038 € = 4.378 € WK

 

Erdgeschoss

Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen

Alle Voraussetzungen sind erfüllt. Begünstigte Aufwendungen, soweit sie auf das Erdgeschoss entfallen: 24.038 €, davon 140/220 = 15.297 €

Förderung (Abschluss Maßnahme 2020):

 

Förderjahr

Förderbetrag

Höchstbetrag

Steuerermäßigung
§ 35c EStG

2020

7 % von 15.297 € = 1.071 €

14.000 €

1.071 €

2021

7 % von 15.297 € = 1.071 €

14.000 €

1.071 €

2022

6 % von 15.297 € = 918 €

12.000 €

918 €

 

Kosten des Energieberaters

Die Aufwendungen für einen BAFA-zertifizierten Energieberater können mit 50 % der Aufwendungen als Steuerermäßigung berücksichtigt werden. Hierzu muss der Energieberater allerdings mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahmen beauftragt worden sein. Die Aufwendungen (Material- oder Personalkosten) für den Energieberater sind nicht prozentual über drei Jahre aufzuteilen, sondern können im Jahr der Entstehung abgezogen werden. Sie sind in die absolute Förderungshöchstgrenze von 40.000 € je Objekt einzubeziehen.