Welche Fristen muss ich bei der Abgabe meiner Steuererklärung einhalten?

Achten Sie auf die Fristen für Ihre Steuererklärung.

Wie lange Sie für die Abgabe Ihrer Steuererklärung Zeit haben, hängt davon ab, ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind (pflichtveranlagt) oder die Steuererklärung freiwillig abgeben (Antragsveranlagung). Wer welche Abgabefrist bei der Steuererklärung einhalten muss, erfahren Sie hier. Außerdem haben wir ein paar weitere Fristen für Sie zusammengestellt. Wie lange Sie beispielsweise Zeit für einen Widerspruch haben und wie lange Sie eine Verlängerung der Abgabefrist beantragen können.

 

In diesem Artikel erfahren Sie:

 

1. Bis wann Sie bei der Pflichtveranlagung eine Steuererklärung abgeben müssen,

2. welche Abgabefrist bei einer freiwilligen Einkommensteuererklärung gilt und

3. welche Fristen Sie beim Einspruch gegen einen Steuerbescheid beachten müssen.  

Abgabefrist der Steuererklärung: Vorweg

Die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind, oder sie freiwillig erstellen. Deswegen sollten Sie vorweg klären, in welche Gruppe Sie fallen. Arbeitnehmer ohne Nebeneinkünfte, sind in der Regel nicht verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben. Pflichtveranlagt werden Sie jedoch schnell, wenn sich etwas an Ihrer Lebenssituation ändert. Wenn Sie beispielsweise weitere Einkünfte neben Ihrem Gehalt haben (das können Lohnersatzleistungen wie Elterngeld sein, aber auch Einnahmen aus Kapitalerträgen oder Vermietung). Auch wenn Sie neu heiraten, oder Sie oder Ihre Partner die Lohnsteuerklasse V oder VI haben, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Eine detaillierte Auflistung der Kriterien für ein Pflichtveranlagung, finden Sie hier.

 

 

Pflichtveranlagung: Diese Fristen müssen Sie bei der Einkommensteuererklärung einhalten

Fall1: Sie sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet.

Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, erwartet das Finanzamt derzeit noch bis zum 31. Mai des Folgejahrs die Abgabe Ihrer Einkommensteuererklärung. Fällt der 31. Mai auf einen Sonn- oder Feiertag, muss die Steuererklärung spätestens am folgenden Werktag beim Finanzamt sein. 

Merken Sie, dass Sie die Abgabefrist nicht einhalten können, ist es in der Regel allerdings kein Problem, mit einer plausiblen Begründung (Arbeitsüberlastung, Krankheit, fehlende Steuerbelege etc.) eine Verlängerung der Frist um 4-6 Wochen oder direkt bis zum 30. September zu erreichen. Wenn Sie sich von einem Steuerberater unterstützen lassen, verlängert sich die Frist durch den erhöhten Verwaltungsaufwand automatisch bis zum 31. Dezember.

 

Bundestag und Bundesrat haben allerdings im Juni 2016 ein Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens beschlossen, in dem unter anderem die Abgabefristen geändert werden. Demnach gilt ab dem Steuerjahr 2018 der 31. Juli des Folgejahres als spätester Abgabetermin bei Pflichtveranlagung. Außerdem wird die Regelung der Verspätungszuschläge verschärft. Details zu den Änderungen erfahren Sie hier.

 

Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, und dennoch keine Steuererklärung abgeben (z.B. aus Unwissenheit), fällt dies im Finanzamt nicht immer sofort auf.

 

Aber Achtung: Bei Personen, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, gibt es eine siebenjährige Frist, innerhalb der das Finanzamt die Steuererklärung nachfordern kann. Das Finanzamt könnte Sie also im Jahr 2016 noch dazu auffordern, ihre versehentlich noch nicht eingereichte Steuererklärung des Jahres 2009 abzugeben; falls Ihnen dann die Belege fehlen, kann das Finanzamt die Steuer schätzen.

 

Achtung: Zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung sind Sie unter anderem dann verpflichtet, wenn sie außer Arbeitslohn Nebeneinkünfte von mehr als 410 EUR beziehen (z.B. aus Vermietung, Rente, selbstständiger Tätigkeit, oder aber wenn Sie einen Lohnsteuerfreibetrag im Lohnsteuerermäßigungsverfahren beantragt haben). Eine detailliere Übersicht über die Gründe für die Pflichtveranlagung einer Steuererklärung finden Sie im Artikel Wer muss eine Steuererklärung abgeben.

Egal, ob Sie freiwillig eine Steuererklärung abgeben oder dazu verpflichtet sind: Nutzen Sie auf jeden Fall eine Steuersoftware, denn damit bekommen Sie in der Regel doppelt so viel Geld vom Finanzamt zurück. Hier geht es zu dem umfassenden

 

Steuersoftware-Test

Antragsveranlagung: Diese Fristen gelten bei der Abgabe einer freiwilligen Einkommensteuererklärung

Wenn Sie nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, haben Sie 4 Jahre Zeit, sich zu viel gezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurückzuholen. Geht die freiwillige Steuererklärung nicht innerhalb von 4 Jahren nach Ablauf des Steuerjahrs beim Finanzamt ein, tritt die Festsetzungsverjährung ein und das Finanzamt bearbeitet die Steuererklärung nicht mehr.

 

Tipp: Diese Frist sollten Sie keinesfalls versäumen! Gerade dann, wenn Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, sollten Sie eine Steuererklärung abgeben. Der Grund: In 9 von 10 Fällen erhalten Arbeitnehmer mit der Antragsveranlagung Geld zurück. Und: Eine Steuernachzahlung ist ausgeschlossen. Im schlechtesten Fall haben Sie sich die Mühe umsonst gemacht, aber das kommt selten vor. 

 

Fristen zur Abgabe der Steuererklärung auf einen Blick

Hier sehen Sie die Fristen, die für die Abgabe der Steuererklärung gelten, je nachdem ob Sie pflichtveranlagt sind, oder sie freiwillig abgeben und bis wann Sie Verlängerungen beantragen können:

 

 

Diese Frist gilt für den Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid

Bis wann Sie die Steuererklärung abgeben müssen bzw. welche Fristen für die Abgabe der Steuererklärung gelten ist unterschiedlich, je nachdem ob Sie zur Abgabe verpflichtet sind oder nicht. Wenn Sie allerdings einen Fehler in Ihrem Steuerbescheid entdecken, gibt es keine Unterschiede mehr: In diesem Fall haben Sie einen Monat Zeit, Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen.

Die Einspruchsfrist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem Sie den Steuerbescheid erhalten. Da sich das bei einem normalen Brief in der Regel nicht nachprüfen lässt, macht man Gebrauch von der sogenannten Zugangsfiktion. Diese geht davon aus, dass der Brief drei Tage nach Übergabe an die Post bei Ihnen eintrifft. Wann das Finanzamt den Brief auf den Weg geschickt hat, erkennen Sie am Stempel des Amts. Die Einspruchsfrist läuft ab dem dritten Tag nach dem Stempel-Datum einen Monat. Fällt das Ende der Frist auf einen Sonntag, endet sie erst mit Ablauf des nächsten Werktags. Wann und wie Sie Einspruch einlegen können oder sollten, lesen Sie hier