Riester-Rente: Lohnt sich ein Riester-Vertrag für mich?

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der Altersvorsorge. Einen Vertrag für die Riester-Rente können Sie sowohl privat als auch über Ihren Arbeitgeber (als betriebliche Altersvorsorge) abschließen. Die staatlichen Zulagen sind in beiden Fällen identisch.

 

Die Riester-Rente dient dem Aufbau einer kapitalgedeckten privaten oder betrieblichen Altersvorsorge auf freiwilliger Basis. Sie kann als Alters-, Hinterbliebenen- oder Erwerbsminderungsrente ausgestaltet sein und ist nur möglich bei Sparformen, die vorher durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geprüft und genehmigt wurden. Einen Riester-Vertrag können Sie sowohl privat als auch über Ihren Arbeitgeber abschließen, die Verträge unterscheiden sich lediglich bei der Belastung durch Sozialabgaben. Im Gegensatz zur Rürup-Rente ist bei der Riester-Rente auch eine spätere Rente an Erben (in Form einer Hinterbliebenenrente) garantiert.

 

Wer hat Anspruch auf die Riester-Rente?

Einen Vertrag zur Riester-Rente können alle Personen abschließen, die Pflichtversicherte in der inländischen gesetzlichen Rentenversicherung oder Empfänger von inländischer Besoldung sind, sowie alle diesen gleichgestellte Personen. Damit sind auch Personen zulageberechtigt, die ihren Wohnsitz in der EU haben.

 

Unmittelbar Anspruchsberechtigte sind:

 

  • Rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer (auch in Elternzeit oder Grenzgänger)
  • Rentenversicherungspflichtige Selbstständige (z. B. Handwerker, versicherte Künstler) und Landwirte
  • Beamte, Richter, Soldaten, beurlaubte Beamte
  • Kindererziehende bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes
  • Bezieher von Arbeitslosengeld I oder Hartz IV  und Arbeitslose, die wegen höherer Einkünfte oder Vermögen keine Leistungen nach dem SGB erhalten
  • Erwerbsunfähigkeitsrentner
  • Auszubildende
  • Personen, die einen Freiwilligendienst ableisten, Helfer im sozialen Jahr
  • Geringfügig Beschäftigte, die den pauschalen Arbeitgeberbeitrag aufstocken

 

 

    Achtung: Ausgenommen sind
    -  geringfügig Beschäftigte, die nicht aufstocken,
    -  geringfügig selbstständig Tätige ohne Rentenversicherungspflicht (z. B. Studenten),
    -  selbstständige Freiberufler (auch Pflichtversicherte in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung) und Gewerbetreibende.

 

Zusammenlebende Ehegatten/Lebenspartner, die selbst nicht zum begünstigten Personenkreis gehören, können in die mittelbare Zulagenförderung einbezogen werden, wenn sie einen eigenen Altersvorsorgevertrag abschließen (auch bei Ehegatten/Lebenspartnern im EU-Ausland).

 

Tipp: Weitere Informationen zu steuerlichen Aspekten der Altersvorsorge finden Sie in unseren Gestaltungshinweisen zur Anlage AV sowie in der Ausfüllhilfe Anlage AV.

 

Welche Vorteile bietet mir die Riester-Rente?

Das Gesetz sieht für zertifizierte Riester-Verträge zwei mögliche Förderungsbausteine vor:
entweder die Altersvorsorgezulage oder den Sonderausgabenabzug.

 

Die staatliche Förderung durch die Altersvorsorgezulage erfolgt durch die Zahlung einer Grundzulage (154 EUR pro Jahr) und einer Kinderzulage. Förderberechtigte, die zu Beginn des Beitragsjahres das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erhalten außerdem einmalig einen Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 EUR. Im Fall der Zusammenveranlagung von Ehegatten/Lebenspartnern steht die Grundzulage jedem Partner zu, wenn beide einen eigenen Vertrag haben. Die Kinderzulage beträgt 185 EUR je Kind und Jahr. Für Kinder, die ab Januar 2008 geboren wurden (Kindergeld für mind. 1 Monat), erhöht sich die Kinderzulage auf 300 EUR pro Jahr. Die Altersvorsorgezulage wird nicht ausgezahlt, sondern fließt in den Altersvorsorgevertrag.

 

Mindesteigenbeitrag: Voraussetzung für die Altersvorsorgezulage ist, dass Sie einen Mindesteigenbeitrag leisten. Dieser beträgt 4 % der im Vorjahr erzielten sozialversicherungspflichtigen Einnahmen (abzüglich der Grund- und Kinderzulage), maximal aber 2.100 EUR. Leisten Sie diesen Mindestbeitrag nicht, wird die Zulage entsprechend gekürzt. Außerdem darf der Mindesteigenbeitrag nicht unter den Sockelbetrag von 60 EUR pro Jahr fallen.

 

Tipp: Lesen Sie auch unsere Gestaltungshinweise zur Anlage R und werfen Sie einen Blick in unsere Ausfüllhilfe für die Anlage R.

 

Achtung: Mittelbar zulageberechtigte Personen müssen auch einen Mindesteigenbeitrag von 60 EUR zahlen. Damit wird sichergestellt, dass bei einem schleichenden Übergang von der mittelbaren zur unmittelbaren Berechtigung (z. B. Rentenversicherungspflicht wegen Kindererziehung in den ersten 3 Lebensjahren) die Rückforderung von Zulagen vermieden wird.

 

Praxisbeispiel: Peter Frey ist Beamter, seine Frau ist Hausfrau, sie haben zwei Kinder, eines davon wurde vor 2008 geboren. Er beantragt Altersvorsorgezulage für 2016. Sein Jahreseinkommen betrug im Vorjahr (2015) 50.000 EUR. Die Ehefrau hat einen eigenen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen. Die Beiträge zahlt der Ehemann. Um die volle Altersvorsorgezulage zu erhalten, müssen mindestens gezahlt werden:

 

Mindesteigenbetrag Ehemann
50.000 EUR × 4 % =2.000 EUR
- Grundzulage Ehemann154 EUR
- Grundzulage Ehefrau154 EUR
- Kinderzulage 1185 EUR
- Kinderzulage 2300 EUR
1.207 EUR
Mindesteigenbetrag Ehefrau60 EUR

 

Der Antrag für die Altersvorsorgezulage ist über den Anbieter (schriftliche Vollmacht bis auf Widerruf) auf einem amtlichen Vordruck bei der Zentralstelle für Altersvorsorge (ZfA) zu stellen.

 

Anstelle der Altersvorsorgezulage kann für die geleisteten Beiträge ein Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 EUR geltend gemacht werden, wenn dieser günstiger ist. Dazu muss der Steuererklärung die Anlage AV (Altersvorsorge) beigefügt werden. Bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten/Lebenspartnern, die beide zum unmittelbar begünstigten Personenkreis gehören, steht der Sonderausgabenabzug jedem Ehepartner/Lebenspartner gesondert zu. Für den nur mittelbar begünstigten Ehepartner/Lebenspartner können dessen Beiträge dann berücksichtigt werden, wenn der Sonderausgaben-Höchstbetrag durch den unmittelbar begünstigten Ehegatten/Lebenspartner noch nicht ausgeschöpft ist. Führt die maschinell durchgeführte Günstigerprüfung beim Finanzamt zum Ergebnis, dass der Sonderausgabenabzug günstiger ist, wird die über den Zulageanspruch hinausgehende Steuerermäßigung dem Steuerpflichtigen im Rahmen des Einkommensteuerbescheids ausbezahlt. Das Finanzamt stellt diese Steuerermäßigung im Einkommensteuerbescheid gesondert fest und teilt sie der ZfA mit.

 

Voraussetzung für die Zahlung der Altersvorsorgezulage und den Sonderausgabenabzug ist, dass Sie der elektronischen Datenübermittlung an die ZfA zugestimmt haben.

 

Übertragung, Auszahlung und Besteuerung von Riester-Verträgen

Übertragungen von Altersvorsorgevermögen (Riester-Vertrag) auf einen anderen (auf den Namen des Steuerpflichtigen lautenden) Altersvorsorgevertrag, sind steuerfrei. Auch die Übertragung  im Falle des Todes auf einen auf den Namen des Ehegatten lautenden Altersvorsorgevertrag ist steuerfrei.

 

Wenn allerdings das angesparte Altersvorsorgevermögen nicht als Leibrente, im Rahmen eines Auszahlungsplans oder zur Verwendung für eine selbst genutzte Wohnung, sondern beispielsweise in einem Einmalbetrag ausgezahlt wird, müssen alle Zulagen und evtl. Steuervorteile aus dem Sonderausgabenabzug zurückgezahlt werden. Unschädlich ist lediglich eine Teilauszahlung bis max. 30 % bei Rentenbeginn bzw. eine Auszahlung zur Abfindung einer Kleinbetragsrente oder die Zusammenfassung von 12 Monatsbeträgen.

 

Hinweis: Im Fall einer schädlichen Verwendung werden die Altersvorsorgezulagen sowie die gesondert festgestellten Steuervorteile aus dem Sonderausgabenabzug zurückgefordert. Außerdem sind die im ausgezahlten Kapital enthaltenen Erträge und Wertsteigerungen zu versteuern.

 

Was muss ich bei der Verwendung des Riester-Vertrags für Wohneigentum (Wohn-Riester) beachten?

Die Riester-Förderung ist auch für eine selbst genutzte Wohnung (Hauptwohnsitz im Inland oder EU-/EWR-Ausland möglich. Gefördert werden die Verwendung von bereits angespartem Kapital (Altersvorsorge-Eigenheimbetrag) oder die Tilgungsleistungen für Darlehen.

 

Der Altersvorsorge-Eigenheimbetrag ist die steuerunschädliche Entnahme von bereits angespartem Guthaben während der Ansparphase aus einem bestehenden staatlich geförderten Riester-Vertrag zur Finanzierung bzw. für die Entschuldung oder Umschuldung einer selbst genutzten Wohnung. Eine Rückzahlungsverpflichtung besteht nicht. Auch bestimmte Umbauten (Modernisierungsaufwendungen) werden in die Eigenheimrenten-Förderung einbezogen.  Unterschiedliche Mindestentnahmebeträge sind dabei zu beachten. Begünstigt sind auch Tilgungsleistungen für ein zertifiziertes Darlehen, das unmittelbar für wohnungswirtschaftliche Zwecke verwendet wird.

 

Der Altersvorsorge-Eigenheimbetrag (ausgezahltes Kapital) sowie die geförderten Tilgungsbeträge und die hierfür gewährten Zulagen werden in einem sog. Wohnförderkonto erfasst. Der im Wohnförderkonto eingestellte Betrag wird  jährlich um 2 % erhöht. Zu Beginn der Auszahlungsphase (zwischen der Vollendung des 60. und des 68. Lebensjahrs) wird das Wohnförderkonto als fiktives Einkommen versteuert. Dabei kann der Zulageberechtigte zwischen einer Einmalbesteuerung (hier wird vom Stand des Wohnförderkontos ein Abschlag von 30 % (Bonus) vorgenommen) und der jährlichen nachgelagerten Besteuerung bis zum 85. Lebensjahr wählen. In der Regel ist die jährlich fortlaufende Zahlung der Steuer wegen der Progression dabei günstiger als die Einmalbesteuerung.

 

Die Unterschiede zwischen Riester- und Rürup-Rente auf einen Blick

Hinweis: Es gibt eine sehr große Zahl verschiedener Vertragsmodelle am Markt. Die folgende Übersicht kann deshalb nur eine grobe Orientierung bieten.

 

KriteriumRiester-Rente Rürup-Rente
Art der Rente Kapitalgedeckte private oder betriebliche Altersvorsorge Kapitalgedeckte private Basisrente

Form
Private bzw. fondsgebundene Rentenversicherung, Banksparplan mit Umwandlung in Rentenversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung Private Rentenversicherung, fondsgebundene Rentenversicherung
Begünstigter PersonenkreisPflichtversicherte in der inländischen Rentenversicherung oder Bezieher einer inländischen Besoldung Freiberufler, Gewerbetreibende, Beamte, Besserverdienende
Nicht begünstigter Personenkreis Minijobber mit nur pauschaler Rentenversicherung 
Voraussetzungen Zertifizierter Vertrag, elektronische Datenübermittlung an die ZfA, lebenslange Rentenzahlungen, Mindesteigenbeitrag, Leistungen frühestens ab Vollendung des 62./60. Lebensjahrs Zertifizierter Vertrag, elektronische Datenübermittlung an die ZfA, lebenslange Rentenzahlungen, kein Mindesteigenbeitrag, Leistungen frühestens ab dem 62. Lebensjahr, Ansprüche nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar, nicht kündbar
KapitalwahlrechtGrundsätzlich kein Kapitalwahlrecht; Kapitalauszahlung für selbst genutzte Immobilie oder bei Rentenbeginn bis 30 % bzw. Abfindung einer Kleinbetragsrente möglich. Grundsätzlich kein Kapitalwahlrecht.  Abfindung einer Kleinbetragsrente möglich.
Zusätzliche Absicherung möglich?Invaliden- (Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung) und Hinterbliebenenrente möglich Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsversicherung und Hinterbliebenenversorgung möglich 
Art der Förderung Altersvorsorgezulage oder Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG (Anlage AV) Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 3 EStG gestaffelt von
2005: 60 % bis 2025: 100 % bis zum Höchstbetrag
Jährliche Auszahlung der Förderung Altersvorsorgezulage: wird dem Vertrag gutgeschrieben; übersteigender Sonderausgabenabzug: SteuererstattungSteuererstattung
Kündigungs- und RuhemöglichkeitJaNein
Beleihbarkeit, vorzeitiger Zugriff Nein, aber Entnahme zur Herstellung oder zum Erwerb einer eigengenutzten Wohnung (Wohn-Riester)Nein
Schädliche Verwendung Beleihung des eingezahlten Kapitals; vorzeitige Kündigung; Kapitalauszahlung bei Rentenbeginn >30 %; dauerhafter Wegzug ins EU-Ausland
Folgen der schädlichen VerwendungRückzahlung der Zulagen und Steuervorteile
Besteuerung der Rentenbezüge   In voller Höhe (auch bei schädlicher Verwendung),  soweit Rente aus geförderten Beiträgen Wie Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung  je nach Rentenbeginn 50-100 %
TodesfallEhepartner kann Zulage und Kapital des Verstorbenen auf eigenen Riester-Vertrag übernehmen Angespartes Kapital verfällt, außer bei vereinbarter Hinterbliebenenversorgung 
Bevorzugter Anlegerkreis Kinderreiche Geringverdiener (Zulage), Besserverdienende (Sonderausgaben)Selbstständige mit hoher steuerlicher Belastung, Beamte und Vergleichbare

 

 

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