Photovoltaik und Steuer: Das sollten Sie beim Betrieb einer PV-Anlage beachten

Von steuern.de-Redaktion

 

Wenn Sie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Ihres Eigenheims betreiben und den gewonnenen Strom gegen Vergütung ins Netz eines Stromanbieters einspeisen, sind Sie in den Augen des Finanzamts ein gewerblich tätiger Unternehmer - mit allen steuerlichen Rechten und Pflichten.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie:

 

Die steuerliche Erfassung der Photovoltaikanlage macht Sie zum Unternehmer

Lassen Sie sich auf dem Dach Ihres Eigenheims eine Photovoltaikanlage installieren und erzielen aus der Einspeisung des Stroms ins Netz eines Stromanbieters Vergütungen, sind Sie aus steuerlicher Sicht ein gewerblicher Unternehmer. Folgen: Sie müssen ihren Gewinn oder Verlust aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage in der Anlage EÜR zur Einkommensteuer ermitteln und eine Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt einreichen. Als Unternehmer sind Sie dazu verpflichtet, die Steuererklärungen in elektronischer Form ans Finanzamt zu übermitteln.

 

Praxis-Tipp:
Haben Sie weder Internetanschluss, noch einen PC und auch keinen Steuerberater, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Befreiung von der elektronischen Übermittlung der Steuererklärungen nach § 150 Abs. 8 Abgabenordnung stellen. Zum Thema „Photovoltaik und Steuern““ genügt es dann, Papiererklärungen beim Finanzamt einzureichen.

 

PV-Anlage: Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen?

Dass Sie durch das Betreiben einer Photovoltaikanlage steuerlich zum Unternehmer werden, merken Sie auch daran, dass Ihnen das Finanzamt einen Fragebogen für Existenzgründer zuschickt. Hier müssen Sie vor allem eine Aussage dazu treffen, ob Sie sich umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer einstufen lassen möchten oder ob Sie - wie die meisten Unternehmer - Umsatzsteuer in Rechnung stellen wollen. Beim Kauf einer Photovoltaikanlage empfiehlt es sich stets, sich nicht als Kleinunternehmer einstufen zu lassen.

 

Der Grund: Dem Vorteil, keine Umsatzsteuer ausweisen zu müssen, steht bei der Kleinunternehmerregelung der Nachteil gegenüber, keine Vorsteuern geltend machen zu können. Gerade im Jahr des Kaufs dürfte die Registrierung als Kleinunternehmer bei der Umsatzsteuer nicht vorteilhaft sein. Denn in diesem Fall würden Sie den Anspruch auf Vorsteuererstattung aus dem Kauf der Photovoltaikanlage verlieren, der bei der Steuer insbesondere bei teuren Photovoltaikanlagen sehr hoch ausfallen würde.

 

Beispiel: Frau Huber erwirbt eine Photovoltaikanlage für 20.000 EUR zzgl. 3.800 EUR Umsatzsteuer. Je nachdem, ob sie sich als Kleinunternehmer beim Finanzamt erfassen lässt oder nicht, hat das auf den Vorsteuerabzug in Höhe von 3.800 EUR folgende Auswirkung:

 

 KleinunternehmerUnternehmer
Finanzamt erstattet Vorsteuern
in Höhe von
0 EUR3.800 EUR

 

Achtung:
Obwohl Sie nur eine Photovoltaikanlage betreiben, gelten sämtliche Rechte und Pflichten zur Gewinnermittlung und Umsatzsteuer, die auch Fabrikanten oder Händler haben. Es gibt keine Ausnahmen für Sie.

Wie ermittle ich den zu versteuernden Gewinn meiner Photovoltaikanlage?

Als Unternehmer sind Sie dazu verpflichtet, den Gewinn für das Betreiben Ihrer Photovoltaikanlage durch Abzug der Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen zu ermitteln, und dem Finanzamt das Ergebnis im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung (auszufüllen in der "Anlage G" für gewerbliche Einkünfte) elektronisch zu übermitteln. Den zu versteuernden Gewinn ermitteln Sie folgendermaßen:

 

 Betriebseinnahmen (Vergütung durch Stromanbieter für gelieferten Strom + Betrag für selbst verbrauchten Strom (= Eigenverbrauch) inklusive Umsatzsteuer...... EUR
-Betriebsausgaben (z.B. Abschreibung des Kaufpreises der Photovoltaikanlage verteilt auf 20 Jahre, Zinsen für Kredit, Reparatur- oder Wartungskosten, Versicherung etc.) inklusive Umsatzsteuer...... EUR
=Zu versteuernder Gewinn oder evtl. mit anderen Einkünften zu verrechnender Verlust.......EUR

 

Praxis-Tipp: Zwar müssen Unternehmer mit Gewinneinkünften seit 2011 zwingend eine elektronische Steuererklärung ans Finanzamt übermitteln. Wer jedoch alters- oder infrastrukturbedingt (kein Laptop, kein Internetzugang) nicht elektronisch übermitteln kann, wird in aller Regel vom Finanzamt befreit (Härtefallantrag) und kann seine Steuererklärungen weiterhin in Papierform beim Finanzamt einreichen.

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Wie ermittele ich den zu versteuernden Eigenverbrauch meiner Photovoltaikanlage?

Neben den Einnahmen aus der Einspeisevergütung müssen Sie auch den selbst verbrauchten Strom Ihrer Photovoltaikanlage als Betriebseinnahme erfassen und versteuern. Im Fachjargon spricht man von Eigenverbrauch. Die Verwendung des Stroms für private Zwecke ist im steuerlichen Sinn eine Entnahme von Betriebsvermögen bzw. Betriebsmitteln zu Privatzwecken, die bei der Gewinnermittlung zu berücksichtigen ist. Zur Ermittlung dieses Teilwerts haben Sie als Betreiber einer Fotovoltaikanlage mehrere Möglichkeiten:

 

Möglichkeit 1: Pauschale Ermittlung

 

Die Finanzämter erlauben es, dass Sie für den Eigenverbrauch pauschal 20 Cent je Kilowattstunde (kWh) bei der Gewinnermittlung als Betriebseinnahme ansetzen.

 

Beispiel: Eigenverbrauch von 1.500 kWh x 0,20 EUR/kWh = 300 EUR zu versteuernder Eigenverbrauch

 

Möglichkeit 2: Wiederbeschaffungswert ansetzen

 

Da der pauschale Ansatz von 20 Cent je Kilowattstunde für den Eigenverbrauch in der Gewinnermittlung für die Fotovoltaikanlage nicht unbedingt der günstigste Weg ist, kann der zu versteuernde Eigenverbrauch auch anhand der Wiederbeschaffungskosten ermittelt werden. Das ist der Preis, den Sie bezahlen müssen, wenn Sie aus dem Netz des Energieversorgers Strom beziehen.

 

Beispiel: Netzbetreiber verlangt 0,17 EUR/kWh; Eigenverbrauch 1.500 kWh x 0,17 EUR/kWh = zu versteuernder Eigenverbrauch 255 EUR.

 

Möglichkeit 3: Eigenverbrauch auf Grundlage der Herstellungskosten

 

Die Finanzverwaltung lässt die Ermittlung des Eigenverbrauchs bei einer PHotovoltaikanlage auch nach den Herstellungskosten zu. Dazu sind die Betriebsausgaben inklusive Abschreibung und Zinsen bei Finanzierung zu ermitteln und der prozentuale Anteil des Eigenverbrauchs.

 

Beispiel: Betriebsausgaben (Abschreibung 800 EUR, Zinsen 250 EUR, sonstige Ausgaben 400 EUR = gesamte Betriebsausgaben 1.450 EUR) mal Eigenverbrauch (15 %) = zu versteuernder Eigenverbrauch 217,50 EUR.

 

Wie ermittle ich den Eigenverbrauch umsatzsteuerlich?

Als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer müssen Sie entweder eine Rechnung mit 19 % Umsatzsteuer ausstellen oder Sie erhalten Gutschriften vom Stromanbieter mit 19 % Umsatzsteuer. Zusätzlich zu diesen Vergütungen müssen Sie gegebenenfalls auch Umsatzsteuer für den selbst verbrauchten Strom abführen. Ob umsatzsteuerlich ein Eigenverbrauch zu versteuern ist, hängt davon ab, ob Sie die Photovoltaikanlage vor dem 31.3.2012 oder erst danach in Betrieb genommen haben. Zum Eigenverbrauch gelten folgende Grundsätze bei der Umsatzsteuer:

 

  • Inbetriebnahme der Anlage bis 31.3.2012: Wer seine Photovoltaikanlage bis zum 31.3.2012 in Betrieb genommen hat, bekommt vom Stromanbieter auch den selbst verbrauchten Strom vergütet. Der Eigenverbrauch stellt eine Rücklieferung dar, über die Ihnen der Strombetreiber eine Rechnung stellt. Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch wird hier umsatzsteuerlich nicht mehr fällig.
  • Inbetriebnahme der Anlage nach dem 31.3.2012: Wurde die Photovoltaikanlage erst nach dem 31.3.2012 in Betrieb genommen, wird der Eigenverbrauch nicht mehr vergütet und vom Stromanbieter in Rechnung gestellt. Sie müssen deshalb Umsatzsteuer für den selbst verbrauchten Strom ans Finanzamt abführen.

 

Beispiel: Sie nehmen eine Photovoltaikanlage am 1.10.2014 in Betrieb. Die Vergütung beträgt 750 EUR zzgl. 142,50 EUR Umsatzsteuer. Der privat verbrauchte Strom - nicht vergütet - beträgt 10 % der Stromerzeugung. Die Selbstkosten betragen 720 EUR (Abschreibung der Anlage 500 EUR, Schuldzinsen für Fremdfinanzierung 200 EUR und sonstige Kosten 20 EUR).

 

Ermittlung der Umsatzsteuer für den Eigenverbrauch

 

Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuer
(Selbstkosten 720 EUR x 10 % Privatverbrauch)
72 EUR
Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch 10 %13,68 EUR

 

Umsatzsteuerliche Behandlung von Photovoltaikanlagen
Die OFD Karlsruhe hat umfassend zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Photovoltaikanlagen Stellung genommen (OFD Karlsruhe, Vfg. vom 13.8.2019,  S 7104). Die OFD beschäftigt sich in der Verfügung mit diversen im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen aufkommenden umsatzsteuerlichen Fragestellungen.

 

 

Frührentner: Photovoltaik und die Hinzuverdienstgrenze

Frührentner mussten bei Installation einer Photovoltaikanlage in der Vergangenheit nicht nur an die Steuer denken, sondern auch an mögliche Rentenkürzungen. Denn bei Frührentnern gibt es so genannte Hinzuverdienstgrenzen. Werden diese überschritten, droht die anteilige Kürzung der Frührente.

 

In den Jahren bis einschließlich 2019 müssten Frührentner mit einer Rentenkürzung rechnen, wenn durch den Betrieb einer Photovoltaik Einkünfte von mehr als 6.300 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Doch aufgrund der Corona-Krise können sich Frührentner ab dem Jahr 2020 entspannt zurücklehnen. Das Thema Photovoltaik ist für sie nur noch bei der Steuer wichtig. Denn die Hinzuverdienstgrenzen sind 2020 und 2021 so hoch, dass bei Betrieb einer Photovoltaikanlage im Normalfall keine Rentenkürzungen mehr gefürchtet werden müssen.

 

Die Hinzuverdienstgrenzen betragen für diese Jahre

  • 2020: 44.590 Euro
  • 2021: 46.060 Euro

 

Der so genannte Hinzuverdienstdeckel ist für die Kalenderjahre 2020 und 2021 nicht anzuwenden (§ 34 Abs. 8 SGB VI in Verbindung mit § 302 Abs. 8 SGB VI).

Steuerliche Besonderheiten der Photovoltaikanlage auf einen Blick

Im Zusammenhang mit einer Photovoltaikanlage sind folgende steuerliche Besonderheiten zu beachten:

 

  • Der Kaufpreis der Photovoltaikanlage ist grundsätzlich auf 20 Jahre verteilt abzuschreiben.
  • Kaufen Sie eine Immobilie mit bereits vorhandener Photovoltaikanlage, dann gilt grunderwerbsteuerlich Folgendes: Bei Anlagen, die auf dem Dach montiert sind, fällt keine Grunderwerbsteuer für den Kaufpreis der Anlage an. Bei Photovoltaikanlagen, die ins Dach integriert sind, wird auch für den Kaufpreis der Anlage Grunderwerbsteuer fällig.
  • Staatliche Zuschüsse zum Kauf der Anlage können entweder als Betriebseinnahme erfasst werden, oder Sie kürzen den Kaufpreis der Anlage entsprechend und schreiben nur den geminderten Betrag steuerlich ab.