Kapitalerträge: Diese Grundregeln gelten für die Besteuerung von Kapitaleinkünften

In fast allen europäischen Staaten unterliegen Kapitalerträge der Einkommensteuer. Durch die Abgeltungssteuer unterliegen die meisten Kapitaleinkünfte nicht mehr der Regelbesteuerung. Es gilt aber vieles zu beachten. Wichtig sind unter anderem die Stichwörter "Sparerpauschbetrag" und "Freistellungsauftrag". Hier lesen Sie, welche Regeln es für die Besteuerung von Kapitalerträgen in Deutschland gibt.

 

Kapitalerträge im Privatvermögen

Kapitalerträge von Privatpersonen unterliegen nicht mehr dem normalen (progressiven) Einkommensteuertarif. Stattdessen muss z. B. die auszahlende Bank eine 25%ige Abgeltungsteuer einbehalten. Mit dieser ist die Steuerschuld des Anlegers pauschal abgegolten. Die Anrechnung der einbehaltenen Steuerbeträge im Rahmen der Veranlagung entfällt. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen die Erträge im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung zu erfassen sind.


Teilweise Abschaffung der Abgeltungsteuer
Der Koalitionsvertrag vom 7.2.2018 sieht vor, dass die Abgeltungsteuer auf Zinserträge abgeschafft werden soll. Verbunden werden soll dieses mit der Einführung eines automatischen Informationsaustausches. Weitere Informationen zum genauen Vorhaben oder Termin liegen noch nicht vor.

 

 Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch in unseren Gestaltungshinweisen Anlage KAP und in unserer Ausfüllhilfe Anlage KAP.

 

Einnahmen im Betriebsvermögen

Die Erträge werden im Rahmen der Gewinnermittlung erfasst und unterliegen somit der normalen Versteuerung (Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer). Nach dem "Teileinkünfteverfahren" sind Dividenden und ähnliche Erträge zu 60 % steuerpflichtig. Es erfolgt eine Anrechnung der einbehaltenen Steuerbeträge. Außerdem sind Betriebsausgaben, die mit den Einnahmen in Zusammenhang stehen, als Betriebsausgaben in dem Verhältnis abzugsfähig, in dem sie steuerpflichtig sind.

 

Nutzen Sie den Freistellungsauftrag für Kapitalerträge

Das oberste Gebot in Sachen Kapitalerträge (Zinsen auf Tagesgeld, Aktiengewinne, Erträge aus Nachrangdarlehen etc.) lautet: Prüfen Sie Ihre Freistellungsaufträge! Wenn Sie den Sparerpauschbetrag (801 EUR für Alleinstehende/1.602 EUR für Ehepaare) nicht ausschöpfen, weil Sie Ihrer Bank keinen entsprechenden Freistellungsauftrag erteilt haben, verschenken Sie bares Geld.

 

Lohnt sich die Übertragung von Kapitalerträgen auf Kinder?

Durch die Abgeltungsteuer ist die Vermögensübertragung auf Kinder aus steuerlichen Gründen unattraktiv geworden. Der Abgeltungsteuersatz ist für alle gleich, unabhängig von der Höhe der Einkünfte. Zwar könnte für die Kinder noch eine Berücksichtigung im Rahmen des Sparerpauschbetrags beantragt werden, aber dann wird sich das Finanzamt sicher intensiv damit beschäftigen, ob eine anzuerkennende Übertragung vorliegt. Wollen Sie trotzdem Vermögen übertragen, müssen Sie folgende Grundsätze beachten:

 

  • Nach der Vermögensübertragung müssen die Kapitalanlagen auf den Namen des Kindes lauten.
  • Außerdem muss der endgültige Übergang feststehen. Der Wille der Eltern sollte für die Bank eindeutig erkennbar sein (z. B. ausdrückliche Regelungen zur Begünstigung und Gläubigerstellung des Kindes).
  • Für die steuerrechtliche Zurechnung der Kapitalerträge ist es erforderlich, dass die Eltern das Geldvermögen der Kinder wie fremdes Vermögen behandeln.
  • Auslegungsschwierigkeiten können vermieden werden, wenn bei Errichten des Sparkontos klargestellt ist, dass eine Verfügungsbefugnis der Eltern nur auf dem elterlichen Sorgerecht beruht und tatsächlich entsprechend verfahren wird.
  • Die Zinseinkünfte sollten bei minderjährigen Kindern vorsorglich bis zur Volljährigkeit stehen gelassen werden. Schädlich ist es, wenn die Erträge für den Unterhalt des Kindes oder für Belange der Eltern verwendet werden. Bei volljährigen Kindern können die Eltern verlangen, dass das Kind die Erträge und das Vermögen zur Bestreitung des Unterhalts einsetzt.

 

 

Automatisierter Kontenabruf durch das Finanzamt und andere Behörden

Der automatisierte Kontenabruf (Kontenabrufverfahren) bezeichnet den Zugriff staatlicher Stellen, insbesondere des Finanzamtes, auf Inhalte inländischer Konten und Depots. Durch das Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz wurden die Befugnisse und Verpflichtungen erweitert. Aktuell sind zum Zweck des Kontenabrufs inländische Kreditinstitute verpflichtet,  für jedes inländische Konto/Depot eine Datei mit folgenden Stammdaten anzulegen: Kontonummer, Datum der Einrichtung und Auflösung des Kontos , Name und Geburtsdatum des Kontoinhabers, Name und Geburtstag eines Verfügungsberechtigten/wirtschaftlich Berechtigten. Kontenstände und Kontenbewegungen sind nicht Teil der Stammdaten. Sie können jedoch grundsätzlich durch ein Auskunftsersuchen nach § 92 Satz 2 Nr. 1 AO und § 93 Abs. 1 AO bei der betreffenden Bank abgefragt werden.

 

Zugriffsrecht

Der automatisierte Kontenabruf von Stammdaten inländischer Konten oder Depots darf grundsätzlich nur durch das Bundeszentralamt für Steuern auf Ersuchen des zuständigen Finanzamts gemäß § 93 Abs. 7 AO durchgeführt werden. Der automatisierten Kontenabruf ist auf folgende Fälle beschränkt:

 

  • Der Steuerpflichtige hat beim Finanzamt die o.g. Günstigerprüfung beantragt
  • Es sollen bundesgesetzlich geregelte Steuern (z.B. Einkommen- und Körperschaftsteuer) erhoben werden
  • Der Steuerpflichtige stimmt dem Kontenabruf zu.

 

Informationspflicht des Finanzamts

Das Finanzamt ist verpflichtet, ein Kontenabrufersuchen sowie das Ergebnis des Kontenabrufs zu dokumentieren und i. d. R. den Betroffenen außerdem über die Durchführung zu benachrichtigen.

 

Kontenabruf durch andere Behörden für außersteuerliche Zwecke

Ein Kontenabruf kann auch auf Antrag der Sozialbehörden (Arbeitsämter/Jobcenter) durch das Bundeszentralamt für Steuern erfolgen in Angelegenheiten der Grundsicherung für Arbeitsuchende (ALG II /"Hartz IV"), der Sozialhilfe, der Ausbildungsförderung nach dem BAföG und des Wohngeldes nach dem Wohngeldgesetz. Eine Anfrage zum Zwecke des Kontenabrufs ist zulässig, soweit es zur Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen erforderlich ist und der Betroffene vorher auf die Möglichkeit eines Kontenabrufs informiert wurde. Die Dokumentationspflicht (siehe oben) gilt auch für den Kontenabruf auf Ersuchen der Sozialbehörden (§ 93 Abs. 8 AO). Einen Kontenabruf kann die BaFin auch auf Ersuchen von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten vornehmen.

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