Investitionsabzugsbetrag: So senken Sie Ihre Steuerbelastung

Der Investitionsabzugsbetrag ist ein gutes Instrument für Unternehmer, die ihre Steuerbelastung gezielt steuern wollen. Der Investitionsabzugsbetrag ist vor allem in sehr guten Geschäftsjahren interessant, wenn Sie deutlich mehr Gewinn erzielt haben als erwartet. Unter welchen Voraussetzungen Sie den Investitionsabzugsbetrag nutzen können und wann er sich besonders lohnt, lesen Sie hier. Übrigens: Das Steueränderungsgesetz 2015 bringt gerade beim Investitionsabzugsbetrag einige wesentliche Erleichterungen für Unternehmer. 

 

Investitionsabzugsbetrag: Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Damit Sie den Investitionsabzugsbetrag nutzen können, müssen einige Kriterien erfüllt sein. Ein entscheidendes Kriterium, ob das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag von Ihrem Gewinn anerkennt, ist - je nach Gewinnermittlungsart - Ihr Gewinn bzw. der Wert des Betriebsvermögens. Bei bilanzierenden Unternehmen darf der Wert des Betriebsvermögens 235.000 Euro nicht überschreiten; wenn Sie den Gewinn dagegen nach der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermitteln, darf der Gewinn (vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags) nicht mehr als 100.000 Euro betragen.

 

Darüber hinaus gibt es Anforderungen an die Art der Investition, die Sie mit dem Investitionsabzugsbetrag in den kommenden Jahren tätigen wollen. Und auch der Zeitraum, in dem Sie die Investition realisieren müssen, ist vorgegeben. Im Wesentlichen müssen folgende Kriterien in Bezug auf Art und Zeitpunkt der Investition erfüllt sein, damit das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag in Ihrem Fall anerkennt:

 

  1. Es handelt sich um Anlagevermögen (also beispielsweise nicht um Ware, die zum Verkauf bestimmt ist)
  2. Es handelt sich um bewegliche Güter (Immobilien, Rechte, Lizenzen, Patente oder andere immaterielle Wirtschaftsgüter gehören also nicht dazu)
  3. Sie können nachweisen, dass der Gegenstand im Jahr des Kaufs und im darauffolgenden Jahr zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt wird.

 

Neuregelungen ab dem Veranlagungszeitraum 2016

Das Steueränderungsgesetz 2015 brachte auch erhebliche Auswirkungen für den Investitionsabzugsbetrag. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Unternehmer dadurch leichter wurde, einen Investitionsabzugsbetrag gegenüber dem Finanzamt zu begründen und durchzusetzen. Konkret hat der Gesetzgeber folgende Erleichterungen für Investitionsabzugsbeträge beschlossen, die in nach dem 31. Dezember 2015 endenden Wirtschaftsjahren gebildet wurden:

 

  • Eine konkrete Investitionsabsicht ist gegenüber dem Finanzamt künftig nicht mehr nachzuweisen
  • Die genaue Beschreibung bzw. Funktionsbenennung der anzuschaffenden Investitionsgüter gegenüber dem Finanzamt entfällt ebenfalls. Das bedeutet, der Unternehmer muss sich nicht mehr festlegen, für welche Investition (Firmenwagen, bestimmte Maschine) er den Investitionsabzugsbetrag bildet.
  • Der Investitionsabzugsbetrag kann jederzeit im Investitionszeitraum aufgelöst werden, wenn der Unternehmer sich doch gegen eine Investition entscheidet.
  • Der Investitionsabzugsbetrag muss nicht zwingend im Zeitpunkt der Investition hinzugerechnet werden. Die Hinzurechnungspflicht wurde stattdessen durch ein Wahlrecht ersetzt. Dieses sieht vor, dass der Unternehmer die Hinzurechnung eines Betrags von bis zu 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten vornehmen kann. Dieser Betrag ist begrenzt auf die insgesamt gebildeten und noch nicht aufgelösten Investitionsabzugsbeträge. Das Wahlrecht auf Herabsetzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis zum entsprechenden Hinzurechnungsbetrag ist geblieben.
    Dieses Wahlrecht darf nur im Jahr der Anschaffung oder Herstellung des begünstigten Wirtschaftsguts ausgeübt werden.
  • Die Daten müssen per Datenfernübertragung übermittelt werden (E-Bilanz bzw. Vordruck EÜR)

 

Klassische Beispiele für Investitionen, für die Sie den Investitionsabzugsbetrag erhalten, sind Fahrzeuge, Firmenwagen, Maschinen, betriebliche Einrichtungsgegenstände usw.

 

In welcher Höhe kann ich den Investitionsabzugsbetrag nutzen?

Wenn die oben genannten Voraussetzungen vorliegen, können Sie bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts sofort von Ihrem Gewinn abziehen.

 

Beispiel: Unternehmer U will in zwei bis drei Jahren investieren. Die Kosten hierfür schätzt er auf 100.000 EUR. U kann sofort (also beispielsweise für den Veranlagungszeitraum 2018) einen Betrag zwischen 0 und 40.000 EUR als Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nehmen. Er wird sein Wahlrecht je nach Gewinnsituation ausüben: Hat er einen hohen Gewinn erzielt, wird er auch einen möglichst hohen Investitionsabzugsbetrag wählen. Schreibt er dagegen rote Zahlen, erwartet aber für das kommende Jahr eine deutliche Belebung seines Geschäfts, dann wird er auf den Investitionsabzugsbetrag verzichten und im nächsten Jahr neu überlegen.

 

Welche steuerlichen Folgen hat der Investitionsabzugsbetrag?

Wenn Sie sich zur Bildung eines Investitionsabzugsbetrags entschließen, müssen Sie in den nachfolgenden drei Wirtschaftsjahren einiges beachten. Folgende Fälle sind denkbar:

 

Fall 1: Wenn Sie die Investition wie geplant innerhalb des 3-Jahres-Zeitraums tätigen und alle Vorgaben einhalten, muss der in den Vorjahren abgezogene Investitionsabzugsbetrag im Jahr der Investition dem Gewinn wieder hinzugerechnet werden. Damit nichts nachversteuert werden muss, wird gleichzeitig die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung um den bisher abgezogenen Investitionsabzugsbetrag gemindert.

 

Beispiel: Investitionsabzugsbetrag mindert Abschreibung. Sie kaufen eine Maschine für 100.000 EUR (Nutzungsdauer 10 Jahre). In den vergangenen Jahren wurden 40.000 EUR als Investitionsabzugsbetrag abgezogen. Damit die Auflösung des Investitionsabzugsbetrags im Jahr der Investition neutral bleibt, wird die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung auf 60.000 EUR gemindert. Die jährliche Abschreibung beträgt somit anstatt 10.000 EUR nur 6.000 EUR.

 

Fall 2: Sie kaufen den Gegenstand innerhalb des 3-jährigen Investitionszeitraums nicht. Dann wird das Finanzamt den Abzug rückgängig machen und den Steuerbescheid des Jahres ändern, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde. Das bedeutet für Sie: Steuernachzahlungen und zusätzlich 6 Prozent Nachzahlungszinsen.

 

Fall 3: Sie kaufen einen völlig anderen Gegenstand als ursprünglich geplant. Auch in diesem Fall wird das Finanzamt den Abzug rückgängig machen und den Steuerbescheid des Jahres ändern, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde. Auch hier müssen Sie mit Steuernachzahlungen und Nachzahlungszinsen rechnen.

 

Fall 4: Der Gegenstand wird im Jahr des Kaufs und im Folgejahr nicht mindestens zu 90 % betrieblich genutzt bzw. Sie können die 90-%ige betriebliche Nutzung nicht nachweisen. Auch in diesem Fall wird das Finanzamt den Abzug rückgängig machen und den Steuerbescheid des Jahres ändern, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde (Konsequenzen s.o.).

 

Fall 5: Die Investitionskosten liegen unter den kalkulierten Kosten, für die ein Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde. Das Finanzamt wird den Abzug teilweise rückgängig machen und den Steuerbescheid des Jahres ändern, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde.

 

Investitionsabzugsbetrag: Wie argumentiere ich gegenüber dem Finanzamt?

Ungeachtet der grundsätzlichen Regelungen gibt es zahlreiche Ausnahmen und steuerzahlerfreundliche Urteile, auf die Sie das Finanzamt bei Streitigkeiten um den Investitionsabzugsbetrag hinweisen sollten. Eventuell können Sie damit in strittigen Fällen zumindest einen Teil des Investitionsabzugsbetrags retten. Hier einige ausgewählte Fälle:

 

Fall 1: Investitionsabzugsbetrag nach erfolgter Investition beantragt

Unternehmer Müller gibt seine Steuererklärung für 2008 trotz mehrmaliger Aufforderungen nicht ab. Deshalb wird er Ende 2010 geschätzt. Im folgenden Einspruchsverfahren gibt er dann endlich am 1.7.2011 eine Steuererklärung ab und beantragt für mehrere Fahrzeuge den Abzug eines Investitionsabzugsbetrags in 2008. Der Kauf der Fahrzeuge wurde bereits Anfang 2011 realisiert. Das Finanzamt lehnte den Abzug eines Investitionsabzugsbetrags in 2008 ab, weil zum Zeitpunkt der Beantragung des Investitionsabzugsbetrags (1. Juli 2011) die Investition bereits realisiert war (Anfang 2011). Die Richter des Bundesfinanzhofs erlaubten den Abzug trotz bereits erfolgter Investition (BFH, Urteil v. 8.6.2011, 1 R 90/10).

 

Fall 2: Gründer legt keine Bestellung vor

Bei Abzug eines Investitionsabzugsbetrags vor Betriebseröffnung erwartet das Finanzamt als Nachweis für die geplanten Investitionen verbindliche Bestellungen (BMF, Schreiben v. 8.5.2009, IV C 6 - S2139-b/07/10002, Tz. 29). Die Richter des Finanzgerichts München hatten dennoch nichts gegen den Investitionsabzugsbetrag eines Gründers einzuwenden, obwohl dieser keine feste Bestellung nachweisen konnte. Als Nachweis genügte den Richtern in diesem Fall die "Glaubhaftmachung der geplanten Investition" (FG München, Urteil v. 26.10.2010, 2 K 655/10).

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