Influencer & Steuern: Das sind die Regeln

Von Bernhard Köstler

 

In den letzten Jahren hat sich der Beruf des Influencers immer stärker etabliert. Zahlreiche Menschen verdienen ihr Geld hauptberuflich als Influencer. Viele machen aber auch nur ab und an Werbung für bestimmte Produkte.  Daher ist es wichtig zu wissen: Influencer müssen selbst dann Steuern bezahlen, wenn sie kein Geld bekommen. Es reicht aus, wenn sie von Firmen Waren und Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen und auf verschiedenen Social-Media-Plattformen Werbung dafür machen.

 

Einnahmen von Influencern: Das gilt in Sachen Steuern

Die Finanzämter stufen Influencer bei den Steuern als Gewerbetreibende ein, wenn diese nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht auf Youtube, Instagram oder anderen Plattformen tätig werden. Das bedeutet im Klartext:

 

  1. Das Finanzamt erwartet die elektronische Übermittlung einer Einkommensteuererklärung.
  2. Mit der Steuererklärung muss auch eine Anlage EÜR übermittelt werden, in der die Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit der Tätigkeit als Influencer erfasst werden.
  3. Gewinne aus der Tätigkeit als Influencer lösen folgende Steuern aus:
    Einkommensteuer, es gilt ein jährlicher Grundfreibetrag von 9.408 Euro, liegen die Einnahmen höher, muss Einkommensteuer gezahlt werden. Der Grundfreibetrag bezieht sich allerdings auch auf Einnahmen aus anderen Tätigkeiten, z.B. als Arbeitnehmer.
    Gewerbesteuer, ab einem Gewinn von mehr als 24.500 Euro.
    Umsatzsteuer, sofern die Umsätze im Vorjahr über 22.000 Euro lagen, ansonsten gilt die Kleinunternehmerregelung.

 

Wird ein Influencer nicht regelmäßig tätig, sondern z.B. nur einmal im Jahr, sind die erzielten Einnahmen ab einem Wert von 256 Euro trotzdem eine Sache für die Steuern. Das Finanzamt besteuert nach Abzug von Ausgaben „sonstige Einkünfte“ nach § 22 Einkommensteuergesetz, die in der Anlage SO zu erklären sind.

Vorsicht: Die Sozialen Medien rücken bei den Finanzbehörden zunehmend in den Fokus. Sollten Influencer also nicht ihren steuerlichen Pflichten nachkommen, drohen neben der Nachzahlung der nicht bezahlten Steuern, Zinszahlungen, Geldstrafen und im Extremfall sogar Freiheitsstrafen.

Influencer erzielt Verluste: Steuern sparen fürs nächste Jahr

Erzielt ein Influencer ausnahmsweise Verluste, ist das bei den Steuern dennoch interessant. Er sollte dem Finanzamt diese Verluste in der Anlage EÜR präsentieren, selbst wenn er in einem Jahr keine Einnahmen aus der Tätigkeit als Influencer erzielt hat. Denn in diesem Fall stellt das Finanzamt in einem Verlustfeststellungsbescheid die erzielten Verluste fest und diese können in den folgenden Jahren mit anderen Einkünften steuersparend verrechnet werden.

 

Aufgepasst: Zu viele Jahre schaut das Finanzamt allerdings nicht zu bei Verlusten. Ist über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren nicht insgesamt mit einem Totalgewinn zu rechnen, unterstellt das Finanzamt, dass der Influencer in Sachen Steuern keine Gewinnerzielungsabsicht hat (sog. Liebhaberei). Das kann das rückwirkende Aus für die als Influencer erzielten Verluste bedeuten und zur Rückzahlung erstatteter Steuern für die Vorjahre führen.

Was gilt bei Gratisprodukten oder Dienstleistungen wie Hotelübernachtungen?

Bekommt der Influencer von Firmen Waren gratis zugeschickt oder Dienstleistungen wie z.B. Hotelübernachtungen spendiert, um über seine Plattformen bei seinen Followern Werbung zu machen, muss grundsätzlich im Wert der Waren eine Betriebseinnahme erfasst werden. Nutzt der Influencer die Gegenstände ausschließlich betrieblich, gilt bei den Steuern Folgendes: Er kann in Höhe des Werts der kostenlosen Ware oder der kostenlosen Dienstleistung Betriebsausgaben geltend machen (entweder Sofortabzug für geringwertige Wirtschaftsgüter oder Abschreibung über Nutzungsdauer).

 

Nutzt der Influencer die Waren oder Dienstleistungen dagegen rein privat, muss er wiederum eine gewinnerhöhende Entnahme versteuern.

 

Tipp: Um nicht in Beweisnot zu kommen, welchen Wert eine kostenlos zur Verfügung gestellt Dienstleistung oder ein Produkt hat und wie es genutzt wurde (betrieblich oder privat), empfiehlt es sich, während des Jahres alle Informationen dazu in einer Excel-Tabelle festzuhalten.

Wichtig: Es müssen weder Betriebseinnahmen noch Betriebsausgaben aufgezeichnet werden, wenn das Unternehmen, das die Waren oder Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung stellt, eine Bescheinigung vorlegt, dass es für den Influencer die Steuern pauschal nach § 37b EStG übernommen hat.

Bernhard Köstler

Bernhard Köstler ist Dipl.-Finanzwirt, Journalist und Fachbuchautor im Bereich Steuern. Er ist seit 1991 in der Münchner Finanzverwaltung tätig, Regierungsrat und Sachgebietsleiter in der Betriebsprüfung.