Arbeiten im Homeoffice – steuerliche Vor- und Nachteile

Autorin: Susanne Christ, Rechtsanwältin / Fachanwältin für Steuerrecht

 

Homeoffice ist angesichts der Coronapandemie eine zentrale Lösung um Ansteckungsketten zu stoppen. Für viele Arbeitnehmer*innen, die wegen Schul- und Kita-Schließungen ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, ist es zudem schlicht eine Notwendigkeit. Die Arbeit im häuslichen Arbeitszimmer hat natürlich auch steuerliche Auswirkungen. Nachfolgend zeigen wir Ihnen, auf was Sie nun achten müssen.

 

 

Homeoffice mindert die Entfernungspauschalen

Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte werden in Höhe 0,30 EUR je Entfernungskilometer als Werbungskosten anerkannt. Aber nur für Fahrten, die tatsächlich stattfinden. Wer aufgrund des Homeoffice nicht ins Büro fährt, kann keine Pauschalen geltend machen. Das kann zu einer steuerlichen Mehrbelastung führen. Davon betroffen sind vor allem Arbeitnehmende, die den ÖPNV nutzen.

 

Beispiel:

Die in Berlin arbeitende Frau Schulze wohnt 60 km vom Büro entfernt und fährt monatlich an 20 Tagen zur Arbeit. So macht sie jährlich 4.320 EUR (= 240 Tage x 60 km x 0,30 EUR) als Entfernungspauschalen geltend. Die Jahreskarte bei der BVG kostet sie 800 EUR. Die Entfernungspauschalen hat sie sich als Lohnsteuerabzugsmerkmal in Höhe von monatlich 360 EUR als Freibetrag eintragen lassen; ihr Nettogehalt sinkt dadurch um 108 EUR monatlich.

 

Im März und April 2020 verlagert sie ihre Tätigkeit ins Homeoffice. Durch das Homeoffice „verliert“ sie den Werbungskostenabzug in Höhe von 720 EUR (= 40 Tage x 60 x 0,30 EUR). Bei einem Steuersatz von 30 Prozent sind das 216 EUR, die sie bei der Einkommensteuerveranlagung später nachzahlen muss. Auch wenn die Kosten für die Fahrkarte bei der BVG im Monat März und April höher sind als die Entfernungspauschalen, kann sie die für den ÖPNV über den Entfernungspauschalen liegenden (höheren) Kosten nur geltend machen, wenn die Kosten im gesamten Kalenderjahr über den Entfernungspauschalen liegen.

 

Praxistipp:
Wer davon betroffen ist, sollte eine zeitweilige Kündigung des Abos prüfen.

 

Anders wäre es, wenn Frau Schulze mit dem Auto zur Arbeit fahren würde. Dann würden sich die Kosten für die konkreten Fahrten wegen des eingesparten Benzin- und Ölverbrauchs und der geringeren Abnutzung verringern, so dass dem fehlenden Steuerabzug eine tatsächliche Kostenersparnis gegenübersteht.

 

Dienstwagen und Homeoffice: Was ändert sich?

Wird das Fahrzeug sowohl privat als auch für Fahrten zum Büro genutzt, ist es entscheidend, ob der Wert der Privatnutzung durch die Fahrtenbuchmethode oder die 1-Prozent-Regelung berechnet wird.

 

Fahrtenbuchmethode

Wird die Privatnutzung anhand eines Fahrtenbuches ermittelt, wird sich die geringere private Nutzung vorteilhaft auswirken. Fallen Fahrten zum Betrieb weg, führt dies zu einer weiteren Verringerung, da für die Fahrten zum Betrieb höchstens 0,30 EUR je Entfernungskilometer (= 0,15 EUR je gefahrenen km) abgesetzt werden dürfen, und die darüber hinausgehenden Kosten als Eigenverbrauch zu versteuern sind. Da in den allermeisten Fällen die Kosten des Dienstfahrzeugs (erheblich) höher sind als 0,15 EUR je gefahren km, führt eine Verringerung der Fahrten zum Büro zu einer Verringerung des Eigenverbrauchs.

 

Pauschale Ermittlung des Eigenverbrauchs

Bei der pauschalen Berechnung kommt es darauf an, ob sich die Nutzung innerhalb eines Monats ändert. Entfällt die Privatnutzung während eines gesamten Monats, braucht für diesen Monat keine Privatnutzung in Höhe von pauschal ein Prozent des Listenneupreises des Fahrzeugs angesetzt werden. Allerdings dürfte es trotz Corona-Krise nicht einfach sein, den Fiskus davon zu überzeugen, dass das Fahrzeug im betreffenden Monat überhaupt nicht privat genutzt wurde, denn Privatfahrten nehmen im Gegensatz zu Geschäftsfahrten eher zu.

 

Einfacher ist es, bei Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes nachzuweisen, dass das Fahrzeug für einen ganzen Monat nicht für Fahrten zum Betrieb genutzt wurde. Dann entfällt die sonst monatlich anfallende Pauschale von 0,03 Prozent je Entfernungskilometer.

 

Wichtig:
Der Betrieb darf mit dem Fahrzeug einen ganzen Kalendermonat nicht angefahren worden sein!

Zankapfel häusliches Arbeitszimmer

Der Abzug der Kosten für ein Arbeitszimmer setzt voraus, das von der/dem Arbeitgeber*in kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt wird und ein Raum in der eigenen Wohnung genutzt wird, der nahezu ausschließlich beruflich und nur ganz untergeordnet privat genutzt wird.

 

Wer also seinen Homeoffice-Arbeitsplatz am Küchentisch oder an einem Tisch im Schlafzimmer eingerichtet hat, kann Kosten für den Arbeitsplatz nicht absetzen. Anders ist es, wenn ein Zimmer, z. B. ein Wohn- oder Gästezimmer, das bislang privat genutzt wurde, während der Corona-Zeit nahezu ausschließlich beruflich als Büro genutzt wird. Ob es erforderlich ist, private Gegenstände wegzuräumen, ist derzeit offen. Denkbar ist, dass sich der Fiskus großzügig zeigen wird, weil wegen der Kontaktsperre kaum Besuch (erst recht kein Übernachtungsbesuch) kommt und bislang privat genutzte Gegenstände, etwa die Schlafcouch, ungenutzt bleiben. Das kann dazu führen, dass deren Vorhandensein vorübergehend eine untergeordnete Rolle erhalten. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, sollte private Gegenstände, wenn möglich, aus dem Zimmer entfernen.

 

Übrigens: Teilen sich zwei Personen ein Arbeitszimmer zu beruflich/betrieblichen Zwecken, ist das unschädlich.

 

Tipp:
Machen Sie Fotos von dem Raum zum Nachweis der beruflichen Nutzung.

 

Stellt das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit dar, können sämtliche Kosten für das Arbeitszimmer abgezogen werden. Das ist beispielsweise auch dann der Fall, wenn die betroffene Person ein Mal pro Woche in den Betrieb fährt, ansonsten aber durchgängig im Homeoffice arbeitet. Problematisch ist es, wenn an zwei Tagen im Homeoffice gearbeitet wird, an den anderen drei Tagen im Betrieb, etwa, weil im Zwei-Schichten-Betrieb gearbeitet wird. Dann stellt das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit dar.

 

Deckelung der Kosten auf 1.250 EUR

Anders ist es, wenn zwar nicht die gesamte berufliche und betriebliche Tätigkeit vom Arbeitszimmer aus ausgeübt wird, aber für die konkrete, z. B. berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Steht Corona-bedingt der bisher genutzte Arbeitsplatz in vollem Umfang nicht zur Verfügung, können die Kosten für das Arbeitszimmer steuerlich geltend gemacht werden.

 

Unklar ist, ob diese Regelung auch gilt, wenn der Arbeitsplatz zu bestimmten Zeiten nicht zur Verfügung steht, wie dies insbesondere beim sogenannten Zwei-Schichten-Betrieb (Wechselmodell) der Fall ist. Ein solcher liegt vor, wenn die Belegschaft geteilt wird und der eine Teil nicht vor Ort anwesend sein darf, wenn der andere Teil anwesend ist. So soll eine Quarantäne für die gesamte Belegschaft vermieden werden. Da bei diesem Modell zu festgelegten Zeiten ein anderer Arbeitsplatz nicht zur Verfügung steht, müssten die Kosten für die Nutzung des Arbeitszimmers anteilig abziehbar sein. Ob der Fiskus diese Betrachtung teilt, ist derzeit noch offen (Stand Mai 2020).

 

Allerdings sind die abziehbaren Kosten auf 1.250 EUR gedeckelt. Wer lediglich nur wenige Monate im Homeoffice arbeitet ist, kommt möglicherweise mit diesem Jahresbetrag hin; dauert das Homeoffice aber länger, dürften die Kosten für das Arbeitszimmer über 1.250 EUR steigen, so dass dann nicht alle durch das Arbeitszimmer ausgelösten Kosten abziehbar sind.

 

Tipp:
Kosten für den Bürostuhl, Arbeitstisch oder andere Büromaterialien, die nicht erstattet werden, können in jedem Fall und unabhängig davon, ob ein Arbeitszimmer vorliegt und ob eine Deckelung der Kosten vorzunehmen ist, geltend gemacht werden. Steigt der Anteil der Nutzung des hauseigenen Internets- oder Telefon- und Handyanschlusses, ist dieser höhere Anteil auch abziehbar, ebenso wie die Anschaffung eines neuen Bildschirms wegen der zahlreichen virtuell stattfindenden Besprechungen.

Wegen Corona nicht gezahlte Kita-Beiträge

Nur tatsächlich geleistete Kita-Beiträge sind als Sonderausgaben abziehbar. Wer sich die Kita-Beiträge als Freibetrag zur Berechnung des monatlichen Gehaltes in die (virtuelle) Lohnsteuerkarte hat eintragen lassen, wird daher mit einer entsprechenden Einkommensteuernachzahlung rechnen müssen.

Kosten für eine doppelte Haushaltsführung

Kosten für eine doppelte Haushaltsführung entstehen, wenn Sie an einen anderen Ort als ihrer ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhalten. Fraglich ist, ob durch die kurzzeitige Verlagerung der Tätigkeit ins Homeoffice der bisherige Tätigkeitsort seine Qualifizierung als erste Tätigkeitsstätte verliert. Das dürfte bei der Corona-bedingten kurzzeitigen Verlagerung in das Homeoffice nicht der Fall sein, da auch in normalen Zeiten unvorhergesehene Ereignisse nicht der Einstufung als erste Tätigkeitsstätte in Frage stellen. Somit können trotz Homeoffice die Kosten für die doppelte Haushaltsführung abziehbar bleiben, es sei denn, das Homeoffice bleibt dauerhaft bestehen.

 

Bleibt es bei mindestens einer Familienheimfahrt wöchentlich, ändert sich bei dem steuerlichen Abzug für die Heimfahrten nichts, da die Fahrten ohnehin nur ein Mal wöchentlich anerkannt werden. Fallen diese wöchentlichen Heimfahrten weg, führt das zu einer Verringerung der abziehbaren Kosten. Wurden deshalb ein Freibetrag in die Lohnsteuerkarte eingetragen, ist mit einer Einkommensteuernachforderung zu rechnen.

 

Zusammenfassung

Durch Homeoffice entfallen Entfernungspauschalen, im Gegenzug können Kosten für ein Arbeitszimmer abziehbar werden. Nicht erstattete Anschaffungen für das Homeoffice sind ebenso abziehbar wie ein höherer beruflicher Anteil an der Telefon- oder Internetnutzung.

 

Da sich durch die Corona-bedingte Abwesenheit grundsätzlich nichts an der bisherigen erste Tätigkeitsstätte ändert, können Kosten für die doppelte Haushaltsführung weiterhin geltend gemacht werden – Heimfahrten aber nur dann, wenn diese mindestens ein Mal wöchentlich stattfinden.