Doppelte Haushaltsführung: Wann kann ich Werbungskosten geltend machen?

Wenn Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung brauchen - der Steuerberater verwendet den Begriff doppelte Haushaltsführung -, können Sie die Kosten dafür als Werbungskosten geltend machen. Welche Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung erfüllt sein müssen und in welcher Höhe Sie die Kosten für doppelte Haushaltsführung absetzen können, lesen Sie hier.

 

Doppelte Haushaltsführung: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Der Gesetzgeber hat die doppelte Haushaltsführung eingeführt, um Menschen zu entlasten, die aus beruflichen Gründen auf eine Zweitwohnung angewiesen sind. Um diese zusätzlichen Kosten abzufedern, akzeptiert das Finanzamt die Aufwendungen für die Zweitwohnung als Werbungskosten. Diese können Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen und so Ihre Steuerbelastung senken. Darüber hinaus können Sie auch haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Reinigungsarbeiten) in Zusammenhang mit der Zweitwohnung steuerlich geltend machen. Die wichtigsten Voraussetzungen für die doppelte Haushaltsführung im steuerlichen Sinn sind:

 

  • Sie haben einen eigenen (Haupt-)Hausstand (z. B. Haus/Wohnung, in dem Ihre Familie lebt).
  • Sie haben am Beschäftigungsort (bzw. in dessen Nähe) eine Zweitwohnung.
  • Die doppelte Haushaltsführung ist beruflich veranlasst.

 

Beispiel: Sie wohnen mit Ihrer Familie in Stuttgart und werden von Ihrem Arbeitgeber von Zuffenhausen nach Köln versetzt. Es ist vereinbart, dass Sie von Montag bis Donnerstag in Köln arbeiten und freitags im Homeoffice verfügbar sind. Sie nehmen sich daher ein Zimmer in Köln. Diese Kosten können Sie im Rahmen der doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend machen. Das gilt auch dann, wenn Sie anstelle des Beschäftigungsorts Ihren Lebensmittelpunkt verlegen - wenn Sie also beispielsweise mit der gesamten Familie nach Köln ziehen, aber weiterhin in Zuffenhausen arbeiten.

 

Eine wichtige Frage in Sachen doppelte Haushaltsführung ist regelmäßig die nach dem Lebensmittelpunkt. Maßgebliche Prüfungskriterien sind z. B. Vergleich von Größe und Ausstattung von Zweitunterkunft und eigenem Hausstand sowie Dauer und Häufigkeit der Aufenthalte. Verheiratete haben ihren Lebensmittelpunkt in der Regel am Wohnort der Familie. Dies gilt jedoch nur dann, wenn der Arbeitnehmer die Familienwohnung auch mindestens 6-mal pro Jahr aufsucht. Bei einer geringeren Anzahl an Fahrten muss genauer geprüft werden, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet. Maßgebliche Kriterien sind die Entfernung und damit verbundene lange Reisezeiten zwischen (ausländischer) Wohnung und (inländischer) Arbeitsstätte, die Höhe der Fahrtkosten, wie der Kontakt zur Familie gehalten wird oder berufliche Erfordernisse, die einer Heimfahrt im Wege stehen (BFH v. 26.11.2003, VI R 152/99). Bei Alleinstehenden befindet sich der Lebensmittelpunkt an dem Wohnort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen (Eltern, Verlobte, Freundes-, Bekanntenkreis, Vereinsaktivitäten) bestehen. Solange die Wohnung durchschnittlich mindestens 2-mal pro Monat aufgesucht wird, akzeptiert die Finanzverwaltung im Regelfall, dass sich dort auch der Lebensmittelpunkt befindet. Bei Alleinstehenden, die ihre sozialen Kontakte im Wesentlichen auf ihre Familie (Eltern, Geschwister) beschränken, kann sich auch nach einigen Jahren auswärtiger Tätigkeit der Lebensmittelpunkt nach wie vor am Wohnort der Familie befinden. Allerdings kann sich der Lebensmittelpunkt auch an den Beschäftigungsort verlagern, wenn beispielsweise der Arbeitnehmer dort mit Partner und Kind in eine familiengerechte Wohnung einzieht - auch wenn die frühere Familienwohnung beibehalten und zeitweise noch genutzt wird. In Ausnahmefällen ist aufgrund der Gesamtumstände eine andere Beurteilung möglich (BFH, Urteil 7.5.2015, VI R 71/14).

 

Was versteht man unter einem "eigenen Hausstand"?

Einen eigenen Hausstand können verheiratete und alleinstehende (geschiedene, dauernd getrennt lebende) Arbeitnehmer haben. Voraussetzung dafür ist, dass

 

  • der Steuerpflichtige eine seinen Lebensbedürfnissen entsprechend eingerichtete komplette Wohnung hat,
  • er diese Wohnung als Eigentümer, Mieter oder Untermieter nutzen kann,
  • er einen eigenständigen Haushalt führt,
  • die Wohnung den Lebensmittelpunkt des Arbeitnehmers/Betriebsinhabers darstellt. Nicht ausreichend ist es, wenn die Wohnung nur gelegentlich zu Besuchszwecken oder für Urlaubsaufenthalte bereitgehalten wird.

 

Mit zunehmender Dauer muss das Finanzamt jedoch prüfen, wo sich der tatsächliche Lebensmittelpunkt befindet. Trotz der gelockerten BFH-Rechtsprechung gilt weiter die Vermutung, dass Arbeitnehmer, die im Haushalt der Eltern wohnen, regelmäßig keinen eigenen Hausstand haben. 

 

Praxis-Tipp: Sie sollten dem Finanzamt das Bestehen des eigenen Hausstands und insbesondere die Kostentragung durch geeignete Beweismittel nachweisen können, z. B. durch einen Mietvertrag, eine länger zurückliegende Ummeldung bei der Stadtverwaltung, Nachweis über Möbelkäufe, Überweisung der Nebenkosten.

 

Welche Kosten kann man für die doppelte Haushaltsführung geltend machen?

Bei der auswärtigen Zweitwohnung am Beschäftigungsort kann es sich um eine entgeltlich oder unentgeltlich überlassene Unterkunft (z. B. Wohnung, Hotelzimmer, Kaserne, Gemeinschaftsunterkunft, Unterkunft an Bord, etwa bei Seeleuten und Binnenschiffern) handeln. Denkbar ist auch, dass sich die Unterkunft im Eigentum des Arbeitnehmers befindet. Wie oft er dort übernachtet, ist unerheblich. Ist die doppelte Haushaltsführung prinzipiell anerkannt, können folgende Kosten abgesetzt werden:

 

  • Umzugskosten
  • Verpflegungspauschale (für maximal 3 Monate)
  • Kosten der auswärtigen (Zweit-)Unterkunft
  • Fahrtkosten für die erste und letzte Fahrt sowie eine wöchentliche Heimfahrt

 

Kosten der Zweitunterkunft

Abzugsfähig sind nur die tatsächlich angefallenen und nachgewiesenen Aufwendungen für die auswärtige Unterkunft, begrenzt auf maximal 1.000 EUR im Monat. Die Begrenzung gilt auch, wenn die Unterkunft im Eigentum des Steuerpflichtigen steht. Der Höchstbetrag umfasst sämtliche Aufwendungen wie z. B. Miete, Nebenkosten, Reinigung, Zweitwohnungssteuer, Kfz-Stellplatz oder Garage. Ebenso sind die Ausgaben für die notwendige Möblierung (Küche mit Kochausstattung und Geschirr, Essplatz mit Tisch und Stühlen, Schlafzimmereinrichtung mit Bett und Kleiderschrank), Lampen, Sitzmöbel, Teppiche, Badezimmereinrichtung) über die Abschreibung einzubeziehen. Soweit der Höchstbetrag in einem Kalendermonat nicht voll ausgeschöpft wird, kann er auf andere Monate übertragen werden, sodass im Jahr Kosten von bis zu 12.000 EUR abzugsfähig sind.

 

Weitere Kosten:

 

  • Fahrtkosten: Für die erste Fahrt zu Beginn der doppelten Haushaltsführung und die letzte Fahrt bei Beendigung der doppelten Haushaltsführung sind die tatsächlichen Kosten (bei Kfz-Nutzung ohne Nachweis 0,30 EUR je gefahrenen km) abzugsfähig. Für eine tatsächlich durchgeführte Fahrt wöchentlich zwischen dem eigenen Hausstand und der auswärtigen Unterkunft (Familienheimfahrt) kann je Entfernungskilometer die Entfernungspauschale von 0,30 EUR abgesetzt werden.
  • Umzugskosten: Zu den notwendigen abzugsfähigen Kosten gehören die durch das Beziehen oder die Aufgabe der Zweitwohnung verursachten Umzugskosten. Die Kosten sind nur auf Nachweis abziehbar. Abzugsfähig sind daneben auch die Kosten in Zusammenhang mit der Wohnungssuche (Abzug wie Reisekosten) sowie die Kosten der Renovierung der Zweitwohnung. Wird die Zweitwohnung mit Beendigung der doppelten Haushaltsführung aufgelöst, zählen die anfallenden Aufwendungen für den Rückumzug einschließlich Renovierung der Zweitwohnung ebenfalls zu den Werbungskosten.
  • Telefonkosten: Haben Sie keine Familienheimfahrt durchgeführt, können Sie stattdessen die Kosten für tatsächlich geführte Telefonate (Gebühren für insgesamt bis zu 15 Minuten wöchentlich) geltend machen.
  • Verpflegungspauschale: Für die ersten 3 Monate ab Beginn der doppelten Haushaltsführung (Bezug der Zweitwohnung) können Sie für jeden vollen Tag, an dem sie vom eigenen Hausstand (24 Stunden) abwesend sind, einen Pauschbetrag von 24 EUR ansetzen. An An- und Abreisetagen zum eigenen Hausstand sind 12 EUR absetzbar.
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Wenn Sie häufiger als einmal wöchentlich zum eigenen Hausstand fahren, haben Sie ein Wahlrecht:

 

Sie können die Kosten für doppelte Haushaltsführung geltend machen (Abzug einer wöchentlichen Heimfahrt/Telefonkosten, Verpflegungspauschale, Unterkunfts- und Umzugskosten) oder alle tatsächlich durchgeführten Familienheimfahrten mit der Entfernungspauschale als Wege – erste Tätigkeitsstätte abrechnen. Im zweiten Fall sind aber keine weiteren Aufwendungen (Kosten der Unterkunft usw.) abzugsfähig.


Die Fahrten von der auswärtigen Unterkunft zur Arbeitsstätte (erste Tätigkeitsstätte bzw. Betrieb) sind in beiden Fällen zusätzlich mit der Entfernungspauschale abzugsfähig.


Kostenersatz durch Arbeitgeber

 

Der Arbeitgeber kann Ihnen die Mehraufwendungen aufgrund der doppelten Haushaltsführung bis zur Höhe eines möglichen Werbungskostenabzugs steuerfrei ersetzen. Dabei darf er für den Kostenersatz alle Kostenarten zusammenfassen. Soweit die Kosten steuerfrei ersetzt werden, entfällt bei Ihnen als Arbeitnehmer jedoch der Werbungskostenabzug.

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