Anschaffungskosten und Herstellungskosten bei Gebäuden

Die Zusammensetzung und Berechnung von Anschaffungs- bzw. Herstellkosten bei Gebäuden ist nicht immer einfach.

Die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Abschreibungen eines Wirtschaftsgutes wie z. B. eines Gebäudes sind die Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten. Im Folgenden stellen wir Ihnen vor, wie sich die Anschaffungskosten und Herstellkosten bei Gebäuden zusammensetzen und welche Regeln Sie dabei beachten müssen.

 

Hier lesen Sie:

 

 

Was sind Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten?

Anschaffungskosten und Herstellkosten sind wie folgt definiert:

 

Anschaffungskosten

Zu den Anschaffungskosten eines fertigen Wirtschaftsguts zählen alle Aufwendungen, die geleistet werden, um es zu erwerben (Kaufpreis + Nebenkosten) und in einen dem angestrebten Zweck entsprechenden Zustand zu versetzen (z. B. Montagekosten).

 

Herstellungskosten

Zu den Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts zählen sämtliche Materialkosten und Lohnkosten, z. B. für Architekt und Handwerker. Skonti, Boni und evtl. Zuschüsse reduzieren die Anschaffungs- und Herstellungskosten.

 

Tipp: Wenn Sie die betriebliche Abschreibung von Gebäuden interessiert, lesen Sie unseren Beitrag Abschreibung von Gebäuden: Diese Regeln müssen Sie beachten!

 

Achtung: Umsatzsteuer. Die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer gehört nicht zu den Anschaffungskosten oder Herstellkosten, wenn diese als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet wird.

 

 

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Die Herstellungskosten von Gebäuden  setzen sich aus folgenden Teilen zusammen:

 

Art der Aufwendungen Ansatz in der Steuerbilanz

Einzelkosten

  • Materialeinzelkosten
  • Fertigungseinzelkosten
  • Sonderkosten der Fertigung

Gemeinkosten

  • Materialgemeinkosten
  • Fertigungsgemeinkosten
  • Wertverzehr für das Anlagevermögen (Abschreibung)

Die Aufwendungen gehören zwingend zu den Herstellkosten.

= Mindestansatz

  • Zinsen für Fremdkapital
  • Kosten der allgemeinen Verwaltung
  • Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs
  • Aufwendungen für freiwillige soziale Leistungen
  • Aufwendungen für betriebliche Altersversorgung

Diese Aufwendungen sind als HK zu behandeln, wenn sie auch handelsrechtlich aktiviert werden.

= maximaler Ansatz

 

Werden in Ihrem Betrieb Waren oder andere Wirtschaftsgüter produziert und führt der Betrieb Bücher, müssen Sie die am Bilanzstichtag vorrätigen Bestände mit den Herstellkosten bzw. mit dem niedrigeren Teilwert (= Wiederherstellungskosten am Bilanzstichtag) ausweisen. Vertriebskosten dürfen nicht als Herstellkosten behandelt werden.

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Wie berechnen sich die Anschaffungskosten und Herstellungskosten bei Grundstücken und Gebäuden?

Der "Grund und Boden" sowie das "Gebäude" sind aus steuerlicher Sicht verschiedene Wirtschaftsgüter und deshalb getrennt zu beurteilen.

 

Wie berechnen sich die Anschaffungskosten des Grund und Bodens?

Die Anschaffungskosten des Grund und Bodens setzen sich aus den folgenden Positionen zusammen:

 

  • Kaufpreis
  • Nebenkosten (Maklergebühren, Grunderwerbsteuer, Notarkosten für die Beurkundung des Kaufvertrags, für die Eintragung einer Auflassungsvormerkung und für die Auflassung, Vermessungskosten)
  • Zahlungen an den Grundstücksnachbarn für dessen Zustimmung zur Grenzbebauung (sofern das Recht auch bei einem Abbruch des Gebäudes erhalten bleibt)
  • Zahlungen an den Nachbarn für eine Zufahrtsbaulast
  • Straßenanliegerbeiträge nach dem Baugesetzbuch
  • Erstmalige Erschließungsbeiträge nach dem Bundesbaugesetz (Kanalbaubeiträge, Kanalanschlussgebühren für den erstmaligen Anschluss an die Abwasseranlagen, Beiträge für außerhalb des Grundstücks befindliche Anlagen zur Versorgung mit Elektrizität, Gas, Wasser und Wärme)

 

Werden Beiträge als Ersatz für bereits vorhandene Anlagen geleistet, können diese im Einzelfall als Werbungskosten sofort abzugsfähig sein, auch wenn sie im zeitlichen Zusammenhang mit der Anschaffung geleistet werden.

 

Wie berechnen sich die Anschaffungskosten bei einem bebauten Grundstück?

Bei einem bebauten Grundstück können nur die Anschaffungskosten des Gebäudes in Zusammenhang mit der Ermittlung von Einkünften über die Abschreibung (AfA) als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Die Anschaffungskosten des Grund und Bodens hingegen sind nicht absetzbar. Dies erfordert beim Kauf eines bebauten Grundstücks, dass die Anschaffungskosten aufgeteilt werden. Die Aufteilung der Anschaffungskosten (inkl. Nebenkosten) erfolgt im Verhältnis der Verkehrswerte von Gebäude und Grund und Boden. Diese Aufteilung wird i. d. R. vom Finanzamt im Rahmen der Bearbeitung der Steuererklärung überprüft.

 

Praxis-Tipp:
Im notariellen Kaufvertrag kann der jeweilige Kaufpreisanteil des Gebäudes und des Grund und Bodens betragsmäßig auch gesondert ausgewiesen werden. Soweit die Aufteilung angemessen ist, wird sie anerkannt.

 

Aufwendungen für die Bestellung und Eintragung einer Grundschuld und andere Geldbeschaffungskosten zählen zu den Finanzierungskosten und stellen keine Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten dar.

 

Falls Sie beim Kauf einer Eigentumswohnung die anteilige Instandhaltungsrücklage ohne eine gesonderte Zuzahlung übernehmen, müssen Sie darauf achten, dass diese nicht zu den Anschaffungskosten des Grundstücks gehören. Die Grunderwerbsteuer darf deshalb auch nur vom Kaufpreis abzüglich Rücklagenbetrag berechnet werden.

 

Praxis-Tipp: Häufig wird auch vorhandene Inventars (z.B. Einbaumöbel) übernommen. Wird im Kaufvertrag der darauf entfallene Teil des Kaufpreises genannt, entfällt darauf keine Grunderwerbsteuer.

 

 

Wie berechnen sich die Herstellungskosten bei Gebäuden?

Aus der nachfolgenden Übersicht ersehen Sie, welche Aufwendungen insbesondere zu den Herstellungskosten eines Gebäudes gehören.

 

Planung/Herstellung

 

Baugenehmigungsgebühren, Architektenhonorar, Aufwendungen für den Statiker, Aushub der Baugrube, Erddeponiegebühren, Kosten des Rohbaus, der Sanitär-, Elektro- und Heizungsinstallation, Hausanschlusskosten an die Strom-, Gas-, Elektrizitäts-, Fernwärme-, Wasser- und Abwasserversorgung, Aufwendungen für Fenster, Türen, Dach, Fliesen, Verputzarbeiten, Tapeten, Böden. Aufwendungen für die Erstellung der Garage(n) etc.

 

Eigenleistungen

 

Aufwendungen für Baumaschinen (Betonmischer, Bohrmaschine, Kreissäge etc.) und Werkzeuge (Wasserwaage, Hammer, ...)

sind Herstellkosten, soweit die Geräte in der Bauzeit verbraucht oder abgenutzt werden. Der Wert der eigenen Arbeitsleistung gehört nicht zu den Herstellungskosten.

 

Sonstiges

 

Kosten des Richtfests, des Anschlusses an das Breitbandkabel (Kabelfernsehen), Fahrtkosten zur Baustelle, zu den Handwerkern und zum Architekten, Anwalts- und Prozesskosten im Zusammenhang mit Baueinwendungen und bei Streitigkeiten mit den Bauhandwerkern etc., Kosten der Hangabtragung, Kosten des Einbaus einer Alarmanlage, Aufwendungen für eine Sonnenmarkise, Baukosten einer Hochwasserschutzmauer, Verpflegung der Handwerker usw. zählen zu den Herstellkosten. Finanzierungskosten (Zinsen, Damnum, Notargebühren für die Bestellung und Eintragung einer Grundschuld) zählen nicht zu den Herstellkosten.

 

Sonstige Gebühren

 

Beiträge an die Gemeinde zur Errichtung eines Kinderspielplatzes, Ablösezahlungen an die Gemeinde im Zusammenhang mit der Verpflichtung zum Bau von Garagen oder Kfz-Stellplätzen etc.

 

Garten

 

Aufwendungen für das Anpflanzen von Hecken an den Grundstücksgrenzen sowie das Anlegen des Zugangswegs und der Garagenzufahrt gehören bei einem Wohngebäude zu den Herstellkosten des Gebäudes. Die übrigen Kosten für eine Neuanlage des Gartens, für eine frei stehende Pergola in einem Ziergarten oder für einen auf dem Grundstück errichteten Kinderspielplatz stellen bei einem Wohngrundstück ein eigenes Wirtschaftsgut dar und sind auf zehn Jahre abzuschreiben. Die Abschreibung kann, soweit das Grundstück vermietet ist und der Mieter die Gartenanlage mitbenutzen darf, als WK abgezogen werden. Die Aufteilung erfolgt nach dem Nutzflächenverhältnis. Aufwendungen für die Instandhaltung (Ersatzpflanzung, Gärtner, Dünger) sind, soweit sie die Vermietung betreffen, sofort abziehbare WK. Für den Arbeitslohn des Gärtners kann bzgl. des Anteils, der auf die zu eigenen Wohnzwecken genutzte Wohnung entfällt, eine Steuerermäßigung beantragt werden (vgl. Haushaltsnahe Tätigkeiten/Dienstleistungen).

Welche Besonderheiten muss ich bei Grundstücken und Gebäuden beachten?

 

Praxis-Tipp: Wenn Sie ein Gebäude innerhalb von 3 Jahren nach dem Erwerb abbrechen, unterstellt das Finanzamt einen Erwerb mit Abbruchabsicht. Dies hat zur Folge, dass der noch nicht abgeschriebene Teil der Gebäudeanschaffungskosten (+ Abbruchkosten) als Herstellungskosten des Neubaus gilt.

 

Praxis-Tipp: Kaufen Sie ein Grundstück mit einem wertlosen Gebäude (Bauruine), stellen die gesamten Aufwendungen Anschaffungskosten des Grund und Bodens dar.

 

 

Praxis-Tipp: Aufwendungen für die Ablösung von Erbbaurechten sind Anschaffungskosten des Grund und Bodens, wenn ein Recht abgelöst wird, um die Beschränkung durch dieses zu beseitigen. Sie gehören zu den Herstellungskosten eines neu errichteten Gebäudes, soweit die vorhandene Bebauung abgerissen wurde. Sie stellen sofort abziehbare Werbungskosten dar, wenn die Abstandszahlungen dem Abschluss eines neuen Erbbauvertrags mit höheren Erbbauzinsen dienen.