Aktienverluste und Steuern: Was geht hier?

Von Bernhard Köstler

 

Gehören Sie zu den Aktionären, die sich aufgrund der Corona-bedingten Kursverluste im März 2020 vorschnell von ihren Aktien getrennt und Verluste eingefahren haben? Wenn ja, sollten Sie diese Aktienverluste bei der Steuer berücksichtigen. Hier die wichtigsten Regeln zum Thema „Aktienverluste und Steuern“.

 

Inhaltsübersicht:

 

Aktienverluste können Sie bei der Steuer mit Aktiengewinnen verrechnen. Die Bank oder das Finanzamt erstattet Ihnen dann die zu viel bezahlte Abgeltungsteuer. Ob die Bank auszahlt oder das Finanzamt, hängt davon ab, ob Sie die Aktienverluste und Aktiengewinne nur bei einer Bank erzielt haben oder ob Sie Verluste und Gewinne in Depots verschiedener Banken erzielt haben.

Aktienverluste und Steuern: Das gilt bei einem einzigen Depot

Haben Sie nur bei einer Bank ein Depot und erzielen Aktiengewinne und Aktienverluste, müssen Sie bei der Steuer nichts beachten. Die Bank verrechnet Aktiengewinne mit Aktienverlusten – selbst wenn diese in verschiedenen Jahren anfallen – und erstattet die zu viel einbehaltene Steuer.

 

Praxis-Tipp:
Nun kann es aber passieren, dass bei Ehegatten sowohl die Ehefrau als auch der Ehemann ein eigenes Depot besitzen und einer Aktiengewinne und der andere Aktienverluste macht. Was gilt dann bei der Steuer? Hier gibt es eine sehr elegante Lösung. Nämlich einen gemeinsamen Freistellungsauftrag der Ehepartner für beide Depots über null Euro.

Angenehme Folge: Die Bank verrechnet Aktiengewinne und Aktienverluste der beiden und erstattet die zu viel bezahlte Steuern.

Aktienverluste für die Steuer bescheinigen lassen

Haben Sie bei verschiedenen Banken Depots und erzielen bei der einen Bank Aktiengewinne und bei der anderen Bank Aktienverluste, gilt bei der Steuer eine Besonderheit. Sie können in diesem Fall in der Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung die Aktiengewinne und die Aktienverluste angeben und das Finanzamt führt dann die steuersparende Verrechnung durch. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie bei der Bank eine Verlustbescheinigung beantragen und dem Finanzamt auf Nachfrage vorlegen.

 

Praxis-Tipp:
Diese Verlustbescheinigung kann immer nur bis zum 15. Dezember der Steuerjahrs gestellt werden. Angenommen, Sie haben Aktiengewinne und Aktienverluste bei verschiedenen Banken erzielt, verrechnet diese das Finanzamt bei der Ermittlung der Steuer nur, wenn bis zum 15. Dezember 2020 eine Verlustbescheinigung bei der Bank mit den Aktienverlusten beantragt wurde.

Aktienverluste bei der Steuer auch ohne Verkauf?

Haben Sie kein glückliches Händchen beim Aktienverkauf bewiesen, die Aktiengesellschaft wird insolvent und die Bank bucht Ihnen die wertlosen Aktien aus dem Depot, haben Sie einen Aktienverlust erzielt. Bei der Steuer müssen Sie hier jedoch um eine Verrechnung kämpfen. Die Sachbearbeiter in den Finanzämtern und den Banken werden die Verlustverrechnung ablehnen. Denn Aktienverluste werden bei der Steuer nur berücksichtigt, wenn der Aktienverluste aus einer Veräußerung stammen. Das ist bei Ausbuchung der Aktien nach aktueller Auffassung jedoch nicht der Fall.

 

Praxis-Tipp:
Hier lohnt sich Gegenwehr: Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat bereits grünes Licht für die Verlustverrechnung gegeben (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 12.12.2018, Az. 2 K 1952/16). Jetzt muss noch der Bundesfinanzhof in zwei Musterprozessen ein Machtwort sprechen (BFH, Az. VIII R 25/19 und VIII R 5/19).

Bis zu einer Entscheidung empfehlen sich ein Einspruch gegen nachteilige Steuerbescheide und ein Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens.

Bernhard Köstler

Bernhard Köstler ist Dipl.-Finanzwirt, Journalist und Fachbuchautor im Bereich Steuern. Er ist seit 1991 in der Münchner Finanzverwaltung tätig, Regierungsrat und Sachgebietsleiter in der Betriebsprüfung.